Übergewichtige Mitarbeiter: Ohne Anreize geht es nicht

|
Vorherige Inhalte
  • Die Zahl der Übergewichtigen ist weltweit stark gestiegen. Die Folgeerkrankungen wirken sich auf die Volkswirtschaft aus. Wer ein betriebliches Gesundheitsmanagement hat und Sportkurse anbietet, bleibt als Unternehmen attraktiv, sagt der Hochschulprofessor Michael Reiher. Foto: dpa 1/2
    Die Zahl der Übergewichtigen ist weltweit stark gestiegen. Die Folgeerkrankungen wirken sich auf die Volkswirtschaft aus. Wer ein betriebliches Gesundheitsmanagement hat und Sportkurse anbietet, bleibt als Unternehmen attraktiv, sagt der Hochschulprofessor Michael Reiher. Foto: dpa Foto: 
  • Professor Dr. Michael Reiher lehrt an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Geislingen im Studiengang Gesundheits- und Tourismusmanagement. Foto: Jan Gutzeit 2/2
    Professor Dr. Michael Reiher lehrt an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Geislingen im Studiengang Gesundheits- und Tourismusmanagement. Foto: Jan Gutzeit Foto: 
Nächste Inhalte

Die Menschheit wird ­dicker und dicker – das zeigt eine aktuelle Studie des Medizinmagazins „Lancet“: 2014 waren weltweit 10,8 Prozent aller Männer übergewichtig, bei den Frauen waren es 14,9 Prozent. Die Forscher ermittelten, dass die Menschheit innerhalb von 40 Jahren pro Jahrzehnt 1,5 Kilogramm im Durchschnitt zugenommen hat. Damit leben erstmals mehr dicke als krankhaft dünne Menschen auf der Erde. Krankhaft fettleibig, also adipös, waren 2014 rund 641 Millionen Menschen.

Professor Dr. Michael Reiher von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) hat die „Lancet“-Studie mit Interesse vernommen. Am Geislinger Standort lehrt er im Studiengang Gesundheits- und Tourismusmanagement (GTM) unter anderem Gesundheitspolitik und -ökonomie, Gesundheitssysteme im internationalen Vergleich und betriebliches Gesundheitsmanagement.

Immer mehr Unternehmen erkennten, wie wichtig normalgewichtige und damit gesunde Mitarbeiter seien, sagt Reiher. Dabei geht es den Betrieben nicht um reine Menschenfreundlichkeit, sondern um Kostenfragen. Denn wer stark übergewichtig ist, dem drohen Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Schlaganfall, Diabetes, Arthrose und Schlafapnoe.

Die Folgen für das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft sind enorm. Zu den direkten Kosten – also jenen, die durch die Behandlung von Krankheiten entstehen –, kämen die indirekten Kosten durch Produktivitätsausfälle wie Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung, so Reiher.

Auch wenn die Schätzungen schwanken: Die Gesamtkosten in Deutschland durch Übergewicht liegen im zweistelligen Milliardenbereich. Für 2003 errechneten Experten mindestens 13 Milliarden. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft rechnet auf Grundlage von Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2020 mit mindestens 25,7 Milliarden Euro Kosten.

Auf den Arbeitsmarkt kommen große Herausforderungen zu, sagt Reiher: „Die Menschen stehen durch die Globalisierung und die fortschreitende Informationstechnologie unter einem immer größeren Druck. Wir müssen immer erreichbar sein. Und wir werden immer älter, müssen also immer länger arbeiten.“

Betriebliches Gesundheitsmanagement mit Sport- und Ernährungskursen werde so zur Notwendigkeit – und zum Wettbewerbsfaktor. „Biete ich so etwas als Unternehmen an, bin ich attraktiv für potenzielle Mitarbeiter“, sagt Reiher. Das gelte auch für Hochschulen, weshalb die HfWU beispielsweise selbst Gesundheitstage veranstaltet.

Größere Betriebe seien Vorreiter, aber auch die kleineren zögen nach. Ein funktionierendes Gesundheitsmanagement brauche Leitlinien, betont der Professor: „Da muss der Geschäftsführer von oben zu seinen Mitarbeitern sagen: Wir wollen, dass ihr gesund seid.“ Eine Studentengruppe seines Studiengangs entwickle derzeit ein Konzept für ein IT-Unternehmen, so Reiher.

Angebote mögen noch so toll sein, sie bewirken nichts, wenn die Mitarbeiter sie nicht annehmen. „Es stellt sich immer wieder heraus: Die Couch Potatoes, die es am nötigsten hätten, erreichen wir nicht“, sagt Reiher. Seine Idee: Die Teilnahme an Sportprogrammen könnte man in die jährliche Zielvorgabe mit aufnehmen und in Halbjahresgesprächen abprüfen. „So etwas über Entgeltsysteme zu steuern, wäre eine innovative Sache“, meint Reiher und ist sich sicher: „Um Mitarbeiter zu motivieren, braucht es solche Anreize.“

An dieser Stelle berichtet die ­GEISLINGER ZEITUNG ­regelmäßig aus dem Geislinger Hochschulleben:
Wer studiert an der HfWU? Welche Forschungsprojekte gibt es? Wie sieht der Alltag der Studenten aus?

Alle Texte finden Sie auf: www.swp.de/hochschulseite.
Kontakt: Kathrin Bulling, ☎ (07331) 202-55, k.bulling@swp.de

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

GZ-Hochschulseite

Was passiert an der HfWU Nürtingen-Geislingen? Was bewegt die Studenten? In unserem Dossier klären wir Fragen wie diese.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Abfallgebühren sind künftig mengenabhängig

Der Kreistag hat  finanzielle Anreize für die Müllvermeidung und -trennung beschlossen. weiter lesen