Terrasse als Wohnzimmer

Alles ebenerdig - wenn die fast 60 Stufen zur Wohnung erst mal überwunden sind. Als Entschädigung eine traumhafte Kulisse, helle Räume. Davor eine Terrasse, die manchen Garten in den Schatten stellt.

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Jurczyks große, begrünte Terrasse mit freiem Blick auf Helfenstein und Ödenturm.  Foto: 

Jeder, der von Türkheim oder über die Wiesensteiger Straße in Geislingens Obere Stadt fährt, kennt die Terrassen-Häuser in der Karlstraße. Neun Häuser schmiegen sich stufenartig in den Hang. Die Terrasse des oberen Hauses bildet das Dach des Wohnzimmers im Haus darunter.

"Wir wohnen gern hier", sagt Petra Jurczyk. Wir - das sind sie und ihr Mann Volker, Tochter Vivian und Sohn Falko. Die erwachsenen Kinder sind hier aufgewachsen. "Unser Schulweg war Treppe", erzählt Vivian. Zu den fast 60 Stufen von ihrer Wohnung zur Karlstraße kamen noch die von der Karlstraße über den Hang Richtung Fabrikstraße, um zum Helfenstein-Gymnasium zu gelangen. "Das hat mich aber nie gestört", wiegelt die 24-jährige Studentin ab, "das war halt so."

"Wenn wir den Einkauf mal oben haben, ist alles ebenerdig", verweist ihre Mutter einen Vorteil. 120 Quadratmeter Wohnfläche auf einer Ebene. Plus rund 60 Quadratmeter Terrasse. "Die ist unser zweites Wohnzimmer", schwärmt Petra Jurczyk. Draußen sitzen, den leichten Wind, "der hier immer fächelt", genießen und ins Grüne schauen. Direkt hinüber zur Burg Helfenstein und zum Ödenturm. "Wenn die abends beleuchtet sind, ist das wie Urlaub", so beschreibt das die selbstständige Pädagogin und Referentin für Erwachsenenbildung, die viel mit dem Auto unterwegs ist und daher die Ruhe zu Hause genießt. Den Verkehrslärm von der Karlstraße nimmt sie nach 25 Jahren kaum mehr wahr. "Viel davon wird von den Bäumen und Büschen am Hang geschluckt, und im Haus haben wir sowieso schalldichte Fenster, da ist es leise", berichtet sie.

Die Terrasse wird umgrenzt von durchgehend 40 Zentimeter breiten und mit Büschen, Kiefern, Koniferen und Blumen bepflanzten Holz-Balkonkästen. Selbst Tomaten, Salat und Kräuter gedeihen hier.

Die neun Häuser wurden genau zwischen die Karl- und die oberhalb parallel verlaufende Zeppelinstraße gebaut. Daher müssen die Bewohner der oberen Wohnungen nicht jedesmal bis zu 180 Stufen steigen, um heimzukommen, sondern sie können von der Zeppelinstraße aus ins Haus gelangen. "Autostellplätze gibt es oben und unten, je nachdem, wie es für die Bewohner kürzer ist", erzählt Petra Jurczyk. Auf der Zeppelinstraße konnten die Kinder früher spielen - "da war früher kaum Verkehr."

Trotzdem, gibt sie zu, seien die Treppen bei den Bewohnern oft ein Thema: "Wenn man älter wird oder aus anderem Grund Probleme beim Gehen hat, wirds schwierig." Die Wohngemeinschaft habe überlegt, einen Treppenlift anzuschaffen. "Aber in dieser Länge ist das einfach zu teuer." Die Wohnungen sind Eigentumswohnungen und bis auf eine von den Eigentümern bewohnt. Die Wohnungen werden mit Gas beheizt, "aber jeder Bewohner kann seinen Bedarf individuell steuern", erläutert Petra Jurczyk. Dadurch, dass oben und unten Wohnungen sind, sei alles gut isoliert - die Heizkosten seien gering.

Der Hauptaufenthaltsbereich bei Familie Jurczyk ist - neben der Terrasse - das große Wohn-Esszimmer mit integrierter Küche. "Unser Wohnmotto lautet Flexibilität", erzählt die zierliche Frau. Die Möbel, selbst die Kücheninsel und der Kühlschrank, stehen unauffällig auf Rädern und können je nach Bedarf - etwa bei einem Fest - problemlos in die Mitte geschoben werden. Der Raum ist von Tageslicht durchflutet wegen der vielen Fenster mit der Aussicht auf Stadt und Albtrauf. Die Kinderzimmer, Büros, Bad und Hauswirtschaftsräume befinden sich dagegen im hinteren Teil des Hauses. "Diese Wohnungen sind Liebhaber-Teile", behauptet Vivian Jurczyk, "das muss man auch wollen. Uns jedenfalls gefällts!"

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