Tälesbahn-Weg: Nur eine Zwischenlösung

Der Tälesbahn-Weg wird weitergebaut. Jedoch nicht bis zum Endpunkt Bahnhof. Dort blockt die Bahn ein Stück der Trasse für ein Abstellgleis.

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Ein Fußweg kreuzt die Tälesbahn-Trasse. Etwa 50 Meter weiter wird der neue Abschnitt des Tälesbahn-Wegs zur Heidenheimer Straße abgeleitet. Das Ganze ist nur eine Zwischenlösung, Ziel bleibt der Lückenschluss zum Bahnhof.  Foto: 

Den Tourismus ausbauen, die Verkehrsinfrastruktur verbessern, alternative Mobilität fördern: All das hat sich Geislingen beim Stadtentwicklungskonzept Mach5 auf die Fahnen geschrieben. Ein wichtiger Punkt in diesem Konzept ist der Tälesbahn-Weg, ein Rad- und Fußweg auf der ehemaligen Tälesbahn-Trasse durch Geislingen, beginnend beim Zillerstall, endend beim Bahnhof. Bislang allerdings ist im Eybacher Tal Schluss, es fehlt noch der letzte, 1,1 Kilometer lange Abschnitt in die obere Stadt.

Diese Lücke wird nun um 600 Meter verkürzt, der Gemeinderat hat seinen einstimmigen Segen gegeben, Baubeginn soll 2018 sein. Richtig glücklich ist aber niemand, weil die ursprüngliche Intention ad absurdum geführt wird, die 25 Meter Höhendifferenz vom Tal zum Bahnhof auf einer sanften Steigung zu überwinden. Der Weg mündet statt dessen in die Heidenheimer Straße – noch vor dem steilen Anstieg zur Bahnhofstraße. Die Stadt hätte gern in einem Schwung bis zum Bahnhof durchgebaut, was aber (noch) nicht geht.

Verhinderer ist die DB Netz, die beim Bahnhof einen Teil der ehemaligen Trasse – selbige ist in städtischem Besitz – als Standort für ein Abstellgleis reklamiert. Dieses Gleis hätte bis 2019 fertig sein sollen, damit einmal der Metropolexpress im Halbstundentakt bis Geislingen fahren kann. Wohlgemerkt hätte. Nun hat auch noch die DB Fernverkehr mit ihrer Ankündigung, den Fernverkehr neu zu planen, die Stadt kalt erwischt. Denn inzwischen ist völlig unklar, ob am Ende überhaupt noch ein Abstellgleis gebraucht wird.

Das Dilemma an der verworrenen Geschichte: Die Stadtverwaltung will den Metropolexpress nicht blockieren. Sie kann aber ebenso wenig abwarten, weil sie bis Monatsende der Region Stuttgart mitteilen muss, ob sie einen bereits bewilligten Zuschuss über 110.000 Euro auch für die verkürzte Strecke einsetzt oder darauf verzichtet. Die Region hatte den Zuschuss ursprünglich sogar an die Bedingung geknüpft, noch 2017 mit dem Projekt zu beginnen. Als das Landratsamt zu Jahresbeginn der Stadt mitteilte, dass sich Radweg und Abstellgleis ins Gehege kommen könnten, vereinbarte die Verwaltung daraufhin mit der Region einen Aufschub bis 30. September. Um auf der sicheren Seite zu sein, hatte die Stadt von einem unabhängigen Ingenieurbüro prüfen lassen, ob – wie von der Bahn reklamiert – tatsächlich die Tälesbahn-Trasse beim Bahnhof aus „betrieblichen Gründen“ zwingend ist als Standort fürs Abstellgleis.

„Zur jetzigen Situation gibt es keine Alternative“, betont darum Stadtplanerin Alwine Aubele. Was zugleich bedeutet, dass es keinen Sinn macht, eine weitere Alternativplanung für das letzte Stück des Wegs anzuschieben. Zugleich machen Stadträte wie Oberbürgermeister deutlich, dass der neue Abschnitt des Tälesbahn-Wegs auf keinen Fall dessen Ende ist. „Als abschließende Lösung nicht zu akzeptieren“, so formuliert es Bernhard Lehle (GAL). Man müsse den Bürgern deutlich machen, dass es eben nicht die Schuld der Stadt sei, sondern die der Bahn, dass sich dieses Vorzeigeprojekt nicht wie geplant umsetzen lasse, sagt Lehles Fraktionskollege Benedikt Dörrer. Und OB Frank Dehmer bekräftigt: „Wir dürfen das nicht als Abschluss der Maßnahme sehen, sondern lediglich als weiteren Bauabschnitt.“

Sascha Binder (SPD), der in seiner Funktion als Landtagsabgeordneter bereits die Bahn für ihr Planungschaos heftig kritisiert hatte, setzt nun darauf, dass das Abstellgleis hinfällig wird. „Vielleicht haben wir ja mal das Glück, dass wir von Dingen profitieren, die die Bahn verbockt.“ Hans-Peter Maichle (CDU) schlussendlich sieht im grünen Verkehrsminister Winfried Hermann – das Land bestellt die Züge – den maßgeblichen Verursacher des ganzen Tohuwabohus, das sich nun eben auch auf den Tälesbahn-Weg auswirkt. „Das Problem würde es nicht geben, wenn man den Metropolexpress bis nach Amstetten fahren lassen würde.“

Verlauf Der neue Abschnitt des Tälesbahn-Wegs wird 600 Meter lang und auf Höhe der Eybstraße zur Heidenheimer Straße geführt. Dort geht es für die Radler auf der Straße weiter. Allerdings wäre der Bereich der Konrad-Adenauer-Straße über einen Fußweg an den Tälesbahn-Weg angeschlossen.

Kosten Die Gesamtkosten belaufen sich auf 425.000 Euro. Davon sind 362.000 Euro reine Baukosten. Vom Land ist noch ein Zuschuss-Rest von 110.000 Euro übrig, für den gesamten Tälesbahn-Weg hatte die Stadt 550.000 Euro bekommen. Ebenfalls mit 110.000 Euro bezuschusst die Region Stuttgart den Bau.

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Kommentare

29.09.2017 14:17 Uhr

Die Bausünde endlich beseitigen

Was Geislingen vor allem aus ganz Deutschland Zulauf bescheren wird: Ist ein Trampelpfad ab Bhf Geislingen entlang der Gleise die Geislinger Steige hoch nach Bhf Amstetten.
An den besten Fotopunkten Hochstände, Blickfreiheit und Hinweistafeln fürs Licht und Kameraeinstellungen. Fertig ist die Pufferküssersteige Geislingen. Übernachtungszahlen inklu. Ach ja, und der Metropolexpress fährt dann nicht mehr nur bis Süsßsen und die RE's halten wieder im Bhf Amstetten. So wie es sein soll :-)

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