Starkes Brausen und zartes Rieseln

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Drei Werke aus der Barockzeit und zwei aus der Spätromantik wurden durch die vorzüglichen Darbietungen des Organisten Hans Martin Kröner zu einem eindrücklichen Pfingstauftakt gestaltet.   Foto: 

Was hat wohl die Besucher angetrieben, die in einer für ein Orgelkonzert bemerkenswert großen Zahl am Samstag in die Geislinger Stadtkirche gekommen waren? War es das auf das Pfingstfest ausgerichtete Programm? War es das schon vielfach bewiesene Können des Bad Überkinger Organisten Hans Martin Kröner? Nun, es wird wohl beides gewesen sein, und die damit geweckten Erwartungen wurden denn auch aufs Schönste erfüllt.

Drei Werke aus der Barockzeit und zwei aus der Spätromantik wurden durch die vorzüglichen Darbietungen des Organisten zu einem eindrücklichen Pfingstauftakt gestaltet.

Die Besucher wurden dann kurzerhand zu der angekündigten „eigens für das Konzert zusammengestellten Schola“ gemacht. An der Truhenorgel begleitet von Kantor Thomas Rapp sang diese „Schola“ die Gesangbuchlieder 125 und 126, womit die nachfolgenden „Veni Creator Spiritus“-Melodien schon mal präsent waren. Und wie bestellt schien die Abendsonne durch das Westfenster hinter dem Orgelprospekt, als ob solchermaßen sich der angerufene Heilige Geist offenbaren wollte.

„Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel“ – so wird das Erscheinen des Heiligen Geistes in der Apostelgeschichte beschrieben. Und mit der überwältigenden Eröffnung seiner Choralfantasie BWV 651 über „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“ bezieht sich Johann Sebastian Bach auf diese Beschreibung des Pfingstgeschehens. Nach einem langen Orgelpunkt wurde die Choralmelodie im Pedal ausgebreitet, fantasievoll umspielt und in einem jubelnden Halleluja zu Ende gebracht. Hatte hier also das starke Brausen im Vordergrund gestanden, so zeigte der fünfsätzige Hymnus „Veni creator spiritus“ von Nicolas de Grigny, dass der Geist auch zart rieseln kann. Hans Martin Kröner nahm sich Zeit, die nur im Manual gespielten Partien auszukosten, und sorgte damit für bezwingend intensive Momente, ehe auch hier der Schlusssatz das himmlische Brausen vermittelte.

In Dietrich Buxtehudes Choralvorspiel „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“ ist die Melodie augmentiert, doch sind die verlängerten Noten mit einer Fülle von Verzierungen versehen, die das Stück ständig in freudiger Bewegung hielten.

Die Orgelsonate Nr. 1 op. 42 von Alexandre Guilmant bildete das umfangreichste Werk des Abends, das einerseits klassisch angelegt war, aber auch enorm viel emotional-genießerisches Gefühl zu erzeugen vermochte. Mit großer Pranke auftrumpfend, kündigte Kröner das Kommende an, kühlte die Leidenschaften mittels Schweller auch wieder ab und nahm das Pedal als wichtige Größe wahr.

In der ausgiebigen Pastorale in der Form A-B-A, mit einem Choral als Mittelteil, arbeitete der Interpret die wechselnden Stimmungen plausibel heraus und ließ gleichwohl manch Geheimnisvolles nur erahnen. Eine Siegesfanfare in Dur sorgte dann für den passenden sinfonischen Abschluss.

Eine Messe zum Pfingstfest vertonte Charles Tournemire (1870-1939) in seinem Opus 56. Ein meditativer Introitus wies auf die nachfolgenden Sätze der Gabenbereitung, der Wandlung und der Kommunion hin, welche durch Cluster, also Klanggebilde, deren Töne nahe beieinanderliegen, oder unendlich lang wirkende Haltetöne das sakrale Moment versinnbildlichten.

Die von Hans Martin Kröner erzeugte und konstant durchgehaltene Spannung wurde dann befreiend aufgelöst durch die abschließende Fantasie mit Choral.

Mit einer Zugabe, „In Paradisum“ von Théodore Dubois, entführte der umjubelte Organist seine Zuhörer vollends in die höchsten Sphären. Eine wellenartig umspielte tröstliche Melodie nach einer alten Antifon entließ die zufriedenen Besucher ins bevorstehende Pfingstfest.

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