Spuren hinterlassen

Es war Ex-Bundespräsident Wulff, der das Bürgerforum 2011 angestoßen hatte. Auch wenn er selbst nicht mehr im Amt ist - das Projekt soll im Landkreis nachwirken. Ideen und Wünsche gibt es viele.

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Ex-Bundespräsident Christian Wulff trifft Landrat Edgar Wolff im Schloss Bellevue. Wulffs Initiative hat im Filstal Spuren hinterlassen. Foto: Archiv

Zum dritten Mal innerhalb von knapp drei Jahren wird morgen ein neuer Bundespräsident gewählt. Joachim Gauck wird höchstwahrscheinlich im ersten Wahlgang eine große Mehrheit bekommen und damit die Nachfolge von Christian Wulff antreten, dessen Ära Mitte Februar unrühmlich geendet hatte: Nach langen Diskussionen über diverse Vorwürfe und der Ankündigung der Staatsanwaltschaft Hannover, die Ermittlungen aufzunehmen, trat Wulff schließlich zurück.

Im Landkreis Göppingen hat der Bundespräsident a.D. auch Spuren hinterlassen. Wulff war es, der im vergangenen Frühjahr das Bürgerforum 2011 ins Leben gerufen hatte. Zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung und der Heinz-Nixdorf-Stiftung ging eines der bundesweit größten Bürgerbeteiligungsprojekte an den Start. Unter dem Titel "Zukunft braucht Zusammenhalt - Vielfalt schafft Chancen" waren insgesamt 10 000 Teilnehmer der Republik aufgerufen mitzuarbeiten. Eine der 25 Städte und Regionen, die nach der Bewerbung zum Zuge kamen, war der Landkreis Göppingen. 400 Bürger waren jeweils bei Veranstaltungen vor Ort, diskutierten auf einer Internetplattform mit und entwickelten Ideen, wie der Zusammenhalt in der Gesellschaft gestärkt werden kann.

"Die Teilnahme war eine einmalige Chance", ist Hans-Peter Gramlich, Sozialdezernent im Landratsamt, überzeugt. "Wir sind dankbar, dass wir bei der Initiative des damaligen Bundespräsidenten mitmachen durften." Die Aktion will er aber nicht an einer Person festmachen: "Das lief eher über das Bundespräsidialamt." Es sei also nicht ausgeschlossen, dass auch künftig solche Projekte vom Schloss Bellevue aus gesteuert werden.

Das von Christian Wulff initiierte Bürgerforum 2011 ist jedenfalls abgeschlossen, sagt Christine Stutz. Bei ihr als Regionalorganisatorin liefen die Fäden zusammen. Die Mitarbeiterin im Landratsamt war im vergangenen Jahr auch Mitglied der Göppinger Delegation, die das regionale Bürgerprogramm an den Bundespräsidenten übergeben hat. Auch Landrat Edgar Wolff war damals bei der Abschlussveranstaltung im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn dabei.

Christine Stutz beschreibt die Reise als ein "beeindruckendes Erlebnis". Und auch von dem ganzen Forum ist die Projektleiterin begeistert. "Für uns steht fest, dass es weitergehen soll", unterstreicht sie. Auch der Sozialdezernent wünscht sich, dass die Initiative nicht verpufft: "Wir wollen die Bürgerbeteiligung im Landkreis nach vorne bringen und nachhaltige Strukturen schaffen. Bürgerbeteiligung soll keine Modeerscheinung sein", betont Gramlich, der aber auch weiß: "Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Hier gilt es, einen langen Atem zu haben." Eine Vision, die Bürger zu Wort kommen zu lassen, sei beispielsweise eine Internetplattform auf Landkreisebene, denkt der Sozialdezernent laut nach.

Doch auch zwölf Teilnehmer des Projekts wollen das zarte Pflänzchen Bürgerbeteiligung wachsen sehen und haben einen Stammtisch gegründet. Ziel sei es herauszufinden, wo den Kreisbewohnern der Schuh drückt, welche Wünsche und Ideen es im Filstal gebe. Die Mitglieder des Stammtisches haben auch das Nachtreffen des Bürgerforums mitorganisiert, das gestern Abend im Landratsamt stattfand. Teilnehmer, Bundes-, Landes- und Kreispolitiker warfen dabei einen Blick in die Zukunft. "Wir müssen dicke Bretter bohren, aber die bohren wir gerne", packt Hans-Peter Gramlich das Thema zuversichtlich an.

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