Spagat zwischen Verklärung und Aktivismus

Fünf Natur- und Tierfilmer begleitet Werner Schuessler in seiner Dokumentation "Passion for Planet" rund um den Globus. Beim 5-Täler-Kinotag stellte der Regisseur seinen Film persönlich vor.

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    Regisseur Werner Schuessler zeigt beim GZ-Kinotag wunderschöne Naturaufnahmen, aber auch den zerstörenden Einfluss des Menschen. Foto: 
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Die Filmemacher Michael und Rita Schlamberger sind entlang des Sambesi auf der Suche nach noch nie dagewesenen spektakulären Aufnahmen. "Der Markt verlangt von Naturfilmern eine gehobene Art der Unterhaltung", erklärt Michael Schlamberger. "Wir zeigen einen geschönten Ausschnitt der Welt", ist sich der Österreicher bewusst. "Die verbliebenen Reste einer intakten Natur." Mit seinen Filmen wolle er ein positives Bewusstsein für die Umwelt schaffen. "Nur was man kennt, liebt man", meint er. "Und nur was man liebt, schützt man."

Der Spagat zwischen den Interessen von Geldgebern, die schöne, vielleicht auch verklärende Bilder verlangen und dem eigenen Anspruch, über die Zerstörung der Natur durch den Menschen aufzuklären, gestaltet sich für viele der in "Passion for Planet" zu Wort kommenden Naturfilmer schwierig. "Naturfilme erzählen künstliche Geschichten, in denen der Einfluss des Menschen ausgeblendet wird", kritisiert der Kanadier Rob Stewart. Aber der Mensch stecke in jedem Natursystem der Welt, auch wenn er nicht sichtbar sei. Er habe dem Tierfilmgenre durch seine Filme den Blick auf diesen Sachverhalt aufgezwungen, sagt er. Bei den Kollegen sei dies teilweise ganz und gar nicht gut angekommen.

Viele der Filmemacher in "Passion for Planet" verbinden ihre Arbeit deshalb mit Aktivismus. Rita Banerji etwa macht mit ihrer Doku "The Wild Meat Trail" auf den Wildtierhandel im Nordosten Indiens aufmerksam. Inzwischen hat sie dort ein Projekt initiiert, das hilft, Kinder für nachhaltigen Naturschutz zu begeistern.

Die filmische Leidenschaft von Rob Stewart gehört den Haien. Für seinen Film "Sharkwater" begleitete der Kanadier die Naturschutzorganisation "Seasheperd" beim Kampf gegen das Hai-Finning - einer Jagdmethode, bei der Fischer den Tieren bei lebendigem Leib die Flossen abschneiden. Danach hat Stewart keine Lust mehr auf "Hochglanzfilme" und wird zum Filme machenden Umweltaktivist.

"Passion for Planet" gelingt es, wunderschöne Naturaufnahmen zu zeigen, ohne die Zerstörung durch Menschenhand auszublenden. Wie es ihnen mit dem Film gegangen sei, fragt Regisseur Werner Schuessler die Zuschauer nach der Vorführung. "Schlechtes Gewissen pur" habe die Dokumentation bei ihr ausgelöst, gesteht eine Zuschauerin. "Man fühlt sich so machtlos." Eine andere Frau sagt, sie habe mit den Tränen kämpfen müssen. Solche Reaktionen habe er eigentlich nicht hervorrufen wollen, sagt der Filmemacher. "Mein Ziel war nicht zu zeigen, wie schlimm die Welt ist." Der moralisch erhobene Zeigefinger sei ihm suspekt. Doch jeder Einzelne könne durch sein eigenes Verhalten im Alltag einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, betont er. "Jeder kann am Schräubchen mitdrehen."

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