Sonne-Center braucht einen Magneten

Ende Oktober bekommt das Geislinger Sonne-Center vielleicht einen neuen Eigentümer. 85 Prozent der Immobilie werden zwangsversteigert.

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Seit der Mediamarkt 2013 endgültig seine Tore schloss, herrscht im Geislinger Sonne-Center Flaute. Jetzt ist ein Großteil des knapp 40 Jahre alten Einkaufszentrums bei einer Zwangsversteigerung zu haben. Verkehrswert: 1,03 Millionen.  Foto: 

Oktober ist der Tag, an dem wichtige Weichen für die Zukunft des Geislinger Sonne-Centers gestellt werden könnten: Ein Großteil des in den Jahren 1976 bis 1978 erbauten Einkaufszentrums wird dann in zehn Teileigentumseinheiten im Göppinger Amtsgericht zwangsversteigert.

Unter den Hammer kommen die Anteile eines Immobilienfonds, dessen Gesellschaftern im Moment 85 Prozent des Sonne-Centers gehören, darunter die acht Läden im Erdgeschoss und das obere Parkdeck.

Der Fonds sei Anfang der 1990er Jahre als Steuersparmodell insbesondere an „Otto-Normalverbraucher“ verkauft worden, erläutert Ted Bauer, Geschäftsführer der in Heilbronn ansässigen Fondsgesellschaft BVV, die den Immobilienfonds verwaltet. Von damals sei bekannt, dass der Fonds ein Volumen von rund 26 Millionen Mark hatte, das durch sogenannte Weichkosten –  darunter fallen etwa der Vertrieb des Fonds sowie die Gründungs- und Finanzierungskosten – und einen zu hoch angesetzten  Grundstückspreis „aufgeblasen“ gewesen sei. Von den ursprünglich etwa 360 Gesellschaftern könne „eine stattliche Anzahl“ ihren Darlehensverpflichtungen nicht mehr nachkommen.

Hinzu komme, dass in den ersten 15 Jahren sehr wenig in das Objekt investiert worden sei. Inzwischen müsse zum Beispiel nach rund 38 Betriebsjahren die Heizungs-und Lüftungsanlage saniert werden. Dazu seien die Fondsgesellschafter nicht mehr bereit.

 Wie sich die Zwangsversteigerung auf die derzeit im Sonne-Center ansässigen Geschäfte auswirkt, müsse abgewartet werden, meint Bauer. „Dies dürfte wohl vom neuen Eigentümer und dessen Revitalisierungsideen abhängen.“ Er ist optimistisch, dass sich am 26. Oktober ein neuer Eigentümer finden wird. Es hätten sich bereits einige Interessenten gemeldet, die Informationen zum Objekt haben wollten.  Man müsse das Ergebnis des Termins abwarten, „wir sind jedoch zuversichtlich“.

Am City-Outlet orientieren

Das Sonne-Center habe durchaus Potenzial, meint Alexander ­Doderer, Chef der Marketing-­Agentur Gruppe Drei, die für Geislingen derzeit ein Stadtmarketingkonzept entwickelt. Eine Grundvoraussetzung für eine ­erfolgreiche Wiederbelebung des in die Jahre gekommenen Einkaufszentrums gebe es allerdings: „Man muss dort einen Magneten platzieren.“ Dabei sei es empfehlenswert, sich thematisch am Angebot des City-Outlets zu orientieren: Wohnen, Küche, Essen, Genuss. Ein solcher Ansatz passe auch zu dem langfristigen Konzept, das Outlet langsam in die obere Stadt „hineinwachsen“ zu lassen.  Als Inspiration fällt Doderer spontan  das italienische Unternehmen „Eataly“ ein, das Gastronomie, Feinkostmarkt und Kochkurse in  Markthallenatmosphäre verbindet.

 Generell warnt Doderer davor, einem einzelnen Mieter eine zu große Fläche bereitzustellen. Für Geislingen sei eher eine gesunde „Durchmischung“  das richtige Rezept. Im Idealfall könnte das Sonne-Center durch diverse Angebote, die unter den Schirm „Wohnen und Genießen“ passen, wieder Erlebnis- und Aufenthaltsqualität bekommen.  „Das wäre sympathisch“, meint Doderer.

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