Sommerakademie: Auf himmlischen Pfaden

Der „Skywalk“ bei Scheidegg, ein Naturerlebnispark mit Baumwipfelpfad, war eines der Ziele einer Exkursion des Stadtseniorenrates.

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Landschaft – Ästhetik und Therapie waren das Thema der Hochschule 50 plus zu der der Stadtseniorenrat Geislingen und die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen Anfang März geladen hatten. In Ergänzung dazu wurde jetzt die Sommerakademie angeboten, 51 Teilnehmer reisten per Bus zunächst ins oberschwäbische Ravensburg und dann nach Scheidegg ins Allgäu.

Im Ravensburger Kunstmuseum, einem architektonisch besonderen Gebäude, besichtigten die Geislinger Ausflügler die Ausstellung von Herman de Vries, einem der renommiertesten Künstler der Gegenwart. Der seit den 70er Jahren im fränkischen Maintal beheimatete Niederländer stellt bei seinen Arbeiten die Natur in den  Mittelpunkt. Achtsam und mit geschulten Blicken nimmt der Botaniker und Künstler die Welt wahr und findet auf Wanderungen das Besondere in dem, was uns umgibt.

Es entstanden Werke, die naturwissenschaftliche Methodik und individuelles sinnliches Erleben verbinden und poetisch auf die Vielfalt der Natur aufmerksam machen. Im Zentrum seiner Werksreihe „from earth“ steht das Material Erde. Unter diesem Titel hat der Biennale-Teilnehmer 1983 begonnen, Erdproben zu Pulver zu verreiben und auf Papier auszureiben. Seine Sammlung „Erdmuseum“ umfasst heute über 8000 Erdproben aus aller Welt, die permanent im Museum Gassendi in Digne-les-Bains ausgestellt sind.

In seinem ortsspezifischen Projekt „from-earth Oberschwaben“ hat er jetzt unterschiedliche Erden, die in der Gegend von Ulm bis hinunter zum Bodensee gesammelt wurden, auf Papier ausgerieben. Unter dem Ausstellungsformat „Fremde Blicke“ werden die 28-Blätter dieses einzigartigen Zyklus im Foyer des Kunstmuseums präsentiert.

Im ersten Obergeschoss des Kunstmuseums befindet sich eine Sammlung des bekannten Künstlers Peter Selinka. Die Ausstellung umfasst drei Schwerpunkte des deutschen Expressionismus der Gruppen „Cobra“ und „Spur“.

In den 1970er Jahren stieg das Interesse Peter Selinkas für die Künstlergruppe „Cobra“. Die Cobra-Künstler verbanden das Streben nach einem unmittelbaren und spontanen Ausdruck ihrer Emotionen in Form einer taktisch-informellen Pinselschrift. Es entstanden Bilder in starker Farbigkeit.

Im zweiten Obergeschoss besichtigten die Geislinger die Stahlplastiken des 1953 in Ravensburg geborenen Robert Schad. Der Künstler gehört zu den renommiertesten Stahlbildhauern seiner Generation. Schon während seines Studiums entdeckte er das Material Stahl für sich und fertigte im Rahmen eines Wilhelm-Lembruch-Stipendiums erste Freiplastiken für den Außenraum. So entstanden durch Verschweißen von massiven Vierkantstahlstreben komplexe Kunstwerke. Für das Kunstmuseum Ravensburg entwickelte Robert Schad konzipierte Arbeiten.

Im Anschluss an die Führung im Kunstmuseum ging die Busfahrt weiter in die Gemeinde Grünkraut zur Mittagspause und danach in Richtung Scheidegg im Allgäu zum  dortigen Baumwipfelpfad „Skywalk“. Der Pfad befindet sich in einer Höhe von 15 bis 40 Metern zwischen den Baumwipfeln. Der gesamte Naturpark liegt auf rund 1000 Metern über Meereshöhe.

Der 540 Meter lange Rundweg bietet einen traumhaften Ausblick über die Alpen, das Alpenvorland und bis hin zum Bodensee. Außerdem ist es ein absolutes Erlebnis zwischen den Baumwipfeln und Kronen des Allgäuer-Bergwaldes spazieren zu gehen, wobei man fast Tannenzapfen pflücken kann. In diesem Wald wurde im Jahre 2010 die Hängebrückenkonstruktion – quasi wie Baumstämme – hineingepflanzt und in nur elfmonatiger Bauzeit realisiert.

Türme, Masten und Abspannungen sind mit etwa 15 Meter langen Mikropfählen im Boden verankert und tragen die Brücken, die wiederum an 3000 Meter Stahlseil befestigt sind.

Im Zentrum der in herrlicher Landschaft gelegenen Anlage steht ein 50 Meter hoher Aussichtsturm mit Aufzug. Das typische Verformungs- und Schwingungsverhalten macht das Erlebnis „Baumwipfel Pfad“ auch spürbar. Man hat wirklich das Gefühl, durch den Himmel zu laufen.

Die Bauzeit des Baumwipfelpfades und der Anlage betrug elf Monate. An den Projektkosten in Höhe von elf Millionen  Euro beteiligten sich die EU, die Gemeinde Scheidegg sowie das Land Bayern. Es wurden 70­ 000 Schrauben verarbeitet.

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