Sommer auf Chios: Von wegen griechische Tragödie

Es war noch Winter, als GZ-Mitarbeiterin Melanie Saumer nach Griechenland aufbrach, um dort ein Jahr zu verbringen. Ihr Sommer-Zwischenfazit: Von wegen Tragödie, es war heiß und schön.

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Melanie Saumer (vorn) am Hafen von Chios City. Dort ist sie meistens am Wochenende anzutreffen - wenn sie nicht gerade am Strand ist.

Es war ein denkwürdiger 13. Juli: Toooor in Rio! Super Mario Götze hats gemacht - in der 113. Minute! 1:0 gegen Argentinien, sogar Angela Merkel ist aufgesprungen! Der Game-Winner, ein paar Minuten später sind wir Fußball-Weltmeister! Und wer ist an diesem glorreichen Tag der deutschen Geschichte NICHT in der Heimat anzutreffen? Genau, meine Wenigkeit.

Seit Februar habe ich für ein Jahr Landluft, Spätzle und Bier gegen Meeresbrise, Gyros und Wein auf dem griechischen Inselchen Chios eingetauscht. Im Rahmen meines europäischen Freiwilligendienstes (EFD) hier bringe ich zusammen mit den vier anderen Freiwilligen Kindern Englisch und Computerprogramme bei, produziere Videos, aktualisiere Webseiten und kümmere mich um unser Webradio chiosradio.gr.

Ja, ich weiß: Angesichts des wenig berauschenden Sommerwetters in der Heimat möchte niemand vom wirklich hinreißenden griechischen Sommer hier auf Chios hören, noch immer ist es 22 bis 25 Grad warm, am Tage wie in der Nacht. Aber ich kann nicht anders, es muss einfach raus: Den Sommer auf einer griechischen Insel zu verbringen ist so ziemlich das Beste was man tun kann!

Natürlich profitieren die jungen Griechen von den wochenlang anhaltenden Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke, weil die nämlich von Anfang (!) Juni bis Mitte September keine Schule haben. Ergo sum sind wir Freiwilligen momentan nicht in der Schule tätig und machen stattdessen unterschiedlichste Sommeraktivitäten mit den Kids: Audacity und Wordpress Workshops, Fotos knipsen und bearbeiten, Videos drehen und zusammenschneiden und natürlich auch Segeln und Schwimmen gehen. Doch egal ob Computerarbeit oder Ausflüge unter der griechischen Sonne, die Mittagspause kann man nur an zwei Orten verbringen: im Kühlschrank oder im Meer; ihr könnt euch also vorstellen, welchen enormen Verbrauch an Sonnencreme wir gehabt haben!

Nun aber zu einem der größten Ereignisse meines bisherigen Freiwilligendienstes hier: Ich kann mich zu den Teilnehmern der Aegean Regatta 2014 zählen! Das ist eines der größten Segelrennen in der ägäischen See und besteht daraus, eine Woche lang von Insel zu Insel zu segeln und dabei im Wettbewerb mit insgesamt 90 anderen Segelbooten zu stehen. Dabei lernt man als Segelanfänger, der ich nun mal bin, zwei essentielle Dinge: Erstens sind alle griechischen Inseln wunderschön und haben jeweils ihren ganz eigenen, charakteristischen Charme. Und zweitens ist Segeln eine der härtesten Sportarten, die ich kenne! Die drei Rennen dauerten alle mehr oder weniger zehn Stunden.

Im zweiten Rennen von der Touristeninsel Kos zum bezaubernd verschlafenen Inselchen Tilos hatten wir leider das Pech, fast zwei Stunden in einer absolut windstillen Zone zu stecken. Da konnten wir nichts tun außer Däumchen drehen und uns fleißig mit Sonnencreme Faktor 50+ einschmieren. Doch später sollte sich das als unser Vorteil herausstellen, da wir ein klitzekleines bisschen vor den anderen wieder Wind in den Segeln hatten und damit den ersten Platz in unserer Kategorie von 53 Booten belegten!

Als wir mit unserem Pokal im Gepäck wieder von der hohen See zurückkehrten, ging es schon wieder ratzfatz weiter im Programm: Die Zeit gerade zählt zu den spannendsten meines Freiwilligenjahres, da wir nun das Vertrauen der Schüler und Eltern haben und uns somit einige Türen offen stehen. Beispielsweise werden wir unsere Seminare über diverse Computerprogramme nicht nur mit Grundschülern, sondern jetzt auch mit deren Lehrern machen. Und falls das gut klappt, werden wir wieder in der Grundschule mitarbeiten, worauf ich mich echt freue!

Dadurch, dass wir momentan ein bunt gemischter Haufen aus Polen, Österreichern, Spaniern, Deutschen und bald auch Norwegern sind, lerne ich ganz nebenbei auch viel über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser europäischen Nationen und kann außerdem schon ganz ordentlich in allen möglichen Sprachen fluchen!

Nach einem halben Jahr kenne ich mich hier gut aus, habe einen guten Draht zu den Nachbarn, Schülern und auch zu den anderen Freiwilligen - kurz, ich fühle mich wirklich wie zu Hause. Es ist total interessant, unterschiedliche Blickwinkel zu erfahren und ich bin wirklich gespannt, was jetzt noch alles so kommen mag! Falls ihr genauso gespannt darauf seid, schaut doch einfach mal auf meinem Blog vorbei: www.howwemettheworld.wordpress.com/category/griechenland

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