So lebt sich’s in Weiler: Zwei Spitznamen für ein Dorf

In Weiler ist das ehrenamtliche Engagement groß, sagt Ortsvorsteherin Bettina Maschke. Für die Zukunft wünscht sie sich neue Bauplätze.

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Der von Bürgern gestaltete Erlebnisspielplatz am Rand des Neubaugebiets „Teichle“ ist ein gutes Beispiel für das große ehrenamtliche Engagement in Weiler, sagt Ortsvorsteherin Bettina Maschke (links). Rolf Lehner und sein sechsjähriger Enkel Raphael schauen dort regelmäßig vorbei.  Foto: 

Bettina Maschkes Urteil über ihren Wohnort steht fest: „Weiler ist ein liebens- und lebenswerter Ort mit wunderbaren Menschen, die bodenständig und aufgeschlossen sind.“ Dies wurde der gebürtigen Waldhausenerin spätestens 2004 bewusst, als sie zur Ortsvorsteherin gewählt wurde. „Eine ,Reigschmeckte‘ als Ortsvorsteherin wäre sicherlich nicht überall denkbar“, sagt sie schmunzelnd.

610 Menschen leben in dem kleinen Ort oberhalb Geislingens; davon 50 in Hofstett am Steig und 15 auf den Gehöften Lindenhof und Battenau. Rund 50 Familien mit Kindern unter 18 Jahren genießen das Leben in der idyllischen Gemeinde. Maschke: „Zum Glück besuchen immer mehr Kinder aus Geislingen unseren Kindergarten. Somit ist eine Schließung aktuell nicht zu erwarten.“

Wichtig sei aber, dass Weiler in naher Zukunft neue Bauplätze erschließen könne, um den Fortbestand des „traumhaft schönen“ Kindergartens zu sichern. Die Nachfrage nach Baugrundstücken sei groß. Maschkes Beobachtung: „Vor allem junge Menschen aus Weiler würden gerne hier bleiben.“

Neben Familien leben in Weiler viele ältere Bürger. „Es ist schön, dass es möglich ist, trotz teilweise mangelnder Verkehrs­anbindung und Infrastruktur in Weiler alt zu werden. Das ermöglichen die familiären und sozialen Strukturen im Ort“, sagt die Ortsvorsteherin.

Was die Grundversorgung anbelangt, sieht es in Weiler nicht rosig aus. Immerhin kommt wöchentlich ein Metzgerwagen, und samstags gibt es im Schulhaus einen Bäckereiverkauf – dort lässt es sich auch in gemütlicher Runde frühstücken.

Arbeitsplätze sind in Weiler ebenfalls Mangelware. Es gibt zwar das eine oder andere Unternehmen wie zum Beispiel eine Zoohandlung, „die Leute aus dem weiteren Umfeld nach Weiler lockt“, sagt Maschke; trotzdem arbeiten viele Weilerner in Geislingen beziehungsweise pendeln in Richtung Stuttgart, Ulm und Heidenheim.

Die Grundschüler besuchen die Schule in Schalkstetten, die älteren Kinder die weiterführenden Schulen in der Kernstadt. Manche Kinder lernen aber auch an der Gemeinschaftsschule Amstetten/Lonsee.

Gut versorgt sind die Weilerner hingegen, was das Kulinarische anbelangt: Zum Verweilen laden der Landgasthof Helfenstein, das Burghotel und an den Wochenenden die Skihütte ein. Und auf dem Helfenstein gibt es noch die Burgschenke. Die Burgruine liegt zwar auf der Gemarkung der Kernstadt, „aber wir zählen den Helfenstein heimlich zu Weiler“, gesteht Bettina Maschke augenzwinkernd ein.

Mitten im Ort steht eine zum Bücherhäusle umgebaute Telefonzelle – ein Angebot, das gut angenommen wird. Die Geislinger Musikschule bietet im Kindergarten musikalische Früherziehung an, und auch die Landfrauen warten mit Bildungsangeboten auf. Es gibt einen Sportplatz und zwei Spielplätze, wobei jener am Rand des Neubaugebiets „Teichle“ sicherlich zu den schönsten in der weiteren Umgebung zähle, schwärmt Maschke. Von 2005 bis 2007 sei dieser Erlebnisspielplatz durch rein ehrenamtliches Engagement gestaltet worden. Treffpunkte für die Bürger gibt es ausreichend, berichtet die Ortsvorsteherin: zum Beispiel den Ödenturmsaal und das Schulhaus. Die Jüngeren des Ortes seien derzeit dabei, einen Jugend­treff in einem Container zu schaffen (wir berichteten). Trotzdem wünschen sich viele einen Dorfplatz als zentralen Treffpunkt für alle Bürger, betont Maschke.

Ärgerlich ist für sie und die Anwohner der Dorfstraße, dass Verkehrsteilnehmer, die eigentlich die Umgehungsstraße nutzen könnten, mit erhöhter Geschwindigkeit durch den Ort fahren. Bedauerlich sei auch, „dass manche Autofahrer auf der K1441 an den angrenzenden Häusern vorbei rasen“.

Mit Blick auf die Zukunft ist es Bettina Maschke keineswegs bange: Schließlich ist das ehrenamtliche Engagement in Weiler groß, und die Bürger haben sich mit dem Projekt „Weiler – wir gestalten unsere Zukunft“ auf den Weg gemacht, ihren Heimatort weiterzuentwickeln – das freut die Ortsvorsteherin enorm. „Das große Ziel ist die Aufnahme unseres Stadtbezirks in das Förderprogramm Entwicklung ländlicher Raum.“

Übrigens: Die Weilerner haben zwei Spitznamen für ihren Ort: So heißt das Oberdorf „Eisbären“ und das Unterdorf „Schweiz“. Warum das so ist, weiß Bettina Maschke nicht genau – vermutlich, weil sich die Landschaft im Unterdorf felsiger präsentiere und es im Oberdorf etwas kühler sei. Fest steht indes, dass der Schweizer Nationalfeiertag am 1. August auch in Weiler gefeiert wird: Dann lädt die Weilerner Schweiz zum gemütlichen Hock ins Unterdorf ein.

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