So lebt sich's hier: Familie Ziegler in Hofstett

Walter Zieglers Familie lebt seit Generationen in Hofstett. Mit seiner Frau Maike und den vier Kindern hat er sich dort ein gemütliches Zuhause geschaffen.

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Die Zieglers aus Hofstett – Vater Walter, Sohn Christian, Mutter Maike, die Söhne Florian und Jonathan sowie Tochter Lina (von links) – genießen das Landleben.  Foto: 

Hinter Weiler ist die Welt zu Ende. So wirkt es zumindest, wenn man weiterfährt Richtung Hofstett am Steig. Der Teilort des Geislinger Stadtbezirks ist zwar in ganz Weiler deutlich ausgeschildert, doch die Hinweistafel am Ortsausgang macht klar: Hofstett ist eine Sackgasse – dahinter kommt keine befestigte Straße mehr, nur Felder, Forstwege und Wald, und irgendwann Amstetten. Elf Häuser stehen in Hofstett, das ist alles.

Dass sie so abgeschieden leben, ist es gerade, was Walter und Maike Ziegler so sehr an ihrem Wohnort lieben. „Wenn ich den knappen Kilometer von Weiler hierherfahre und ringsum unsere Felder sehe, das finde ich einfach schön“, sagt Maike Ziegler lächelnd.

Während die Familie ihres Mannes seit Generationen in Hofstett lebt, ist die 45-jährige Erzieherin erst vor sieben Jahren auf die Alb gezogen. Davor lebte sie in Boll, sie ist aber gebürtige Altenstädterin. „Es ist etwas anderes. So zu leben wie wir, das muss man schon wollen“, sagt Maike Ziegler.

Ruhe und Natur statt Bars und Discos

Ohne Auto geht nichts, Einkaufsfahrten wollen gut vorgeplant sein, und abends ausgehen ist deutlich umständlicher als in der Stadt. Dafür haben die Zieglers viel Platz, Ruhe und Natur um sich herum – so wie es ihnen gefällt. Die drei- und fünfjährigen Jungs Christian und Jonathan können ungestört draußen spielen, die eigenen Hühner liefern Eier, und wenn Beeren und Holunder im Garten reif sind, macht die Familie Marmelade draus – ein richtiger Luxus sei das, sagt Maike Ziegler. Man habe es ihr leicht gemacht, sich in Hofstett einzuleben, meint sie. „Ich fühle mich sehr wohl hier.“

Die sechsköpfige Familie – dazu gehören noch die 13-jährige Lina und der 16-jährige Florian – bewirtschaftet einen von vier Höfen im Ortsteil. Walter Ziegler und sein Bruder Albrecht betreiben eine Schweinezucht und -mast; gut 900 Tiere leben auf dem Hof. Mit einem Großteil des Fleisches beliefern die Zieglers die Geislinger Metzgerei „Häcker & Messerle“, auf ihren Feldern wächst Braugerste für die Kaiser-Brauerei, Weizen und Roggen für die Straubmühle sowie Hafer für die Haferflocken der Schapfenmühle. „Es ist schön, dass wir so viele lokale Abnehmer haben“, sagt Walter Ziegler.

Großfamilie lebt hier zusammen

Der 47-Jährige studierte Agraringenieurwesen in Hohenheim und übernahm den Hof von seinen Eltern, die – heute 73- und 69-jährig – mit im Haus wohnen. Die Mitglieder der Großfamilie gucken nach sich und sind füreinander da; das ist etwas, was Maike und Walter Ziegler sehr schätzen. Klar, dass bei der Ernte alle mit angepackt haben. „Wenn ich morgens um halb acht in den Stall gehe, kümmern sich die Großeltern um die Jungs, abends die großen Geschwister, das funktioniert ganz wunderbar“, erzählt Maike Ziegler.

Die Landwirtschaft bestimmt den Tagesablauf der Familie. In ihrer Zeit seien sie zwar angebunden, meint Maike Ziegler, aber dafür seien ihre Kinder immer mit dabei, könnten den Papa zum Füttern in den Stall begleiten oder zur Ernte auf die Äcker – wie vor Kurzem. „Da haben wir zwei Hasen gesehen“, erzählt Jonathan stolz. „Feldhasen waren das.“

Der Zusammenhalt in Hofstett funktioniert, weil alle nacheinander schauen. Die meisten sind verwandt miteinander, eine Familie ist von außen hergezogen. Zu den Höhepunkten im Jahr gehört das Maibaumstellen an der Hülbe. Und zu den großen Festen wird der ganze Ort eingeladen, bei Zieglers Hochzeit waren es 160 Gäste.

Im schlimmsten Fall zur Schule laufen

Die Jungen besuchen den Kindergarten in Weiler, Lina geht auf die Daniel-Straub-Realschule in Geislingen, Florian hat dieses Schuljahr auf der Gewerblichen Schule in der Fünftälerstadt angefangen. Mit Auto, Rad und Schulbus legen die Kinder ihre Wege zurück. Während der Kindergarten im nahen Weiler und die Grundschule in Schalkstetten keine großen Probleme darstellen und es im Winter Fahrgemeinschaften gibt, wird es bei den weiterführenden Schulen schon etwas trickreicher, was die Logistik angeht. Florians neue Busverbindungen sind nicht so gut, hat die Familie jetzt festgestellt: „Im schlimmsten Fall, muss er mal die Steige hoch- oder runterlaufen – oder vielleicht kann ihn auch jemand mitnehmen“, sagt seine Mutter. Die Großen wünschten sich manchmal schon mehr Bewegungsfreiheit, meint sie. Zu gerne würde Lina mit ihren Inlineskates oder dem Einrad weitere Strecken zurücklegen, doch die geschotterten Wege rund um Hofstett setzen ihren Ausflügen schnell ein Ende.

Die Zieglers leben in Hofstett, sie fühlen sich aber – auch – als Weilemer. Und als Geislinger. Was in der Stadt vor sich geht, interessiert die Familie. Den Bezug zu Geislingen spüren sie jetzt besonders, da Linas Konfirmationsgruppe sich in der Stadt trifft. Florian engagiert sich einmal in der Woche im Diakonieladen. Ganz eng aber sind die Beziehungen zu Weiler: Walter Ziegler sitzt seit drei Amtsperioden im Ortschaftsrat, Verwandte und Freunde leben dort. Dass Linas Konfirmation in der Margarethenkirche stattfinden wird, freut alle sehr.

Maike und Walter Ziegler würden sich gern noch mehr in den Vereinen engagieren, doch zu mehr als Kuchenbacken für die Landfrauen reiche es derzeit – mit Hof und Kindern – leider nicht, meint sie. Das aber könne in ein paar Jahren ja noch kommen. „Wichtig ist, dass man im Leben flexibel ist und schätzt, was man gerade hat“, sagt Maike Ziegler und lächelt.

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