So lebt sich's hier: Familie Preßmar aus Weiler

Familie Preßmar hat es vor 18 Jahren zufällig nach Weiler verschlagen. Für sich und ihre drei Kinder finden Heiko und Tanja Preßmar das Leben im Geislinger Stadtbezirk ideal.

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Familie Preßmar auf dem Weilemer Spielplatz, einem Musterbeispiel dörflicher Zusammenarbeit: Die Eltern Tanja und Heiko Preßmar mit Mika (links), Janik und Tabea.  Foto: 

„Wir haben ein Haus irgendwo zwischen Geislingen und Eislingen gesucht“, erzählt Heiko Preßmar davon, wieso es ihn und seine Frau Tanja vor 18 Jahren nach Weiler verschlagen hat. Dass sie ihr Traumhaus – bezahlbar und mit Garten – schließlich „hier oben“ fanden, war Zufall. Ihre Einstellung dazu heute: „Nie wieder weg“ (Heiko Preßmar) und „es gibt nichts Besseres“ (Tanja Preßmar).

Beide haben dank ihrer Aktivitäten in den örtlichen Vereinen schnell Anschluss gefunden. „Vor allem jetzt mit den Kindern ist es schön“, sagt Tanja Preßmar, „die können draußen springen, man macht sich keine Sorgen, wenn sie im Dorf unterwegs sind. Das hier in Weiler ist tatsächlich ein Stück heile Welt.“

Die elfjährige Tochter Tabea stimmt dem zu. Hier kann sie mit ihren Freundinnen, die sie schon seit der Kindergartenzeit in der „Burg Fitzelstein“ kennt,  auf der Straße Longboard oder Fahrrad fahren. „Die Mädchen kennst du sogar schon aus der Krabbelgruppe“, berichtigt ihre Mutter.

Auch Mika (8) und Janik (5) spielen gerne draußen. „Hier spielen alle Kinder auf dr’ Gass. Sie fahren Fahrrad oder Inlineskates, lassen ferngesteuerte Autos rumdüsen oder machen Wasserschlachten bei der Hitze“, erzählt Tanja Preßmar.

Mika jedoch hat am Dorf etwas zu bemängeln: „Alle Feste sind immer im Unterdorf. Und das ist richtig doof“. Auf die erstaunten Nachfragen seiner Eltern weist er auf den „ewigen Weg bis nach Hause“ hin. Heiko Preßmar entgegnet: „Aber das sind doch nur etwa 200 Meter.“ Da bekommt Mika Unterstützung von seiner Schwester: „Aber der steile Weg bis zu uns – da fehlt echt ein Lift.“

Für Heiko und Tanja gehören die Feste im Dorf wie das Gartenfest, das Weinfest oder die Maibaum-Hocketse zu den Höhepunkten, die die Dorfgemeinschaft zusammenwachsen lassen. Und die Gemeinschaft, das mache die Lebensqualität aus, zeigen sich beide überzeugt. „Solche Feste wie das Gartenfest zu stemmen, das geht nur als gesamtes Dorf“, sagt Heiko Preßmar, der beim ausrichtenden Liederkranz in Weiler aktiv beim Männerchor mitsingt. „Da helfen zum Beispiel die Jugendlichen vom Bauwagen, die Landfrauen und die Feuerwehr.“ Dasselbe gelte auch bei privaten Aktivitäten. „Man kennt sich, man hilft sich gegenseitig. Das ist ganz selbstverständlich.“

Der Zusammenhalt im Ort falle auch bei den zahlreichen Dorfprojekten auf, die die Weilemer gemeinsam stemmten. Als erstes die Gestaltung des Spielplatzes, dann die Innen-, später die Außenrenovierung des Schulhauses, die Renovierung der Margarethenkirche, das neue Feuerwehrmagazin. „Dass das so toll funktioniert, liegt an Bettina“, sagt Heiko Preßmar und bezieht sich auf die Ortsvorsteherin Bettina Maschke. „Sie ist jemand, der selber zupackt, Leute motivieren kann und sie bei der Stange hält.“

„Seit sie Ortsvorsteherin ist, reihen sich die gemeinsamen Aktionen aneinander“, ergänzt seine Frau. Tanja Preßmar gehört zur Vorstandschaft der Landfrauen im Ort. „Da bin ich über die Aerobic-Gruppe reingerutscht“, erklärt sie. Erst nach und nach habe sie festgestellt, wie viel Bildungsarbeit dort geleistet werde. „Ich habe eine Ausbildung zur Gartenführerin absolviert, es gibt Rhetorikseminare – die Landfrauenarbeit ist unglaublich vielfältig.“ Sie erinnert an die Pflanzentauschbörse jedes Jahr bei Silke Fischer-Wuckelt auf dem Helfenstein-Hof oder an den Jahresausflug aller Weilemer Vereine, den die Landfrauen organisieren und für den oft sogar ein Doppeldecker-Bus gemietet werden muss.

Zu den wichtigen Vereinen im Ort gehöre der Schneelaufverein mit seiner Skihütte, seinen Festen, den Ski- und Radausfahrten. „Und sie spuren die Langlaufloipen im Winter“, sagt Tanja Preßmar. Winter ist für Tochter Tabea das Stichwort: „Im Winter ist es lustig. Manche Kinder fahren dann mit dem Schlitten nach Geislingen in die Schule.“

Tabea selbst besucht die Gemeinschaftsschule in Lonsee. Um die Kinder aus dem Ort, die nach Lonsee gehen, auf den Amstetter Bahnhof zu bringen oder auch zum Kinderturnen nach Stubersheim, bilden die Eltern Fahrgemeinschaften. „Das geht ganz unkompliziert“, berichtet Tanja Preßmar.

Dass ein Auto nötig ist, wenn man in Weiler wohnt, das wisse jeder vorher, meint sie. „Aber Weiler liegt derart nahe bei Geislingen, da läuft Tanja manchmal zu Fuß runter, wenn sie mir im Laden hilft. Da braucht sie nur 20 Minuten“, argumentiert Heiko Preßmar, der in der Fußgängerzone eine Samen- und Korbwarenhandlung  betreibt. „Ich schaff’s schneller. Weil ich renne“, wirft Tabea ein und grinst.

Serie „So lebt sich’s hier“

Porträts: Sechs Stadtbezirke gehören zu Geislingen: Aufhausen, Eybach und Stötten, Türkheim, Waldhausen und Weiler. Wie lebt es sich dort als Familie? Wie kommen die Kinder in die Schule, die Eltern zur Arbeit, und wie sieht die Freizeitgestaltung aus? In der GZ-Sommerserie erzählen Familien vom Leben in ihrem Stadtbezirk.

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