So lebt sich's hier: Die Steiners genießen das Landleben in Wittingen

Richard und Käthe Steiner genießen das Leben auf ihrem Hof in Wittingen: Große Freiheit, viel Platz und der Zusammenhalt unter den Nachbarn sind für sie die Pluspunkte des Landlebens.

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Die Steiners vor ihrem Hof in Wittingen: Mutter Käthe, Vater Richard und Sohn Markus.  Sie lieben die große Freiheit und den Zusammenhalt unter den Nachbarn.  Foto: 

Wittinger wird man entweder durch Geburt oder Heirat. „Reingeschmeckte“ dürfen in dem 30-Seelen-Weiler zwischen Türkheim und Amstetten nämlich nicht einfach ein Häusle bauen. Und auch wenn sich ein bestehender Hof erweitern will, wird die Notwendigkeit dafür genau geprüft, erläutert Richard Steiner (72), den die Liebe Anfang der 1970er Jahre von Birenbach nach Wittingen geführt hat.

Der Grund, warum Wittingen nicht wachsen darf, ist die fehlende Kanalisation. Stattdessen gibt es auf jedem Hof eine Grube, deren Inhalt regelmäßig ausgepumpt und per Lastwagen entsorgt wird. „Es ist gut, dass die Landwirte unter sich bleiben“, findet Käthe Steiner (67). „Dann beschwert sich niemand über Gestank oder Lärm.“

Die Landwirtschaft bestimmt seit jeher das Leben im kleinen Dorf. Doch auch in Wittingen ist die Zeit nicht stehen geblieben. Heute werden die Höfe hauptsächlich als Nebenerwerb betrieben: „Von jedem Haus geht einer ins Geschäft.“ Von den vielen Milchbetrieben gibt’s nur noch einen im Dorf;  Steiners selbst haben ihre Kühe im vergangenen Jahr aufgegeben.

„Ich kann mir nicht vorstellen, in der Stadt zu leben“, sagt Käthe Steiner, die im 150 Jahre alten elterlichen Hof in Wittingen geboren wurde. „Ich kenne nichts anderes.“ Das Leben auf dem Land verbindet sie mit großer Freiheit und viel Platz – etwas ganz anderes als die Enge der Stadt.

Glückliche Kindheit

Ihre Kindheit habe sie als sehr schön empfunden, erzählt die 67-Jährige. Damals gab es jede Menge Spielkameraden im Dorf, darunter auch die Kinder von Flüchtlingsfamilien, die nach dem Krieg in jedem Hof untergebracht waren. Inzwischen sind viele junge Menschen weggezogen. Ein zehnjähriger Bub ist aktuell das einzige Kind in Wittingen. Von den drei Kindern der Steiners lebt noch eines in Wittingen: Der Sohn hat den elterlichen Hof übernommen, eine Tochter wohnt auf einem Aussiedlerhof in der Nähe, die andere ist Erzieherin geworden. Als die Kinder noch klein waren und noch nicht selbst mit Fahrrad, Mofa oder gar Auto mobil waren, mussten die Eltern oft Taxi spielen, um den Nachwuchs von der Schule abzuholen oder zur Jungschar zu bringen. „Auf dem Feld hat man halt die Uhr im Auge behalten, wann man jemand abholen muss“, erinnert sich Käthe Steiner.

Sie selbst ist in Türkheim zur Schule gegangen: Schon mit sechs Jahren machte sie sich jeden Morgen allein zu Fuß auf den Weg in die Grundschule im Nachbardorf. Manchmal konnte sie auf dem Milchkarren mitfahren. „Da bin ich dann zwischen den Kannen gesessen.“

Einen Laden gab es in Wittingen noch nie. Heutzutage ist das kein Problem: Mit dem Auto sind die Geschäfte im Amstetten nur wenige Minuten entfernt. In Käthe Steiners Kindheit sah das anders aus: Als Selbstversorger musste die Familie zwar keine Lebensmittel einkaufen, aber wenn man etwas aus dem Laden brauchte, bedeutete das  einen längeren Fußmarsch durch den Wald hinunter nach Geislingen. Auf dem Rückweg wurden die Waren dann auf dem Rücken wieder den steilen „Steg“ hinaufgeschleppt.

Dorfbewohner feiern zusammen Grillfeste

Das erste Auto hielt auf dem Hof erst Einzug, als Käthe Steiner mit 18 den Führerschein machte. „Wenn man nicht mobil ist, ist man hier schon etwas verlassen. Man braucht für alles ein Auto.“

Der Zusammenhalt unter den Nachbarn ist im kleinen Wittingen gut, meinen die Steiners. Wenn einer im Dorf grillt, geht er vorher von Haus zu Haus. Wer Lust hat, kommt dann spontan mit seinem eigenen Grillzeug vorbei und man sitzt zusammen – ein Ortsfest mit festem Termin ist in Wittingen deshalb gar nicht nötig.

Gerne genießen es die Steiners aber auch, allein oder mit der Familie auf der schönen Sitzgruppe vor dem Hof die Natur und die wunderschöne Blumenbepflanzung am Haus zu genießen: Beim richtigen Wetter sieht man von dort bis zu den Alpen und der Zugspitze. Und im Herbst, wenn die Bäume kahl sind, hat man einen schönen Blick in den Geislinger Talkessel. „Wir können natürlich nur für uns schwätzen“, sagt Käthe Steiner. „Aber wir möchten nirgendwo anders als auf dem Land leben.“

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