Sie prüfen, wer sich bindet

Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Dieser Spruch gilt nicht nur für Ehepartner - auch die Kirchen schauen genau hin. Vor allem, wenn ihre Schäfchen "fremdgehen" und religiöse Mischehen eingehen wollen.

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Pfarrer Martin Ehrler kann sich an keine einzige kirchliche Ehe zwischen Katholiken und Moslems erinnern.

Das Glück schien vollkommen, als der Geschäftsmann von der Alb die thailändische Stewardess, die er auf seinen Flügen nach Fernost kennen- und lieben gelernt hatte, um ihre Hand bat - und sie Ja sagte. Um das gemeinsame Glück zu besiegeln, schlossen beide den Bund fürs Leben zunächst im Rahmen einer buddhistischen Zeremonie in Bangkok. Das ging problemlos über die Bühne.

Schwieriger wurde es, als das junge Paar seinen Ehebund bei einem Gottesdienst auch von der evangelischen Kirche absegnen lassen wollte. Hier erfuhren die beiden, dass die Kirchen hierzulande genauer hinschauen, bevor sie Mischehen mit Nichtchristen ihren Segen geben. So musste die nichtgetaufte Partnerin gemäß Paragraf 6 der Trauordnung der evangelischen Landeskirche versichern, dass sie ihren evangelischen Ehegatten als Christen respektiert und in der Ausübung seines Glaubens nicht behindern wird. Außerdem mussten beide erklären, dass keine Absprache über eine nichtchristliche Kindererziehung getroffen ist und eine evangelische Kindererziehung in Aussicht genommen wird.

Wäre der Ehemann Katholik, hätte das Paar sich ähnlichen Fragen stellen müssen. Auch die katholische Kirche legt in ihrem Codex Iuris Canonici (CIC) Wert darauf, dass der katholische Partner in interreligiösen Ehen seinen katholischen Glauben ungehindert leben kann. Zudem hat der Katholik "das aufrichtige Versprechen abzugeben, nach Kräften alles zu tun, dass alle seine Kinder in der katholischen Kirche getauft und erzogen werden."

Diese Fragen mögen manchem indiskret erscheinen, allerdings nehmen sowohl katholische als auch evangelische Kirche hier eine noch vergleichsweise liberale Position ein.

Im Islam etwa können nur Männer eine interreligiöse Ehe eingehen. Frauen ist es sogar grundsätzlich verboten, einen Nicht-Muslim zu heiraten. Das geht so weit, dass eine Ehe zwischen zwei Muslimen geschieden werden muss, wenn der Mann vom Islam abfällt. Kompromisslos ist der Islam auch bei der religiösen Erziehung der Kinder: Sie dürfen nach dem Gesetz der Scharia nur Muslime sein.

Im Alltag hat das eh keine Bedeutung. So können sich weder die evangelische Dekanin Gerlinde Hühn noch der katholische Pfarrer Martin Ehrler an kirchliche Eheschließungen zwischen Christen und Muslimen oder Angehörigen weiterer Glaubensrichtungen im Raum Geislingen erinnern.

Auch auf dem Geislinger Standesamt gehören Mischehen zwischen Christen und Moslems zur absoluten Ausnahme. So hat Standesbeamtin Silke Gösele unter den 105 Trauungen im vergangenen Jahr insgesamt nur drei Paare gezählt, deren Religionszugehörigkeit christlich/islamisch war. Die Jahre zuvor sei das nicht anders gewesen, versichert Gösele. Offensichtlich bleiben in Sachen Ehe nicht nur die Religionen, sondern auch die Kulturkreise unter sich.

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