Schwertransporter räumt Gussenstadter Ortsdurchfahrt

Der in Gussenstadt feststeckende Schwertransporter hat nach den Vorgaben des Heidenheimer Landratsamts am Donnerstagabend die Ortsdurchfahrt frei gemacht. Das Gespann wurde innerhalb von einer Stunde rückwärts zu einem nahegelegenen Parkplatz gebracht.

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Eine am Donnerstag zunächst ausgetüftelte Ersatzroute war am Nachmittag von der Behörde abgelehnt wohnen. Zur allgemeinen Überraschung teilte das Landratsamt Heidenheim dann kurz vor 18 Uhr mit, dass der Schwertransport „noch heute entfernt werden muss.“ Der Spedition wurde „auferlegt, das Gespann zu einem nahegelegenen Parkplatz kurz vor dem Ortseingang“ Gussenstadt aus Richtung Gerstetten zu bringen.

So kurzfristig die "Räumungsaktion" vom Landratsamt verordnet war, so souverän wurde sie von der Mannschaft des Schwertransports gemeistert. Gegen 20.35 Uhr setzte sich der 40 Meter lange und 5,6 Meter breite Koloss in Bewegung und absolvierte die rund einen Kilometer lange Retour-Strecke im Rückwärtsgang durch die Gussenstadter Ortsdurchfahrt - ohne große Probleme.

Erst bei einem Wendemanöver am Ortsende kam der Transport kurz ins Stocken, als die Zugmaschine beim Rangieren in einer Nebenstraße auf eisglatter Fahrbahn ins Rutschen kam. Mit einem Schuss Taulauge und einer Gewichtsverlagerung der Zugmaschine war aber auch diese Hürde bald überwunden, so dass der Tieflader gegen 21.55 Uhr auf einem Parkplatz an der L 1164 abgestellt werden konnte.

Rückblick:

Die Mannschaft des Schwertransports wird auf jeden Fall noch einige Tage in Gussenstadt zu Gast sein. „Das kann einige Tage dauern“, meint Bernd Piessenecker auf Nachfrage am Donnerstagmorgen. Während seine beiden Kollegen am Mittwochabend im Gasthaus „Rössle“ gemütlich ihre Schnitzel verdrücken, tippt der Fahrer des Dienstagnacht auf der Gussenstadter Ortsdurchfahrt in einer 90-Grad-Kurve hängengebliebenen Schwertransports unablässig die Daten für eine Ersatzroute in seinen Laptop.

Ursprünglich sollte der 40 Meter lange Tieflader mit einem 60 Tonnen schweren Gehäuse für eine Flüssiggasanlage von Mailand ins elsässische Lauterbourg in Deutschland zunächst über die A 7, dann bei Ulm auf die A 8 über Karlsruhe nach Frankreich rollen. Wegen einer Baustelle bei Merklingen habe man dafür aber keine Genehmigung bekommen, erläutert Piessenecker. Auf der daraufhin vorgeschlagenen Ausweichroute über die A 7, das Autobahnkreuz Feuchtwangen und die A 6 Richtung Heilbronn waren ebenfalls Baustellen im Weg.

Weshalb er dann aber ausgerechnet bei Niederstotzingen von der Autobahn „querfeldein“ über die Alb geschickt wurde, darauf kann sich Piessenecker auch keinen rechten Reim machen. Früher ist er seine Strecken vorher selber abgefahren und konnte „sicher sein, dass ich da auch durchkomme“. Inzwischen wird von seiner Spedition immer mehr delegiert: „Da gibt’s bei Paderborn eine Firma, die den Auftrag hat, die Strecke rauszusuchen und dann ein Büro in Österreich, das für die Genehmigungen sorgt zählt Piessenecker auf. „Vielleicht spart man hier am falschen Ende“, schüttelt der Fahrer den Kopf.

Denn offensichtlich hatte der „Scout“ der Paderborner Firma nicht nur einmal keine Augen im Kopf. Nachdem der Schwertransport stecken geblieben war, hat sich Piessenecker mit seinen Kollegen im Begleitfahrzeug auf den Weg gemacht und den weiteren Kurs erkundet. Der hätte eigentlich über Steinenkirch, Böhmenkirch, Weißenstein, Süßen, Plochingen und Wendlingen auf die A 8 führen sollen. „Unmöglich“, so Piesseneckers Fazit am Mittwoch im „Rössle“. Selbst wenn er in Böhmenkirch noch heil die Kurve auf die B 466 gekriegt hätte: „Spätestens in der ersten Kehre der Weißensteiner Steige wären wir den Berg runtergefallen“, konstatiert der 50-jährige Brummifahrer nüchtern.

Deshalb sind Piessenecker und seine Kollegen im Begleitfahrzeug noch mal rund 200 Kilometer gefahren, um eine geeignete Ersatzstrecke zu suchen. Sie glaubten am Donnerstag zunächst eine gefunden zu haben. Es sollte über Gerstetten und Sontheimer Wirtshäusle auf die B 466 nach Heidenheim und über die B 19 nach Aalen, Stuttgart, Plochingen und Wendlingen wieder auf die A 8 gehen – aber daraus wird nichts. In der Mitteilung des Landratsamtes stand am Donnerstagabend, dass die geplante Ersatzroute über Heidenheim „nicht in Frage kommt. Dafür wäre der Transport schlicht zu groß“. Für die Crew heißt das: Neue Route austüfteln und wieder auf den Segen (oder das nächste Veto) der Behörden warten. 

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Kommentare

29.11.2013 22:40 Uhr

Antwort auf „Schwertranzport”

Sowas kann mann nicht Flexen!da muss schon ein Schneidbrenner dran.Dann ist aber das Teil futsch.

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29.11.2013 21:26 Uhr

Schwertransport

Also bei uns in der Ortenau laufen auch Schwertransporte( Tunnelvortriebs-Maschinen)doch soetwas hat es nie gegeben.Wieso u.Weshalb die Verantwortlichen das nicht auf die Reihe bringen,Versteh ich nicht!!In einem Land wo alles Präziese u.Genau sein muss,hat die Bürokratie wieder voll Versagt,und alles bleibt wieder am kleinen (Die Leute wo sich Tag u.Nacht am Objekt bemühen)hängen.Ein kleines Großprojekt wie so vieles in Deutschland!!

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29.11.2013 20:28 Uhr

Schwertransport

Bei uns in der Ortenau laufen auch Schwertransporte ( Tunnel-Herrenknecht)doch sowas hat es noch nie gegeben! Sowas muss doch vorher ausgeklügelt sein,Vermessen u.Durchdacht sein.Mein lieber Mann!!Das gibt ne fette Rechnung.

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28.11.2013 22:12 Uhr

Das ist eben die Krux...

.. wenn man alles immer weiter weg produzieren lässt.

Es fände sich sicher in Frankreich jemand, der das zusammen schweißen kann.

Aber so ist es eben BILLIGER - auf Kosten der Anwohner und der Umwelt.

Zum Glück sind die Behörden restriktiv.

(Und: Ja ich bin FÜR die LKW-Maut auf allen Straßen - nicht nur Bundesstraßen. Das ist das einzig sinnvolle Mittel gegen die Mautflüchtlinge, die inzwischen jede Dorfstraße überrollen. Auch nach dem Motto: Aber für mich ists billiger. Besonders, wenn Fahrer und Fahrzeug aus dem Osten kommen und fast nichts kosten.)

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28.11.2013 19:29 Uhr

Schwertranzport

Die einfachere Lösung:
Eine bis zwei Stunden Flex, drei Teile und ab nach Frankreich.

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