Schulbetrieb in Slowenien und Deutschland – ein Gespräch an der KSG

|
Deutsche und slowenische Schüler sprechen über ihre Schulsysteme (von links): Sophia und Mostapha von der Kaufmännischen Schule, Elisabeta, Polona, Ana und Lea von der Schule BC Naklo mit ihrer Lehrerin Lenka Zihon.  Foto: 

Ein Unterschied fällt den vier Schülerinnen aus ­Naklo sofort auf: An ihrer Heimatschule in Slowenien sind die Lehrer viel strenger, die Umgangsformen steifer. „Wir müssen aufstehen, wenn der Lehrer ins Klassenzimmer kommt“, erzählt die 17-jährige Lea. „Hier in Deutschland macht das niemand.“ 

Sophia und Mostapha gucken verdutzt. Nein, so etwas könnten sich die 17-jährigen Geislinger Wirtschaftsgymnasiasten nicht vorstellen. Es gehe insgesamt ganz locker an ihrer Schule zu, meinen beide. Das Verhältnis zu ihren Lehrern finden sie gut – „sie erzählen auch was aus ihrem Privatleben, das mag ich“, sagt Sophia. Das wiederum ist ganz ungewohnt für Lea und ihre Mitschülerinnen; Privatgespräche mit den Lehrern gibt es selten.

Es sind solche Kleinigkeiten, die den deutschen und slowenischen Schülern an der Kaufmännischen Schule (KSG) dieser Tage vorführen, wie groß die Unterschiede zwischen ihren Schulsystemen sind. Vieles ist aber auch gleich: Die 17-Jährigen spüren hier wie dort die Ansprüche der Lehrer und Eltern, gute Noten zu schreiben und Zukunftspläne zu schmieden.

Während die deutschen Schüler jedoch bei Praktika in Berufe schnuppern können und Tipps für Vorstellungsgespräche bekommen, sind die slowenischen Jugendlichen eher auf sich gestellt. „Praktika fände ich gut“, meint Ana. „Wir haben das nicht.“

Mostapha erzählt, dass er einen Kindergarten besucht hat. Es habe ihm gefallen, meint er, „aber ich will mich noch weiter umschauen, was mir gefallen könnte“. Polona und Elisabeta lauschen interessiert – sie könnten sich nach der Schule sehr gut vorstellen, mit Kindern zu arbeiten. „Ich komme sehr gut mit Kindern zurecht, mir macht das viel Spaß“, meint Polona. 

Die zehn jungen Frauen besuchen in Slowenien eine Schule mit biotechnischem Schwerpunkt. Die Besonderheit: Die Schule hat mehrere Eigenbetriebe und erwirtschaftet unter anderem mit einem Pferde- und einem Milchhof sowie einem Floristikbetrieb und einer Apfelzucht eigenes Geld, mit dem sie zum Beispiel eine professionelle Reinigungsfirma bezahlt, die das Schulgebäude blitzblank hält.

Für KSG-Lehrer Marco Zimmermann eine reizvolle Vorstellung – in Deutschland jedoch nicht denkbar. Sein Eindruck vom slowenischen Schulbetrieb ist, dass dort vieles pragmatischer gehandhabt wird – so handeln beispielsweise die Schulen mit den Busbetrieben ihre Wunschbetriebszeiten aus. Andererseits gebe es in der Pädagogik und beim Lernen von Fremdsprachen aber teils verstaubte Strukturen.

Die slowenische Chemielehrerin Lenka Zihon, die mit den Schülerinnen noch bis Mitte der Woche in Geislingen ist, registriert dafür mit Interesse die Kooperationen mit Unternehmen aus der Gegend sowie die Übungsfirmen der KSG.

Der Besuch der Slowenen soll erst der Anfang für die KSG sein, regelmäßig in Kontakt mit ausländischen Schulen zu treten. Nach ersten Projekten 2012 zur Donaustrategie der EU und 2015 zu zweisprachigem Unterricht sind nun weitere Aktivitäten geplant – dafür stellt die KSG derzeit Anträge bei der EU für die Teilnahme an Erasmus-Programmen. Das Ziel: über eigene Konzepte wie die Kooperation mit der HfWU zu informieren, aber auch zu erfahren, wie Schulen anderswo ihre Absolventen etwa aufs Berufsleben vorbereiten.

„Solche internationalen Begegnungen sind für alle Beteiligten sehr bedeutend“, meint Lehrer Marco Zimmermann. „Die Schüler profitieren in vielerlei Hinsicht: was Sprachkenntnisse angeht, den Aufbau von Selbstvertrauen und Kenntnisse für das berufliche und private Leben.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

GZ-Schulseite

Was bewegt die Schüler im Raum Geislingen? An welchen Projekten arbeiten sie? Was liegt ihnen am Herzen? Wir berichten über die Situation an unseren Schulen.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Betrunkener ruft Rettungskräfte auf den Plan: Einsatz an der Fils

Mit zu viel Alkohol im Blut hat sich am Freitagmorgen ein 23-Jähriger in sein Auto gesetzt und ist losgefahren. Da er unterwegs Probleme hatte, stoppte er seine Fahrt und setzte sich an die Fils. Seinen Führerschein ist er nun trotzdem los. weiter lesen