Reportage: Schlaflos im Schullandheim

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Gerade im Schullandheim probieren Jugendliche gerne mal etwas Neues aus. Da kann auch mal ein Joint durch die Runde kreisen.  Foto: 

Psst, seid leise, sonst hören uns die Lehrer noch”, flüstert Jasmin (alle Namen von der Redaktion geändert). Sie klettert mit zwei Mitschülerinnen auf den Balkon des Schullandheims am Starnberger See. Es ist 5 Uhr. Minus zwei Grad zeigt das Thermometer in der kalten Novembernacht. Die Schülerinnen stört das nicht. Die 17-jährige Marie zündet einen selbst gedrehten Joint an. Die Mädchen ziehen abwechselnd. Nebenbei quasseln die Jugendlichen über Jungs und Sex.

Nicht jeder der Elftklässler greift zu Drogen, ein paar bleiben brav, doch so manche Regel wird am Starnberger See gebrochen. Wenn die einen schlafen gehen, beginnt für die anderen „die beste und aufregendste Zeit im Schullandheim”, sagt eine Schülerin. Im Gespräch mit der GEISLINGER ZEITUNG erzählen die Jugendlichen, was passiert, wenn die Nacht im Schullandheim anbricht. So viel darf im Voraus gesagt sein: Schlafen ist das Letzte, an was die jungen Leute denken.

23 Uhr: „Noch schnell die Zähne putzen und dann ins Bett“, ruft Lehrer Adrian Wesel. Bei einem letzten Zimmerrundgang überprüfen die Lehrer, ob jeder Schüler den Weg in sein Bett gefunden hat. Einige sind aber noch auf der Toilette, in der ein benutztes Kondom neben dem Waschbecken gefunden wird. „Vom Vortag“, vermuten die Jungs, die erst nachmittags ankamen. Nach mehreren Ermahnungen liegen alle im Bett. Doch nicht lange. Nachdem sich Wesel und seine Kollegen schlafen gelegt haben, stehen die meisten Jugendlichen wieder auf. Leise öffnen sich Türen. Mädchen und Jungen hört man durch die Gänge huschen. Eine schlaflose Nacht, wie jede andere während des 5-tägigen Aufenthalts, beginnt.

Mitternacht: Mike steht vor der Tür des Mädchenzimmers. Der 17-Jährige will nicht im Jungenzimmer schlafen. Er kuschelt sich lieber unter die Bettdecke neben seiner Freundin. Auch weitere Schüler kommen in das Sechs-Bett-Zimmer geschlichen. „Ich habe versucht zu schlafen”, erzählt Alina, die durch das ständige Flüstern und Türöffnen kein Auge zubekommt. „Die ganze Nacht war jemand am Kichern, das ging mir echt auf die Nerven.“

1 Uhr: Ein Stockwerk tiefer im Jungenzimmer wird es immer lauter und intimer. „Wir haben Wahrheit oder Pflicht gespielt”, erzählt Stefan. Bei dem unter Jugendlichen beliebten Partyspiel sei es „richtig zur Sache gegangen”. Fragen wie „Wann hast du dich zum letzten Mal selbst befriedigt?“ oder „Mit wem aus der Klasse würdest du am ehesten eine Nacht verbringen?“ werden gestellt.

2 Uhr: „Ein Lehrer kommt”, ruft Stefan in die Runde. Über WhatsApp warnen sich die Schüler untereinander. Die Nachricht macht in wenigen Minuten ihre Runde. Kurz danach klopft es an der Tür des Zimmers. Schnell versuchen sich Laura und Rebecca hinter einem Bett zu verstecken. „Ihr seid ja noch immer wach”, sagt Wesel verwundert und mahnt die Schüler „endlich zu schlafen”. Die zwei Mädchen hat er glücklicherweise nicht entdeckt, da sie sonst am darauffolgenden Samstag in der Schule nachsitzen müssten. Wenige Minuten später ist Wesel wieder in seinem Zimmer. „Ab jetzt wird keiner mehr zur Kontrolle kommen.” Da sind sich die Schüler sicher. Die Party beginnt. Den Alkohol haben die meisten im Koffer versteckt. Viele der Gymnasiasten füllen die Spirituosen in eine leere Wasserflasche um, da auf der Fahrt zum Schullandheim im Bus kontrolliert wird, ob Alkohol oder Drogen im Gepäck verstaut sind. „Ohne Alkohol läuft bei vielen gar nichts”, erklärt Jan. „Wenn uns der Alkohol abgenommen wird, kaufen wir uns neuen bei der Tankstelle.”

3 Uhr: „Und runter damit”, fordert Jasmin ihre Freunde auf. Die Jugendlichen trinken den hochprozentigen Alkohol aus kleinen Gläsern. „Gut trainiert” nennen die Schüler das, wenn man problemlos „den Wodka runterkippen kann”. Auch Wein und Bier haben die Jungen und Mädchen eingepackt. „Ich schätze so zehn Liter wurden in der Nacht getrunken”, sagt Marie später, die sich nach den Trinkspielen in eine Decke einwickelt und sich durch den Gang schubsen lässt. „Das war so lustig”, erzählt sie.

5 Uhr: Rauch schweift vom Balkon der Jugendherberge. Marie, Jasmin und ihre Freundinnen rauchen einen selbst gedrehten Joint. Währenddessen tratschen die drei über ihr Liebesleben und was sonst so aktuell ist. „Wir haben über Sexpannen geredet und über Lehrer gelästert“, sagt Jasmin. Um halb sechs wird es ruhig in den Zimmern, die meisten Schüler versuchen zu schlafen. Viel Zeit bleibt dafür nicht mehr, da der Wecker schon eineinhalb Stunden später klingelt.

7.30 Uhr: Gähnende Stimmung im Frühstückssaal. Viele der Jugendlichen trinken nur einen Kaffee oder einen Energy-Drink, um den Tag halbwegs zu überstehen. Ein paar versuchen ihr Glück bei den Lehrern. Sie versuchen sich krank zu stellen, um tagsüber in der Herberge schlafen zu können.

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