Reinheit von Herz und Seele

|
Unter der Leitung von Thomas Rapp musizieren der Singkreis, vier Gesangssolisten, das Ansbacher Kammerorchester und ein Bläserensemble in der Geislinger Stadtkirche.  Foto: 

Bevor das Jahr des Reformationsjubiläums vorüber ist, brachte auch der Geislinger Singkreis noch seinen musikalischen Beitrag dazu. Dies geschah am Samstagabend in der Geislinger Stadtkirche mit Johann Sebastian Bachs Kantaten BWV 80 „Ein feste Burg ist unser Gott“ und BWV 79 „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ sowie einer seiner „Lutherischen Messen“, jener in g-Moll BWV 235. Zur Wiedergabe vereinigten sich unter der Leitung von Thomas Rapp Chor, vier Gesangssolisten, das Ansbacher Kammer­orchester und ein Bläser­ensemble.

Das Bild von der festen Burg und vom Reich, das uns doch bleiben muss, konnte Bach nicht zu einer machtvollen Kraftmeierei verführen. Zwar ist seine Komposition höchst kunstvoll angelegt, doch die Glaubensstärke, die die Welt voller Teufel besiegen kann, wird nicht in martialischer Weise vorgeführt, sondern eher verinnerlicht, als Reinheit von Herz und Seele, verstanden.

Diese Auffassung konnte die Aufführung nicht im wünschenswerten Maß vermitteln. Das lag zuvörderst am Basso continuo, der gerade in den intimeren Passagen zu laut, manchmal geradezu ruppig wirkte. So konnten sich die hinter dem Orchester platzierten Solisten oftmals nicht genügend durchsetzen, und auch dem Chor fiel es stellenweise schwer, sich verständlich zu ­machen.

Siegesgewissheit vermittelt

Diese Problematik einmal bei­seite gelassen, gab es aber noch genügend Anlass, sich über das Dargebotene zu freuen. Nach etwas zögerlich wirkendem Beginn schlug sich der nicht allzu üppig besetzte Chor wacker in den durchweg fugierten Zeilen des Eingangschorals und vermochte im Unisono überzeugend die Siegesgewissheit zu vermitteln, auch „wenn die Welt voll Teufel wär“. In Anbetracht der genannten Einschränkungen konnten auch der glockenhelle Sopran von Cornelia Ragg, Anne Greilings warme Altstimme und Rüdiger Linns beweglicher Tenor gefallen; Stefan Hradzics Bass wurde allerdings von den zu durchmessenden weiten Tonräumen gelegentlich an seine Grenzen geführt. Solistisch gekonnt traten auch Violine und Englischhorn in Erscheinung, als sie in feiner Manier ein Duett von Alt und Bass begleiteten.

Die Vertonung der Messteile Kyrie und Gloria wird auch als Missa brevis, als kurze Messe bezeichnet. Bachs g-Moll-Kurz­messe erwies sich nun als ein fast dreiviertelstündiges, kunstvoll gestaltetes Gebet mit dem Kyrie als dreiteiligem Chor und dem in fünf Sätze aufgeteilten ­Gloria-Text, mit Chorsätzen zu Beginn und am Ende und da­zwischen eingeschobenen Solo­arien.

Im Gegensatz zu den ­Kantaten, in denen Rezitative eine Art Atempause gönnen, gab die Messe in hoch konzentrierter Abfolge das Elementare des lateinischen Textes wieder. ­Hier ­gefiel besonders der Gestaltungswille der Altistin im Duett mit der Oboistin, und mit Standfestigkeit sang der Chor zur Ehre Gottes des Vaters („in gloria Dei Patris“).

In der Kantate „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ kamen ­Hörner und Pauken hinzu, die in bemerkenswert dezenter Ton­gebung ihren Part einbrachten bis hin zum Schlusschoral, in dem mittels der obligat geführten Hörner sechsstimmig die ewige Freiheit gepriesen wurde.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

„Wir werden alle nicht jünger“

Von der Prophylaxe bis zur Rehabilitation: Die GZ-Messe „Gesundheitlich“ lockte am Wochenende über 800 Besucher in die Jahnhalle. weiter lesen