Redezeit: Dr. Markus Strauß hält ein Plädoyer für Wildkräuter

Von wegen Unkraut: Bei der "Redezeit" in der Geislinger Rätsche drehte sich alles ums Thema "Wildkräuter". Ein Experte räumte mit Vorurteilen auf.

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"Was hat der Mann alles studiert - und jetzt landet er beim Unkraut", so eröffnete Werner Ziegler, ehemaliger Rektor der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen/Geislingen und Moderator der Reihe "Redezeit", den Abend mit seinem Gast Dr. Markus Strauß, Experte in Sachen "essbare Wildkräuter".

Strauß' Mission: "Ich trete ein für die Re-Integration der essbaren Wildkräuter." Mitgebracht hatte er die seiner Meinung nach wichtigsten Wildkräuter, die es derzeit in der Natur zu finden gibt. Auf seinem Weg zur Rätsche pflückte er zur Anschauung Holunder, Giersch, Löwenzahn und die Brennnessel.

Der Wissenschaftler, der schon zahlreiche Bücher zum Thema verfasst hat, brachte an diesem Abend einige wichtige Pflanzen zur Sprache. Mit diesem Wissen kann der Zuhörer in die Natur gehen und sich bedienen - allerdings mit der klaren Einschränkung: "Ernten Sie nur was Sie kennen." Pragmatisch vertrat Strauß den Standpunkt, dass wenige bekannte essbare Wildkräuter, regelmäßig geerntet und verzehrt, viel für die Gesundheit bringen.

Umfangreiche Kräuterbibeln verwirren in ihrer Vielfalt oft und führen dazu, das Thema aufzugeben. "Wozu all das Wissen erwerben, wenn man doch Gesundheit kaufen kann", provozierte Ziegler ironisch-scherzhaft. Er hat bereits ein Seminar an der HfWU bei Dozent Markus Strauß absolviert - mit erfolgreicher Abschlussprüfung - und hat das Wissen bereits in seinem Alltag umgesetzt. Der morgendliche grüne Smoothie, ein Kräuter-Mix-Getränk, darf laut Ziegler beim täglichen Frühstück nicht mehr bei ihm fehlen. "Essbare Wildkräuter schmecken gut und tun gut. Das darf jeder ausprobieren und beobachten, was er an sich selbst feststellt", sagte dazu der Wissenschaftler.

Strauß widmete sich nun dem Thema, wie man die Pflanzen erkennen, sie sammeln und ernten kann. Rezeptvorschläge, von Strauß vorgestellt, muteten an wie Gourmetrezepte und ließen den Besuchern regelrecht das Wasser im Munde zusammenlaufen. Giersch, der derzeit viele Hobbygärtner eher heimsucht als erfreut, bezeichnet der Experte als Gemüse des 21. Jahrhunderts. Im Mittelalter wurde laut Strauß Giersch extra angebaut, während er heute eher als Unkraut verpönt ist. Das Wort "Unkraut" relativierte sich ob des hohen Vitalstoffgehalts der Pflanze. 100 Gramm Giersch enthält sieben Gramm Eiweiß, wirkt entsäuernd, schmeckt gut, kann roh oder gekocht gegessen werden, kann entsaftet oder gemixt werden - nicht nur hier sprachen gesunde Tatsachen für sich.

Als bestes Sammelgebiet für die essbaren Wildkräuter eignet sich laut Strauß der Wald, "die Böden sind dort noch in Ruhe gelassen". Humus, Würmer und Bäume seien eine Nährstoffpumpe für die Pflanzen. Über die Wildpflanzen bestehe ein Anschluss an die intakte ursprüngliche Natur.

Essbar, das ist auch die vielfach verpönte Brennnessel. "Ich mähe morgens meine Wiese und lasse ein Stück Brennnesseln stehen", sagte einer der Zuhörer. Die Brennnesseln werden von oben her fünf bis zehn Zentimeter abgezupft und schmecken gut mit Giersch zusammen. Der Verzehr wirkt diuretisch (harntreibend) und entsäuernd.

In der Materie bewanderte Besucher tauschten bereits vor Beginn der Veranstaltung Rezepte aus, da fiel auch mal der Tipp für Rheumatiker, die Brennnessel wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung einzusetzen. "Man kann diese Informationen nicht oft genug hören, obwohl mein Mann nur langsam fürs Grünzeug von der Wiese zu begeistern ist", sagte eine Kuchenerin.

Auch der Löwenzahn fällt unter die Kategorie "Verkannt": Er kann eingeweckt werden und - im Winter gegessen - das Immunsystem unterstützen. Auch im Salat, roh verzehrt, tut er wie alle anderen Wildkräuter seine positive Wirkung auf den Organismus, ist zum Beispiel verdauungsfördernd, indem er Leber und Galle stimuliert.

"Ich bin nicht dogmatisch. Aber die positive Wirkung auf die Gesundheit und die Schmackhaftigkeit der Wildkräuter sprechen für sich", erzählte Strauß dem Publikum. Eine Fragerunde zum Schluss brachte weitere Erkenntnisse unter anderem zu giftigen Pflanzen und zu Wildobst. Nach mehr als zwei Stunden hatten die Gäste in der Rätsche dann die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen und den Büchertisch zu stürmen.

"Integrieren Sie die essbaren Wildpflanzen in Ihren Alltag", gab der Fachmann am Ende des Abends den Besuchern mit. Gourmetköche entdecken diese derzeit ebenfalls für sich. Die Veranstaltung in der Rätsche, die in Kooperation mit der Geislinger Zeitung stattfand, wurde vom Publikum begeistert angenommen und wie so oft in der "Redezeit" war kaum ein Platz mehr frei und das Interesse der Zuschauer sehr groß.

www.dr-strauss.net

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