Freud und Leid: Schulleiter reagieren auf Anmeldezahlen

Freude bei den einen, Unzufriedenheit beim anderen: Die Geislinger Schulleiter reagieren auf die Anmeldezahlen fürs neue Schuljahr.

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Nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen die Uhlandschule (orangefarbenes Gebäude) und die Daniel-Straub-Realschule (graues ­Gebäude, Bildmitte). Doch während an der Werkrealschule bei Leiter Markus Beyer die Freude über die aktuellen Anmeldezahlen groß ist, ist Realschulleiter Franz Sommer unzufrieden.  Foto: 

Ein bisschen überrascht gewesen sei er schon, sagt Schulleiter Joachim Boldt. Die Schubart-­Realschule wurde dieses Jahr überrannt: 98 Kinder wollen nach den vorläufigen Anmeldezahlen des Göppinger Schulamtes im neuen Schuljahr an die Realschule in Altenstadt – 32 mehr als im Vorjahr. Er habe zwar aufgrund der gut besuchten Infoabende und des Tags der offenen Tür gespürt, dass die Schule gut im Rennen liege, sagt Boldt – aber sicher sein könne man bis zuletzt nicht.

Der Schulleiter führt das große Interesse auf mehrere Ursachen zurück. Das neue Realschulkonzept mit einer stärkeren Differenzierung nach Leistungsstärke der Schüler schon ab Klasse 5 spiele gewiss eine Rolle. „Es lässt sich immer wieder beobachten: Zahlen gehen hoch, wenn die Eltern wissen, dass es eine klare Struktur an einer Schule gibt und wie das pädagogische Konzept aussieht.“ Das könne aber nicht der alleinige Grund sein: „An unserer Schule fühlen sich die Kinder gut aufgenommen und wir sind für die ­Eltern da. Wir hatten eine Generalsanierung – auch in pädagogischer Sicht.“

Franz Sommer leitet die ­zweite Realschule in Geislingen – die Daniel-Straub-Realschule in der Oberen Stadt –, ist aber im Gegensatz zu Kollege Boldt „natürlich nicht zufrieden“. 51 Kinder haben sich bei ihm angemeldet, das sind sechs weniger als im Vorjahr. „Schöner wäre es, mindestens 61 Anmeldungen zu haben, um drei Klassen bilden zu können“, sagt er und kündigt an, die Schule künftig stärker in der Öffentlichkeit zu präsentieren und ihre Stärken darzustellen.

Immerhin: Schüler der Daniel-Straub-Realschule seien nicht an die Schubart-Realschule abgewandert, das hätten Rückfragen ergeben. Die Einzugsgebiete der beiden Geislinger Schulen seien nicht identisch. Konkurrenz machten der Realschule dagegen die Gemeinschaftsschulen im Einzugsgebiet, „die natürlich alle um Schüler kämpfen“. Und das ganz in der Nähe liegende Helfenstein-Gymnasium mit seinem G-9-Zug ziehe viele Schüler an. Sommer rechnet wie in den Vorjahren aber mit Zuwächsen spätestens ab der siebten Klasse – wenn für manchen Schüler die Anforderungen am Gymnasium zu hoch werden.

Der Blick auf die Gymnasien zeigt: Das Michelberg-Gymnasium in Altenstadt bleibt mit 77 Anmeldungen auf Vorjahresniveau – Schulleiter Heiner Sämann war für einen Kommentar nicht zu erreichen. Am Helfenstein-Gymnasium sind 15 Anmeldungen weniger eingegangen als im Vorjahr (insgesamt 101, laut Schule). Von einer kritischen Entwicklung könne man keinesfalls sprechen, betont Schulleiter Wolfgang Rapp. Er sieht das Ergebnis positiv. „Die Geislinger Gymnasien dürfen insgesamt sieben Klassen bilden – das ist eine gute Zahl mit überschaubaren Klassengrößen.“ Im Übrigen sei eine Schule kein Wirtschaftsbetrieb, der immer weiter wachsen wolle, macht er deutlich. Mit 22 Anmeldungen werde es wieder eine G-8-Klasse geben – das schafften längst nicht mehr alle Modellschulen, die beide Züge anbieten dürfen, sagt Rapp: „Das zeichnet unsere Arbeit und das HeGy aus.“

Mit 39 Anmeldungen (Vorjahr: 36) sind Überraschungen an der Gemeinschaftsschule am ­Tegelberg ausgeblieben. Schulleiter Ottmar Dörrer sieht die „gute Arbeit“ und die „Ganztagesbetreuung mit entsprechendem pädagogischen Konzept bestätigt. Dabei habe die Schule in den vergangenen Monaten oft ­Negativschlagzeilen wegen der Platzprobleme gemacht. Die Mensafrage bewege auch jene Eltern, die jetzt entscheiden mussten.  „Wären wir entsprechend versorgt, sähen die Anmeldezahlen noch einmal anders aus“, meint Dörrer. Mehr als zwei Eingangsklassen in Stufe 1 und 5 erlaubt allerdings die Stadt als Schulträger vorerst nicht (wir berichteten). Dörrer ist sich sicher: „Ganztagesschulen werden in den nächsten Jahren noch mehr Zuspruch erfahren.“

Zwei Schulen, an denen die Freude groß ist, sind die Linden- und die Uhlandschule – beides Werkrealschulen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Uhlandschulleiter Markus Beyer. Man sei verlässlicher Partner für Schüler und Eltern, schreibt er in einer gemeinsamen Erklärung mit Kollege Christof Straub von der Lindenschule. An der Realschule werde in den Klassen 5 und 6 nun durchgehend nach dem mittleren Niveau unterrichtet – das habe viele Familien sicherlich nochmal zum Nachdenken gebracht und sie den sicheren Weg wählen lassen: Die Werkrealschule mit Unterricht auf Grundniveau sowie Förderung für begabte Schüler. Von einem Bekenntnis zur Werkrealschule wollen beide aber nicht sprechen. Auch heiße das nicht, dass die Zukunft der beiden Schulen gerettet sei, macht Beyer deutlich: „Es kommt jedes Jahr darauf an, dass wir mindestens 16 Anmeldungen haben.“

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