Raubüberfall: Täter war nicht auf große Beute aus

Das Ulmer Landgericht verurteilt den 37-Jährigen, der eine Spielhalle in Geislingen überfallen hat zu drei Jahren und zehn Monaten.

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Was genau am  7. April vergangenen Jahres kurz nach 22.15 Uhr in einer Geislinger Spielhalle vor sich ging, war am ersten Verhandlungstag vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Ulm recht schnell geklärt (wir berichteten). Seit er sich im September bei der Polizei selbst stellte, hat der 37-jährige Angeklagte aus dem Kreis Göppingen, der sich wegen besonders schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung verantworten mussten,  seine Tat nie in Abrede gestellt: Maskiert und mit einem Pfefferspray bewaffnet war er in das Casino gestürmt, hatte der Spielhallenaufsicht Pfefferspray in Gesicht gesprüht und dann etwa 90 Euro aus einer Geldkassette entwendet, mit denen er sich Heroin beschaffen wollte.  In seinem „glaubhaften Geständnis“, habe er dem Gericht „fast alle Fakten geliefert“, stellte Richter Peter Philipp am Donnerstag nach der Urteilsverkündung fest.

Mit drei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe blieb das Gericht  im unteren Drittel des Strafrahmens von ein bis zehn Jahren für einen sogenannten minder schweren Fall. Für den Angeklagten spreche, dass er  nie versucht habe, seine Tat zu rechtfertigen und er  lange vor Beginn des Verfahrnes  auf eigene Initiative hin „losgezogen“ sei, um sich bei dem Geschädigten zu entschuldigen, erläuterte Richter Philipp. Auch habe er sich bei seiner Flucht aus der Spielhalle nur „defensiv“ verteidigt, obwohl ihm der wehrhafte Geschädigte „erhebliche Verletzungen“ im Gesicht zugefügt habe. „Das rechnen wir Ihnen hoch an.“ Darüber hinaus, sei er nicht auf große Beute aus gewesen. Er habe die Spielhalle gekannt und gewusst, dass sich in der Wechselgeldkassette nur relative geringe Beträge befänden.

   Philipp ging auch auf die nach Ansicht der Kammer belastenden Faktoren ein: Die Entzugserscheinungen des 37-Jährigen seien nicht so gravierende gewesen, dass er  seine Handlungen nicht  mehr hätte steuern können. Denn zu einer gewissen Planung – er suchte in der Wohnung nach der alten Faschingsmaske und steckte das Pfefferspray ein – sei der Angeklagte im Vorfeld der Tat schließlich noch fähig gewesen. Und er habe es geschafft, bis zum nächsten Morgen zu warten, um sich Heroin zu besorgen. Außerdem habe er das Pfefferspray  während des Überfalls nicht nur warnend vorgezeigt, sondern sofort  aus nächster Nähe eine „gewaltige Wolke“ versprüht, die auch noch zu spüren gewesen sei, als die Polizei vor Ort eintraf.

 Die Kammer folgte den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung und ordnete zusätzlich die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an. Allerdings muss der 37-Jährige zuerst sechs Monat seiner Haft verbüßen, dann folgen zwei Jahre im Maßregelvollzug. Sind diese erfolgreich, entfällt der Rest der Haftstrafe. Der Angeklagte sei zwar „therapiemotiviert“, aber auch so ehrlich zuzugeben, dass er eine Woche vor der Verhandlung noch Heroin konsumiert habe und die Substituierung mit Methadon nur unter strenger Kontrolle funktioniere, begründete der Richter die Entscheidung .„In den sechs Monaten wird Ihnen auch vor Augen geführt, was passiert, wenn Sie nicht mitmachen.“

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