Erste Schüler lassen sich im neuen Abi-Kernfach Informatik prüfen

Das Michelberg-Gymnasium ist eine von 13 Modellschulen mit Informatik als Abi-Kernfach. Acht Schüler haben dieses Jahr erstmals eine Prüfung abgelegt.

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Informatik-Lehrer Wolfgang Westje bringt den Zehntklässlern am Michelberg-Gymnasium das Programmieren bei.  Foto: 

Am Geislinger Michelberg-Gymnasium hat das Fach Informatik Tradition. „Schon in den 1990er Jahren haben hier Lehrer eine Informatik-AG angeboten“, berichtet Schulleiter Heiner Sämann. Weil das Interesse am Fach Informatik steigt – PC-Grundfertigkeiten werden in immer mehr Berufen benötigt – bietet das MiGy seit 2008 die Möglichkeit an, Informatik als vierstündiges Kernfach zu wählen. Allerdings konnten Schüler seither das Fach zwar belegen, darin aber keine Abiprüfung schreiben. Das machte das Fach unattraktiv, die möglichen vierstündigen Kurse kamen nicht zustande. Nur als zweistündige Nebenfächer fanden die Kurse Interessenten.

Seit zwei Jahren ist das anders. Das Kultusministerium hat die Relevanz des Fachs erkannt und 13 Modellschulen in Baden-Württemberg ausgewählt, an denen in diesem Jahr erstmals eine schriftliche Informatik-Abi-Prüfung abgelegt werden durfte. Weil das MiGy mit Wolfgang Westje und Stephan Köbler gleich zwei qualifizierte Informatik-Fachlehrer vorweisen kann und auch seine technische Ausstattung mit zwei modernen Computerräumen à 17 Computern den Erfordernissen entspricht, wurde es als eine der Modellschulen ausgewählt. 14 Schüler haben an dem vierstündigen Kernfach teilgenommen – alles Jungs. Acht von ihnen haben sich dafür entschieden, Informatik als Prüfungsfach zu wählen. „Damit waren wir in Geislingen die Schule mit den meisten Prüflingen“, erzählt Kurs-Lehrer Wolfgang Westje nicht ohne Stolz.

Landesweit legten 60 Schüler die Prüfung ab. Es habe Spaß gemacht, die Schüler zu unterrichten, konstatiert der Informatiker: „Sie waren mit Begeisterung bei der Sache und interessiert. Sie wollten lernen.“ Dass das stimmt, zeigt das Prüfungsergebnis. Die Schüler schafften einen gemeinsamen Notenschnitt von 11,1. Das entspricht einer Schulnote von knapp besser als zwei.

Dass nur Jungen das Fach belegt haben, schiebt Westje aufs Interesse am Thema, nicht auf die Begabung. „Die Mädchen, die in den letzten Jahren Informatikkurse belegt hatten, waren genauso gut wie ihre männlichen Kollegen.“

Die Herausforderung am Fach Informatik ist die Tatsache, dass die Schüler es vorher nur in Form einer Arbeitsgemeinschaft (AG) in Klasse 10 belegen können. „2014/15 hatten wir 27 Schüler in der AG, das war eine richtige Bewegung“, erzählt Westje. Was der Grund für diesen Run war, weiß er nicht. Daraus rekrutierten sich dann erstmals genügend Interessenten für das vierstündige Informatik-Angebot. Auch im vergangenen und im kommenden Schuljahr gibt es diesen vierstündigen Informatik-Kurs. Momentan machen sieben Schüler mit, wie viele davon nächstes Jahr ihre Abiturprüfung in Informatik ablegen, weiß ihr Lehrer Stephan Köbler noch nicht. Aber auch sie nehmen mit regem Interesse am Unterricht teil, lernen objektorientiertes Programmieren, die Prinzipien von Datenbanken oder begreifen die Abläufe hinter den Informationssystemen.

Heiner Sämann schätzt sich glücklich, gleich zwei Informations-Fachlehrer an der Schule zu haben, denn diese sind Mangelware an den meisten Schulen. Vor allem ab kommendem Jahr, wo laut neuer Vorschrift Informatik an allen Schulen ab Klasse 7 unterrichtet werden soll.

Wolfgang Westje gehört zu den Lehrern, die dafür fachfremde Lehrer anderer Schulen aus dem Kreisgebiet und der Ostalb in zweitägigen Seminaren weiterbilden. „Das neue Fach ist anders aufgebaut als das bisherige ITG (Informationstechnik Grundlagen)“, erklärt er, es sei verpflichtend für alle Schulen und inhaltlich genauer definiert.

Finanzmanagement Im Wirtschaftsgymnasium (WG) an der Kaufmännischen Schule Geislingen gibt es seit zwei Schuljahren ein neues Unterrichtsfach, das im kommenden Jahr erstmals im Abitur geprüft wird. Es heißt „Finanzmanagement“. Am WG haben sich in der Eingangsklasse (Klasse 11) 25 Schüler, in der Jahrgangsstufe 1 (Klasse 12) 20 Schüler dafür entschieden. Im Unterschied zur klassischen Volks- und Betriebswirtschaftslehre (das es weiterhin gibt) werden hier neue Lerninhalte mit starkem Lebensbezug angeboten. So drückt es Schulleiter Roland Rimbach aus. Schüler lernen zum Beispiel die unterschiedlichen Geldanlageformen, Versicherungen oder private Altersvorsorge kennen.

Neue Wahlfächer Ergänzend zum Fach Finanzmanagement werden im WG die Wahlfächer „Privates Vermögensmanagement“ sowie „Finanzwirtschaftliche Studien“ angeboten. Für kommendes Schuljahr plant Rimbach ein drittes ergänzendes Profilfach: Betriebliches Umweltmanagement. „Das zeigt die ethischen Aspekte der Wirtschaft auf und passt zum Studiengang ‚Nachhaltiges Produktmanagement’ an der HfWU in Geislingen“, so Rimbach. cb

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