Positive Signale an Schuler

Nun ist es öffentlich, das Übernahmeangebot der Andritz AG an Schuler. Tiefgreifende Einschnitte sind - zumindest nach dem Papier - nicht zu erwarten. Die IG Metall bleibt hingegen skeptisch.

|

Es sollen weder die Arbeitsverträge der Beschäftigten zu ihrem Nachteil geändert, noch soll das Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaft beschnitten werden. Der Andritz-Konzern beabsichtigt auch nicht, Sitz und "Standort wesentlicher Unternehmensteile" des Pressenbauers Schuler zu verlegen. Die Österreicher wollen außerdem weiter mit dem jetzigen Vorstand des Göppinger Konzerns zusammenarbeiten. Das sind einige wesentliche Punkte des freiwilligen Übernahmeangebots, das der Anlagenbauer Andritz nun den Schuler-Aktionären unterbreitet hat. Das Papier ist jetzt im Internet veröffentlicht worden. "Eine Stellungnahme des Vorstands und des Aufsichtsrats dazu wird es bis spätestens 16. Juli geben", kündigt Schuler-Sprecher Ingo Schnaitmann an. Üblicherweise wird bei Übernahmeangeboten eine Frist von zwei Wochen eingeräumt.

Renate Gmoser, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Göppingen-Geislingen, drückte schon jetzt ihre Skepsis aus. Das lese sich so, dass die Mitarbeiter aufatmen könnten, weil in dem Papier von keinerlei Verschlechterungen für die Belegschaft die Rede sei. "Was tatsächlich unternommen wird, wenn der Andritz-Vorstandsvorsitzende den Konzern kennen lernt, ist jedoch noch nicht abschätzbar", meint Gmoser.

Der Einstieg der Österreicher beim schwäbischen Pressen-Weltmarktführer hatte Ende Mai eingeschlagen wie eine Bombe. Das Millionen-Geschäft war im Geheimen ausgehandelt worden, weder Belegschaft noch Gewerkschaft hatten eine Ahnung von dem Deal.

Die Gründerfamilie Schuler-Voith zieht sich nach 173 Jahren aus dem Unternehmen zurück. Sie hat ihr Aktienpaket - den Anteil von 38,5 Prozent - für knapp 230 Millionen Euro an Andritz verkauft. Der neue Großaktionär will Schuler komplett übernehmen. Derzeit hat er nach eigenen Angaben Zugriff auf etwa 63,5 Prozent der Schuler-Aktien. Die kartellrechtlichen Genehmigungen stehen allerdings noch aus. Beide Seiten gehen davon aus, dass die Transaktion in den kommenden drei Monate über die Bühne geht.

Andritz will die Übernahme von Schuler mit eigenen Finanzmitteln stemmen. Der strategische Hintergrund: Die Österreicher wollen ihre breit gefächerte Geschäftstätigkeit weiter ausbauen "und insbesondere den Markt für Metallumformung" erschließen. Es gehe darum, "die eigene Markt- und Wettbewerbsposition weiter zu festigen und auszubauen, um langfristig profitables Wachstum zu erzielen", heißt es im Übernahmeangebot. Die Andritz-Gruppe sei bisher "nur in einem sehr geringen Umfang" in der Metallumformung tätig. Da es nur wenige Überschneidungen in beiden Unternehmen gebe, werde nicht von "nennenswerten Synergien" ausgegangen. "Die Geschäftstätigkeit der Schuler-Gruppe soll auf stark wachsende Zielmärkte und Technologiefelder konzentriert werden", planen die Österreicher. Dabei sollen die Göppinger vor allem China im Blick haben - eine Strategie, die auch Schuler-Vorstandschef Stefan Klebert verfolgt.

So investiert der weltgrößte Pressenbauer rund 16 Millionen Euro in eine neue Fabrik am chinesischen Standort Dalian. Der symbolische Spatenstich war erst vor wenigen Wochen. Die Andritz-Gruppe ist schon viele Jahre in China präsent und beschäftigt dort mehr als 1500 Mitarbeiter vor allem in den Bereichen Vertrieb, Produktion und Beschaffung.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Eislinger Bluttat: Täter stach morgens zu

Das Verbrechen in der Eislinger Tiefgarage geschah am vergangenen Donnerstag gegen 7 Uhr. Der vermutete Tathergang hat sich bestätigt. weiter lesen