Pfarrer Tobias Kaiser liebt Sprache und seine Heimat

Seit dem 1.September ist Pfarrer Tobias Kaiser neuer geschäftsführender Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt.

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In der Geislinger Markuskirche verbringt Tobias Kaiser viel Zeit: Der 42-Jährige ist der neue geschäftsführende Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt.  Foto: 

Als gebürtiger Schorndorfer kannte Tobias Kaiser Geislingen ursprünglich nur vom Durchfahren. „Schon damals ist mir die Martinskirche aufgefallen, aber nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, hier mal Pfarrer werden zu wollen“, sagt er schmunzelnd.

Seit dem 1. September ist der 42-Jährige sogar geschäftsführender Pfarrer auf einer der beiden 100-Prozent-Stellen in der Evangelischen Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt, neben Pfarrer Frank Esche. Er ist „sehr angetan“ von Geislingen, davon wie schön die Stadt ist – was ihm beim Durchfahren nicht aufgefallen war. Aber vor allem gefällt ihm das Umfeld.

Als begeisterter Wanderer hat er mit seiner Frau und seinem zehnjährigen Sohn Christian in den wenigen Wochen, in denen er im Pfarrhaus hinter der Markuskirche wohnt, bereits die Schildwacht mit dem Ostlandkreuz erkundet. Er war auch schon auf dem Dreimännersitz, der Hiltenburg, der Ruine Reußenstein und im Eselsburger Tal. „Und bei guten Verkehrsverhältnissen ist man in gut einer Stunde im Allgäu“, erzählt der 42-Jährige.

Sechs Jahre lang war Kaiser Pfarrer auf seiner ersten eigenen Pfarrstelle in Neuhausen ob Eck, nicht weit weg vom Bodensee. Dort war er umgeben von katholischen und protestantischen Gemeinden, die zu Baden gehörten. Das bedeutet, dass eine enge Zusammenarbeit mit Kollegen kaum möglich war. „Deshalb wollte ich wieder in eine Stadt“, begründet er seine Bewerbung in Geislingen.

Die Gelegenheit, festzustellen, dass er hier einen „sehr netten, offenen Kollegenkreis in Stadt und Kirchenbezirk gleichermaßen“ gefunden hat, erhielt er spätestens Anfang November während des viertägigen Pfarrkonvents in der Nähe von Dinkelsbühl. „Ich habe mich gleich angenommen gefühlt“, betont der Theologe. Überhaupt sei der Umzug von Neuhausen nach Geislingen ein Stück weit heimkommen in Richtung Remstal gewesen. „Die Albhügel sind mir vertraut und der Dialekt viel ähnlicher. Man versteht tatsächlich sogar die Mentalität der Menschen wieder besser.“

Predigten als Zuspruch

Dass er Pfarrer werden wollte, war für Tobias Kaiser nie eine Frage. „Ich bin schon als Kind gerne in Gottesdienste gegangen und das gefällt mir auch heute noch.“ Er liebt es, mit Sprache umzugehen, sich mit biblischen Texten zu beschäftigen und Predigten zu verfassen. Ersteres merkt man an der Art, wie er sich ausdrückt. Der Pfarrer wählt seine Worte sorgfältig und benutzt Fremdwörter. In der Bibel überprüft er den historischen Kontext darauf, was dieser für die Gegenwart noch zu bedeuten hat. „Ich will Gott zeigen als den, der im Alltag da ist. Entsprechend geht es mir in den Predigten um Vertrauen, Zuspruch und Begleitung“, erläutert er. Es verwundert daher nicht, dass ihn Geschichte auch bei der Wahl seiner Bücher interessiert. Das gilt für Romane wie von Thomas Mann, Lion Feuchtwanger oder Josef Roth genauso wie für historische Sachbücher etwa über die Reformation, die Weimarer Republik oder die beiden Weltkriege.

Wegen dieser Leidenschaft begann Kaiser sein Vikariat in Villingen-Schwenningen auch erst vier Jahre nach Ende seines Studiums in Tübingen, München und Marburg. In den vier Jahren forschte Kaiser als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni in Marburg auf dem Gebiet der Kirchentheologie-Geschichte und schrieb seine Doktorarbeit zum Thema „Zinsendorfs Bibelverständnis“.

Schon vorher, während des Studiums, verdiente sich Kaiser etwas Geld als freier Mitarbeiter bei den Schorndorfer Nachrichten. „Damals hab ich gelernt, Schreibblockaden zu überwinden – und mir klar zu machen, dass nicht jedes Wort für die Ewigkeit gedacht ist.“

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