Ob modisch oder alternativ: Eigenwillige Modestile sind erlaubt

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Dilan Baziany hat einen sehr eigenwilligen Kleidungsstil. Für viele an seiner Schule ist er aber Kult. Manchmal trägt er eine Jogginghose, dann wieder Anzug.  Foto: 

Der 16-jährige Nikolai, der die Geislinger Schubart-Realschule besucht, ist begeisterter Metalfan. Er macht sich nicht viel aus schiefen Blicken. Schon mit 13 Jahren hatte er entschieden, sich anders kleiden zu wollen. Mehrere Metalbands und verschiedene Kataloge haben ihn zu seinem Aussehen inspiriert. Einst fing er mit schwarzer Kleidung und einem Ohrring an, heute trägt er bunte Haare und vier Piercings. Dass er komisch angeschaut wird, ist ihm egal. Tatsächlich hat sein Stil sein Selbstbewusstsein sogar noch gestärkt. „Wichtig ist, dass es mir gefällt.” Es gab auch nicht nur negative Kritik, sondern auch positive, was ihm das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein.

Wenn man Menschen auf der Straße mit bunten Haaren, Piercings und dunkler Kleidung sieht, denkt man oft, dass sie Probleme machen und unfreundlich sind, doch Nikolai versichert, dass es nicht so ist. Verzichten will er nicht auf seinen Metalstil. Er würde sich immer wieder dafür entscheiden.

Wer sich am Helfenstein-Gymnasium umschaut, sieht viele Schüler, die sich bei ihrem Kleidungsstil an den Trends orientieren. Dass Theresa nicht zu den Schülern gehört, die ihren Style ständig den Trends anpasst, wird klar, wenn man sie in ihrem Lieblingsoutfit sieht: Sie trägt einen zu großen Jungspullover, einen halben Pferdeschwanz und Skaterschuhe. Zwar zieht sie manchmal einen kritischen Blick auf sich, aber ändern will sie sich genauso wenig wie Nikolai. Auch wenn sie manchmal ins Wanken gerate, wenn jemand sagt, dass sie einen komischen Hoodie trage.

Theresa schminkt sich kaum. „Ich finde es natürlich einfach schöner. Man kann zwar auch einen natürlichen Look schminken, aber das wäre mir viel zu viel Aufwand“, sagt die Schülerin. Trotzdem: Nachlässig ist Theresa bei ihrem Outfit nicht. „Ich achte schon darauf, dass alles zusammenpasst“, betont sie. Dennoch ziehe sie auch zweimal hintereinander das gleiche Outfit an und habe damit keine Probleme.

Dass sich andere ihren Stil abschauen könnten, fände sie nicht schlimm. „Es wäre aber komisch, ein Vorbild zu sein.“ Theresa geht es nicht darum, einfach aus der Masse herauszustechen. Sie will sich einfach nur in ihrer Haut wohlfühlen.

Nicht selten passiert es Caroline Jahn, dass sie auf ihren Kleidungsstil angesprochen wird. Dann hört sie Fragen wie: „Der Pulli sieht so gut aus. Woher hast du den?” Oder: „Kann ich deine Nummer haben?”

Das ist kein Wunder, wenn man Trends und Kleidungskombinationen so gut wie die Schülerin aus Esslingen beherrscht. „Ich liebe dezenten Schmuck und einen abgestimmten Kleidungsstil, wenn ich zur Schule gehe“, erzählt die 17-Jährige. Kombinieren kann Caroline bei ihrer riesigen Auswahl von Oberteilen, Hosen und Schuhen viel. „Farblich ist sie immer top abgestimmt“, verrät uns Mitschülerin Vanessa Lao, die Caroline als „bestangezogenes Mädchen der Klasse“ betitelt.

Inspirieren lässt sich Caroline von Modebloggerinnen und Stars im Internet. „Trotzdem achte ich darauf, dass ich einen eigenen Style habe und nicht nur kopiere, was andere anhaben“, sagt sie. Mit einer Lederjacke, einer eng anliegenden Jeans, weißen oder schwarzen Sneakern und abgestimmten Accessoires wie eine goldene Uhr und einem Halsband ist die 17-Jährige in der Schule anzutreffen. „Ihr Erkennungsmerkmal sind jedoch nicht diese Klamotten, sondern ihre Kombinationen, die immer zusammenpassen“, meint Vanessa Lao.

Des Weiteren ist es der Schülerin nicht wichtig, ob man Markenklamotten trägt. „Meiner Meinung nach sollte sich kein Mädchen durch Marken zu stark beeinflussen lassen.“ Zum Thema Freizügigkeit in der Schule hat die Jugendliche dennoch eine zweigeteilte Meinung: „Klar, jeder darf anziehen, was er will, es gibt aber auch Grenzen“, findet die Schülerin.

Dilan Baziany: Wenn man diesen Namen in zehn Jahren nicht bei den Pariser Modenschauen hört, würden sich Klassenkameraden und Freunde des Schülers wundern. Der 16-Jährige modelt für Startup-Designer in Stuttgart und nutzt auch das Schulhaus als „Catwalk“. So zumindest könnte man meinen, wenn man Baziany in der Schule sieht. Der mutige Jugendliche lässt sich bei seiner experimentierfreudigen Kleidungswahl nicht aufhalten: Zu seiner Lieblingskleidung gehören übergroße Pullover, Halsarmbänder und schwarze Stiefel der Marke Dr. Martens. Manchmal gehe er mit Jogginghose in die Schule und am nächsten Tag trägt er eine Anzughose. „Von Tag zu Tag entwickelt sich mein Style. Ich liebe es, neue Klamotten auszuprobieren”, erzählt der Schüler lachend. Obwohl er dadurch den Kleidungskodex unter Jugendlichen bricht, bekommt er auch viel Lob von seinen Mitschülern. „Ich bin jeden Tag aufs Neue überrascht, was Dilan anhat“, erzählt Mitschüler Michael Peters.

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