Neue Erkenntnisse durch Laserscan

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Die 20 Burgen und Burgstellen im Oberen Filstal bieten ein reiches Feld für umfassende Forschungen. Wann wurden die Burgen gegründet? Wie lange wurden sie genutzt? Welche Funktion hatten sie? Gibt es Gemeinsamkeiten der Lage? Und wie sehen die Interaktionen zwischen den Burgen und ihrer Umgebung aus? Dies sind einige der Leitfragen, denen sich Michael Weidenbacher in seiner Doktorarbeit stellt, über die er am Montag auf Einladung des Kunst- und Geschichtsvereins in der Galerie im Alten Bau in Geislingen berichtete.

Weidenbacher ist seit Langem mit der Burgenlandschaft der Region vertraut, war er doch schon seit 2007 an den Ausgrabungen auf der Hiltenburg bei Bad Ditzenbach beteiligt. „Diese Mitarbeit hat ihn Feuer fangen lassen für die Archäologie“, meinte Stadtarchivar Hartmut Gruber in seiner Einleitung. Der Referent studierte Archäologie in Bamberg und promoviert zur Zeit an der Universität Tübingen.

Interdisziplinärer Ansatz

Weidenbacher gab einen ausführlichen Einblick in seinen interdisziplinären Forschungsansatz. Denn um Informationslücken zu schließen, ist es notwendig, auch Erkenntnisse von anderen Fachgebieten einzubeziehen. So lassen sich größere Zusammenhänge erschließen, wenn neben archäologischen Quellen auch Urkunden, alte Karten, geophysikalische Gegebenheiten, Landschaftsveränderungen oder auch alte Flurnamen hinzugezogen werden.

Bezieht man zum Beispiel die alten Wege und Straßen in die Untersuchung ein, zeigt es sich, dass sich viele Burgen an beziehungsweise oberhalb der verschiedenen Albaufstiege befanden. Neben den typischen Höhenburgen auf einem Bergsporn wie Helfenstein und Hiltenburg gab es auch Burgstellen in Niederungen mit Wall und Graben.

Hiltenburg als Ausnahme

Schwierig und in vielen Fällen nur rudimentär möglich ist die Feststellung von Gründung und Nutzungsdauer einer Burg. Einzige Anhaltspunkte bieten oft lediglich Keramikfunde. Eine Ausnahme bildet die Hiltenburg, für die sich lückenlos  eine durchgehende Nutzung von der Merowingerzeit bis zur Zerstörung im Jahr 1516 belegen lässt. Vermehrt kam es zu Gründungen im 11. Jahrhundert, wobei es ältere Burgen, siehe Hiltenburg, oder auch jüngere gegeben hat. „Wir haben aber immer nur Momentaufnahmen“, betonte Weidenbacher, „denn jeder neue Fund kann die Datierung verändern“.

 Neue Erkenntnisse ergeben sich durch die technische Methode des Lidar-Laserscans. Dabei wird von einem Flugzeug oder Helikopter aus die Erdoberfläche mittels Laserstrahl abgetastet. Durch die Ermittlung der Distanz zwischen dem erfassten Punkt und dem Sensor entstehen zentimetergenaue digitale Höhenmodelle. So konnte festgestellt werden, dass sich auf dem bewaldeten Höhenplateau nördlich des Helfenstein eine Wall-Graben-Anlage befunden haben muss. Und zwei runde Erhebungen an den Ausläufern des Plateaus, auf dem sich die Burg Leimberg befand, lassen auf mögliche Vorbefestigungen schließen.

Aussicht wird digital simuliert

Spannend – so ein oft gebrauchtes Wort im Vortrag – sind auch digitale Sichtbarkeitsanalysen. Dabei wird die Sicht von einem virtuellen Turm auf der jeweiligen Burg simuliert. Denkt man sich zum Beispiel zwei 20 Meter hohe Türme auf den beiden Bergfrieden der Hiltenburg, schaut man sowohl ins Filstal wie auch auf die Albhochfläche. So muss es auch Sichtkontakt zwischen der Hiltenburg und der Burg auf dem Dürrenberg gegeben haben.

 Interessante Perspektiven ergeben sich, wenn die Interaktionen zwischen Burg und ihrer Umgebung betrachtet werden. Eine große Bedeutung haben die Mühlen, denn die Orte auf der Albhochfläche waren durch den Mühlenbann an eine bestimmte Mühle gebunden. Zur Hiltenburg gehörte eine Mühle in Bad Ditzenbach, und der Herr von Leimberg erhielt 1336 das Recht, eine Mühle unterhalb seiner Burg zu errichten.

 Ein weiterer Zusammenhang ergibt sich, wenn man die Wald- und Jagdrechte betrachtet, die oft an eine Burg geknüpft waren. So besteht eine weitgehende Deckungsgleichheit zwischen dem Herrschaftsgebiet der Helfensteiner im 14. Jahrhundert und den Grenzen des Waldbanns. Und 1365 erhielten sie von Karl IV. das Recht, innerhalb ihres Waldbanns Eisenerz abzubauen und zu verhütten.

 „Daran knüpfen sich viele Fragen, auf die wir noch keine Antworten haben“, konstatierte Weidenbacher und gab abschließend einen Ausblick auf ein weiterführendes Forschungsprojekt an der Universität Tübingen in Kooperation mit weiteren Universitäten. Fachübergreifend werden in dem breit angelegten Projekt, an dem Weidenbacher und rund 30 weitere Wissenschaftler mitarbeiten, „Burg und niederadlige Herrschaftsbildung im Umfeld hochadliger Herrschaftszentren“ sowie „Ressourcen der Kulturlandschaft als Faktoren mittelalterlichen Burgenbaus“ untersucht.

Bei der Erforschung der vielfältigen und reichen Burgenlandschaft unserer Region tut sich einiges und es sind, das machte der Vortrag auch deutlich, noch interessante neue Erkenntnisse zu erwarten.

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