Naturschutz hinter Glas

Der Vogelschützer und Ornithologe Dieter Rockenbauch aus Weiler hat  mit viel Engagement „Unsere Vogelwelt“ in den Alten Bau geholt.

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  • Der Herr der Geislinger Vogelwelt: Dieter Rockenbauch. 250 Vogelpräparate und sein über Jahrzehnte angesammeltes Fachwissen hat er für die Ausstellung zur Verfügung gestellt  1/4
    Der Herr der Geislinger Vogelwelt: Dieter Rockenbauch. 250 Vogelpräparate und sein über Jahrzehnte angesammeltes Fachwissen hat er für die Ausstellung zur Verfügung gestellt Foto: 
  • Sieht aus wie echter Fels, ist aber Styropor: eine Bruthöhle. 2/4
    Sieht aus wie echter Fels, ist aber Styropor: eine Bruthöhle. Foto: 
  • Ausstellung "Unsere Vogelwelt" von Dieter Rockenbauch im Alten Bau Geislingen 3/4
    Ausstellung "Unsere Vogelwelt" von Dieter Rockenbauch im Alten Bau Geislingen Foto: 
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    Ausstellung "Unsere Vogelwelt" von Dieter Rockenbauch im Alten Bau Geislingen Foto: 
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Über 100 unterschiedliche Vogelarten hat Dieter Rockenbauch in und um seinen Garten in Weiler schon beobachtet. Ein Fernglas und ein gutes Bestimmungsbuch – das sei eigentlich alles, was man braucht, um sich mit der heimischen Vogelwelt vertraut zu machen, sagt der Experte. Noch einfacher geht es mit einem Besuch der neuen Ausstellung „Unsere Vogelwelt“ im Alten Bau.

250 Vogelpräparate hat Rockenbauch dem Kunst- und Geschichtsverein für die Ausstellung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Und  – vielleicht noch wertvoller – bei der Gestaltung  sein über viele Jahrzehnte angehäuftes Fachwissen eingebracht. Einige der Präparate hat der Ornithologe erworben, als Privatsammlungen aufgelöst wurden. Doch die meisten der gezeigten Vögel wurden einst verletzt oder halb verhungert in die überregionale Pflegestation des NABU gebracht und haben dort trotz aller Bemühungen nicht überlebt. Rockenbauch hat sie auf eigene Kosten präparieren lassen.

Bisher fristeten die Vogelpräparate ein relativ beschauliches Dasein jenseits des Rampenlichts in einem Kellerraum des  Ehepaars Rockenbauch. Nun sind sie in über 20 laufenden Meter an Glasvitrinen, die bis an die Decke  reichen, im dritten Obergeschoss des Alten Baus zu sehen. Eine Konzeption  für die Ausstellung zu entwickeln,  fiel dem Vogelexperten, der Naturkundemuseen „von Stockholm bis Salzburg“ kennt wie seine Westentasche, nicht schwer.

  Ein besonderes Anliegen war es ihm, die Vögel in ihren jeweiligen Lebensräumen zu zeigen. Dazu hat er Landschaften – von den Geislinger Weiherwiesen bis zu den Feldern am Gingener Dorfrand – detailgetreu nachgebildet. Die Besucher sollen Zusammenhänge im Naturhaushalt erkennen und lernen, welche Ansprüche die Tiere an ihre Umwelt haben.  „Was die  Leute nicht kennen, können sie auch nicht schützen“, meint Rockenbauch. „Deshalb wollen Naturschützer immer Wissen vermitteln.“

„Stilisiert und halbwegs natürlich nachgebildet“, nennt Rockenbauch die gezeigten Lebensräume. Das ist klassisches Understatement, hat der 82-Jährige doch einen enormen Aufwand betrieben, damit alles möglich authentisch aussieht. Fuhrenweise haben Mitarbeiter des Forstamts Stämme, Äste und Reisig zur Auswahl angeliefert – und auch ein alter Jägerzaun für den Lebensraum Dorf fand mit Rockenbauch einen Abnehmer.  Die Steine für die Flusslandschaft  beschaffte er in einem Bach im Schurwald. „Da ist er mit einem Eimer die Böschung hinuntergestiegen,“ berichtet seine Frau Heidrun. „Die Steine müssen schließlich zu den Hintergrundbildern passen“, sagt Rockenbauch. Weißer Kalkfels, wo eigentlich Braunjura hingehört, oder Buchenlaub, wo Fichtennadeln sein sollten – für Rockenbauch ein Sakrileg.

Etwas Besonderes ließ sich Rockenbauch einfallen, um die Fels-Bruthöhlen von Wanderfalke oder Uhu, der zum Beispiel an der Hausener Wand nistet, darzustellen:  Große Brocken aus Styropor hat er dazu abgehobelt und ausgehöhlt;  ein befreundeter Kunststudent  schließlich hat das künstliche Material schließlich  so bemalt, dass es aussieht wie Gestein. Täuschend echt, auch wenn ein Holzbalken des Alten Baus direkt aus dem „Felsen“ ragt.  Unter den Bruthöhlen sind Federn verstreut, die sogenannten Rüpfungen der Beutetiere, darunter Krähe, Schleiereule und Rotmilan.

Endstation: Uhumagen

Was Raubvögel sonst noch so verputzen, zeigt ein Schaukasten mit Gewöllen, den unverdaulichen Nahrungsresten, die Raubvögel ausgewürgt haben. Wer genau hinschaut, kann die eine oder andere Geschichte entdecken: In dem Gewöll eines Uhus stecken zwischen Knochen, Fell und Federn  blaue Ringe. Dieter Rockenbauch, der einer von insgesamt 800 ehrenamtlichen Beringern des Max-Planck-Instituts ist  und über 32 000 Vögel beringt hat, weiß genau, was es damit auf sich hat. Es sind die Überreste von jungen Wanderfalken, denen der Ornithologe aus Weiler einst selbst die Ringe zur Identifikation ansteckte. Irgendwann fanden sie dann ihr Ende im Magen eines Uhus. Zum Glück teilen nicht alle von ihm beringte Falken dieses Schicksal. Auf  einer Karte ist zu sehen, wo die Vögel sonst noch aufgetaucht sind: viele zog es den Südwesten Europas nach Spanien, einzelne Exemplare auch nach Nordafrika.

Zusammenhänge aufzeigen

In den Vitrinen sind teilweise auch Tiere zu sehen, die in der Region nicht oder nicht mehr vorkommen. Im Lebensraum Wald etwa scharren Rebhühner am Boden. „In der Nachkriegszeit gab es sie im Landkreis zu tausenden“, erläutert Rockenbauch. In den vergangenen drei Jahrzehnten sei dort keiner der taubengroßen Vögel   mehr gesehen worden. „Mit Feldlerchen und  Wachteln geht es genau so“. Daran  seien jedoch nicht „die bösen Jäger“ schuld. Viel mehr sei der Lebensraum der Vögel zerstört worden: Es gibt kaum mehr Hecken an den Feldrändern, Kunstdünger und Pestizide kommen zum Einsatz

Genau solche Zusammenhänge will Rockenbauch in seiner Ausstellung aufzeigen. Gerne räumt der Ornithologe dabei auch mit Vorurteilen und Legenden auf.  „Nicht alles, was man für selten hält ist es auch und umgekehrt“, sagt er zum Beispiel. Die unscheinbaren Heckenbraunellen etwa kämen im Landkreis viel öfter vor als „die vielfach überschätze“ Elster. „Überschätzt“ werde nicht nur die Häufigkeit der Rabenvögel, sondern auch die angeblichen Schäden, die Elstern unter den kleineren Singvögeln anrichteten. Wie die Populationskontrolle innerhalb eines Lebensraums funktioniert wird  auf einer großen Schautafel genau dargestellt.  „Früher dachte man wenn die ‚großen Starken’ überhand nehmen sterben die Singvögel“, führt Rockenbauch aus. Inzwischen wisse  man, dass die „Großen“  auf Gedeih und Gederb der Nahrungskette ausgeliefert seien. Die in einem Lebensraum verfügbare Biomasse ist letztendlich der entscheidende Faktor für die Population – von der winzigen  Spitzmaus bis zum mächtigen Uhu.                                                         

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