Nach falschen Stornos Griff in die Kasse

Mit fingierten Waren-Rückgaben hat die Kassiererin eines Geschäfts mindestens elfmal Geld aus der Kasse genommen. Jetzt kams zur Verhandlung.

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An drei Tagen im August vorigen Jahres hat eine 18-jährige Aushilfskassiererin gleich elf angebliche Stornos in die Kasse getippt - und das Geld in die eigene Tasche gesteckt. Dabei handelte es sich jeweils um vergleichsweise geringe Beträge, die sich auf knapp mehr als 600 Euro summierten.

Der Schwindel flog auf, als eine Kundin ihre Ware tatsächlich zurückgeben wollte und an eine andere Kassiererin geriet. Diese stellte dann beim Scannen des Artikels fest, dass er im Kassensystem bereits als "Retoure" registriert war. Zusätzliches Pech hatte die diebische Aushilfskassiererin, dass ihr Arbeitsplatz damals von einer versteckten Videokamera überwacht worden war. Diese Anlage, so hieß es in den Ermittlungsprotokollen, habe aber nicht die junge Frau im Visier gehabt, sondern sei noch rein zufällig wegen eines vorausgegangenen Verdachtsfalls installiert gewesen, der sich gegen jemanden anderes gerichtet habe.

Jedenfalls ließ sich schnell nachvollziehen, wie es zu den Stornos gekommen ist: Die Frau hatte nur wenige Minuten nach dem Verkauf des Artikels das Storno eingetippt und das soeben eingenommene Geld wieder aus der Kasse genommen. Weil ihr Vorgehen auf dem Video offenbar gut zu sehen war, konnte auch protokolliert werden, in welche Hosen- oder Gesäßtasche das Geld gesteckt wurde.

Angesichts dieses Beweismittels gab es nichts zu leugnen. "Es war so", sagte die Angeklagte, die zum Zeitpunkt der Tat gerade erst volljährig geworden war. Das Geld habe sie nicht für sich gebraucht, sondern für ihren damaligen Freund, der sie mit Drohungen und Schlägen dazu genötigt habe, ihm Geld für ein I-phone zu beschaffen.

Nachdem sie als Diebin entlarvt war, hat sie nach Angaben des Jugendgerichtshelfers Hartmut Väth sofort damit begonnen, den finanziellen Schaden zurückzubezahlen. Und dies, obwohl sie "nicht gerade auf Rosen gebettet" sei. Die Hauptschule hatte sie mit Mühe hinter sich gebracht, dann eine Lehre begonnen, sie aber aufgrund von Mobbings hingeworfen.

Wegen der "Kleckerles-Beträge", wie Richter Reinhard Wenger es formulierte, hätte sie beinahe ihre ganze Zukunft aufs Spiel gesetzt. Doch inzwischen hat sie nach Meinung Väths wieder Fuß fassen können, sich vom gewalttätigen Freund getrennt und eine vielversprechende neue Lehre begonnen - in einem Unternehmen, in dem man ihre Vergangenheit kennt.

Alle Prozessbeteiligten waren sich in der Einschätzung einig, dass nach Jugendstrafrecht geurteilt werden und als Strafe eine Arbeitsauflage ausgesprochen werden kann.

Richter Wenger schloss sich dem Antrag des Staatsanwalts an: Innerhalb von sechs Monaten muss die junge Frau 60 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Eine allzu große Belastung dürfte dies für sie nicht sein, zumal sie nur an zwei Tagen voll arbeitet und an den anderen halbtags die Schule besucht.

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