Musical: Von Liebe und anderen Gebrechen

Einen Parforceritt durch Niederungen und Höhen von Liebe, Ehealltag und Trennung bot die Musical-Komödie "I love you, you're perfect, Now Change!".

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Situationskomik: Ein Vater, gespielt vom Geislinger Christian Bindert (li.), zeigt Babybilder und kommuniziert dabei in Babysprache.  Foto: 

Stan und Pat haben wenig Zeit. Das erste Date wollen sie gleich überspringen, das zweite auch, beim dritten könnte man im Bett landen. Wobei: Auch das verursacht unnötigen Stress. Warum also nicht gleich mit dem Morgen danach beginnen? Oder mit dem ersten Krach? Oder, noch besser, gleich mit der Trennung. Eine tolle Verabredung, finden die beiden, als sie sich verabschieden. Und so zeitsparend. So rasant und überzogen geht es in der Musical-Komödie "I love you, you're perfect, Now Change!" weiter.

Der in Geislingen aufgewachsene Christian Bindert hat das Off-Broadwaymusical als Abschlussarbeit seines Studiums am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück - im Studiengang "Musical" - auf die Bühne und am Samstag zur Rätsche in den Geislinger Schlachthof gebracht. Einen für den jungen Musicaldarsteller besonderen Ort: Hier hat seine Bühnenerfahrung mit den Produktionen "Hair" (2008) und "Der Kleine Horrorladen" (2009), inszeniert von Torsten Moll, begonnen. Und auch die Geislinger erinnern sich gut an Bindert: Die Rätsche war rappelvoll und ausverkauft.

Auf der Bühne agieren in über 50 Rollen Binderts Mitabsolventen Marcel Kaiser, Hannah Noack und Elena Otten - und das charmant und mit viel komischem Talent. Ein bisschen auf der Bühne versteckt, aber durchaus präsent, begleitet Pianist Christian Müller das turbulente Geschehen.

Bettszenen - inklusive selbstgefälligem "Na, wie war ich?" -, ein mit Inbrunst vorgetragener Brautjungfern-Song (Elena Otten), die nicht ganz so erfolgversprechende Kontaktvideoanzeige von Rose Ritz (Hannah Noack), deren Gatte sie wegen einer hinkenden Großmutter hat sitzenlassen (einen jungen Hüpfer hätte sie noch gefallen lassen), ein junger Vater (Christian Bindert), der nur noch in Babysprache kommuniziert: Der Reigen der Beziehungsabgründe dreht sich schnell, und die Abgründe sind tief.

Szenen und Sketche reihen sich aneinander, die Darsteller agieren in ständig wechselnden Kombinationen. Der Kitt, der alles zusammenhält, ist das Thema: Beziehungswahnsinn, Liebeschaos. Der gemeinsame Nenner: Klischees, das Mittel: Situationskomik. Die Freundin (Elena Otten) leidet im Kino mit dem Helden einer Schmonzette, der Partner (Christian Bindert) mindestens ebenso, Fäuste, Blut und Action sind mehr nach seinem Geschmack. Mit großartiger Mimik lassen die beiden das Publikum daran teilhaben, wie die Rührseligkeit sich Bann und der Mann in Tränen ausbricht. Es gibt eine kleine Stepptanzeinlage, dann wieder verwandeln sich drehbare Bürostühle in Autositze für einen nicht ganz so harmonischen Familienausflug.

Die leisen Töne sind selten - etwa in einer Szene, als zwei Alte sich auf einer Friedhofsbank kennenlernen, das Komische, Laute, Klamaukige überwiegt. Das Rätschepublikum hat sich wunderbar amüsiert und bedankte sich mit Standing Ovations.

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