Schultüten müssen bunt sein

Die Maxis aus dem Kinderhaus am Tegelberg bekommen Schultüten mit selbst gewählten Motiven. Ihre Mamas basteln sie gemeinsam im Kindergarten.

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Die fünfjährige Tea hilft ihrer Mama Evelyn Rosenbaum beim Schnipseln und Kleben für ihre Einhorn-Schultüte.  Foto: 

Das Krönchen der Meerjungfrau sitzt schon, und beim Bagger fehlt nur noch die Schaufel. Um Schultüten für ihre Kinder zu basteln, haben sich Mütter im Kinderhaus am Tegelberg getroffen. Auf den Stühlchen sitzen sie an Tischen, die mit bunter Pappe, Glitzerfolie und Krepp-Papier ­bedeckt sind. Das Material stellt der Kindergarten gegen einen Unkostenbeitrag zur Verfügung. Zuvor durften die Maxis die Motive aus einem Katalog auswählen.

Katerina Opferkuch schneidet gerade die Flosse der Meerjungfrau aus, die sie zuvor mit einer Schablone aufgezeichnet hat. „Ich bin eigentlich nicht so der Bastelfan“, sagt die 38-Jährige und schmunzelt. Aber eine Schultüte zu kaufen, kommt für die Mutter trotzdem nicht infrage: „Die Einschulung ist ein besonderer Tag fürs Kind und es freut sich, wenn es das bekommt, was es sich ausgesucht hat.“

Ihre Tochter Thea wollte unbedingt die Meerjungfrau, „weil da so viel Blau dabei ist, und Blau ist meine Lieblingsfarbe“, erzählt die Sechsjährige. Sie assistiert ihrer Mama beim Basteln. Auf die Schule freut sich Thea vor allem, weil sie dort alle Buchstaben lernt – bisher kann sie schon ihren ­Namen und den ihrer Eltern und Geschwister lesen.

Bei einem Besuch in der ­Tegelbergschule haben sich die Kinder schon mal die Klassenzimmer angeschaut. Von den acht Maxi-Kindern des Kinderhauses werden sieben die Gemeinschaftsschule besuchen; eines geht wegen des Einzugsgebiets auf eine andere Schule, erklärt Erzieherin Simone Häderle. Sie ist dieses Jahr zusammen mit ihrer Kollegin Elisabeth Beckmann für die Maxis zuständig.

„Bei den Kindern überwiegt die pure Vorfreude“, sagt Häderle. Die Jungen und Mädchen würden schon im Kindergarten an ­einer kleinen Tafel Unterricht spielen und Turnübungen vor- und nachmachen. Einige bekämen von älteren Geschwistern mit, wie es in der Schule abläuft, andere hätten einfach viel Fantasie.

Evelyn Rosenbaum muss sich konzentrieren, um dem Einhorn nicht ungewollt die Mähne zu kürzen. Das Motiv ist zwar nicht im Katalog zu finden; ihre Tochter Tea weiß aber schon seit einem Jahr, dass sie eine Einhorn-Schultüte will, erzählt die Mutter. Dazu haben Oma und Opa einen Schulranzen geschenkt – natürlich auch mit Einhörnern drauf.

Während sie die Skizze ausschneidet, plaudert Evelyn Rosenbaum mit den anderen Müttern nicht nur übers Basteln: Auch die Schule, in die ihre Kinder kommen, ist Thema – welche Lehrer streng sind und wer als Wunsch-Klassenlehrer gilt. „Man ist auch als Mama aufgeregt“, sagt Rosenbaum. Auch wenn vergangenes Jahr bereits ihr Sohn eingeschult wurde, ist Teas Neuanfang wieder ein besonderes Ereignis.

Tom kommt zwar noch nicht in die Schule, beim Basteln der Schultüte für seinen großen Bruder hilft der Vierjährige aber fleißig mit. Als er mit einem lauten „Brummbrumm“ den Papier-Bagger „davonfahren“ will, muss Mama Yvonne Liebermann aber schnell eingreifen: Das Fahrzeug ist aus vielen Kleinteilen zusammengeklebt, und der Klebstoff muss erst trocknen. Dann kommt der Bagger mit bunten Verkehrszeichen auf die Schultüte, die schon fertig gerollt auf dem Tisch steht. Der Schriftzug „OLE“ fällt Yvonne Liebermann leichter. „Zum Glück hat mein Sohn einen kurzen Vornamen“, sagt die 41-Jährige lachend.

Mit dem Basteln wird ihre Arbeit dann getan sein, befüllt wird die Schultüte von Oma und Opa – mit Wachsmalkreiden und anderen Überraschungen. Süßigkeiten sollen eine kleinere Rolle spielen, sagt Liebermann. Ihr Wunsch ist, dass sich ihr Sohn in der Schule gut einfindet. Ab und zu soll der Sechsjährige schon von der Schule mit dem Bus heim nach Stötten fahren, um sich langsam daran zu gewöhnen. „Er ist auf jeden Fall reif und bereit für die Schule.“

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