Mondlicht in „alter Zistern“ 

Eine komplizierte Vorrichtung erlaubte, dass da Mondlicht in die Zisterne auf der Hiltenburg schien. Man glaubte, dann sei das Wasser gesünder.

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Ausgrabungen in Bad Ditzenbach: Ein Zisternenschacht auf der Hiltenburg ist freigelegt.  Foto: 

Die hochmittelalterliche Hiltenburg wurde im 14. und 15. Jahrhundert vollständig verändert. Durch Erbteilung entstanden mehrere Wohnbereiche, in denen zeitweise drei Familienzweige der Grafen von Helfenstein autonom lebten und wirtschafteten.

Im „Vorderen Schloss“, der ehemaligen Vorburg, standen mehrere Gebäude, darunter auch das „das groß alt Huß“. Es zeichnet sich heute durch einen markanten Hügel im Gelände ab. Dort führte die Kreisarchäologie Göppingen 2014 eine Untersuchung durch. Dabei wurde eine der Längsmauern des Gebäudes erfasst. An der südöstlichen Außenseite schloss sich eine noch zwei bis drei Steinlagen hoch erhaltene Zisterne an. Ihr 60 Zentimeter breites Mauerwerk hatte man direkt an das Fundament der Gebäudemauer angesetzt. Außerhalb des rund gemauerten Schachts folgte eine Anhäufung plattiger Kalksteine, die auf dem anstehenden Felsen auflag.

Die runde Zisternenkammer war in den Felsuntergrund eingetieft. Ihren Rand hatte man mit einer kompakten Schicht aus stark mit Ziegelmehl angereichertem Kalkmörtel versehen. Innen ergänzte man diese Abdichtung zusätzlich durch graugrünen Lehm mit speckiger Konsistenz. Vermutlich zur Stabilisierung wurde in dieses weitgehend wasserundurchlässige Material eine Reihe senkrecht gestellter Steinplatten eingesetzt.

Nachdem die Hiltenburg im Herbst 1516 zerstört worden war, beauftragte Graf Ulrich von Helfenstein den Festungsbaumeister Johannes Hanns Capitani mit einem Gutachten zum Wiederaufbau seiner Residenzburg. Dieser erst vor kurzem im Staatsarchiv Ludwigsburg entdeckte „Ratschlag Hilttenpurg zu bevesten“ enthält einen Hinweis auf mehrere „alte Zistern“. Capitani wies darauf hin, dass „Wasser die erst und meist Notdurft“ sei. Er wollte seine neuen Zisternen „nit also eng, wie die alten Zistern uff dem Schloss Hiltenpurk“ bauen. Sehr bemerkenswert ist aber seine Empfehlung, diese Zisternen durch eine ganz spezielle Dachkonstruktion zu schützen. Diese sollte sich nämlich bei Vollmond öffnen lassen. Was der Festungsbaumeister damit bezweckte, wird in der Urkunde ebenfalls verraten und erinnert verblüffend an heutige esoterische Praktiken. Wenigstens eine Stunde muss der Mond auf das Wasser scheinen, dann ist es gesünder –  „sollich Wasser hab ich selbst probieret“!

Graf Ulrich von Helfenstein bestritt jedoch einen ganz anderen Weg. Er gab die Ruine auf und ließ in Wiesensteig ein zeitgemäßes Renaissanceschloss errichten. Diese „neue Mode“ des Adels beschrieb der Ritter Fritz von Anweil im 16. Jahrhundert sehr trefflich: „Unsere alten Berghäuser lassen wir verfallen. Stattdessen wohnen wir lieber im Tal, damit wir es näher zum Bad haben“.

Appetithäppchen

In loser Folge veröffentlichen wir an dieser Stelle „Appetithäppchen“ aus der Ausstellung „Wutherey“ – Die Zerstörung der Hiltenburg 1516“, die zurzeit im Haus des Gastes in Bad Ditzenbach zu sehen ist. Jeden Sonntag werden um 15 Uhr öffentliche Führungen angeboten.

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