Mit dem Bus auf die Kuchalb

|

Der Geislinger CDU-Kreisrat Wolfgang Rapp ließ im Verkehrsausschuss des Kreistags nicht locker: „Wir bleiben dabei, dass es Ziel sein sollte, einen weiteren Ausgangspunkt im Oberen Filstal, also in Geislingen, zu bekommen.“ Der Radwanderbus hat in dieser Sommersaison noch einmal mehr Fahrgäste zur Burgruine Reußenstein bei Wiesensteig befördert als in seiner ersten Saison 2015. Das Problem nur für Rapp und seinen Fraktionskollegen Gerhard Ueding, früherer Bürgermeister von Bad Ditzenbach: Jener Landstrich des Kreises, in der Tourismus tatsächlich eine Rolle spielt, bleibt außen vor: das Obere Filstal, Herzstück der Tourismusregion Schwäbischer Albtrauf. Denn der Bus startet in Göppingen und fährt über die Voralb und Gruibingen nach Wiesensteig.

Schon vor zwei Jahren hatten Rapp und Ueding darum gebeten, im Falle eines Erfolgs des neuen Freizeitangebots auch daran zu denken, einen Bus auch in Geislingen starten zu lassen. Jörg-Michael Wienecke, Leiter des Amtes für Mobilität, hatte seinerzeit schon vorgeschlagen, lieber Böhmenkirch auf dem Albuch anzusteuern. Nun legt er einen Routenvorschlag vor: Ein Radwanderbus könnte in Süßen und Geislingen starten und über Donzdorf sowie übers Eyb- und Rohrachtal nach Treffelhausen fahren. „Die Verwaltung erwartet, dass auch eine weitere Linie im Raum Geislingen/Böhmenkirch mit großer Wahrscheinlichkeit auf gute Resonanz stoßen würde“, schreibt Wienecke in der Sitzungsvorlage für die Kreisräte. 

Rund 40 000 Euro müsste der Kreis noch zusätzlich in den Haushalt 2017 einplanen, wenn eine solche Linie schon im nächsten Jahr fahren soll. Ein Busunternehmer, der die Linie fährt, müsste zudem einen Radanhänger kaufen, den der Kreis dann mietet. Alternativ könne geprüft werden, ob sich die Zusatzlinie über Bad Boll zum Reußenstein, die geschaffen wurde, um der großen Nachfrage Herr zu werden, zugunsten einer Kuchalb-Linie wieder einsparen ließe, regt Wienecke an.

Gerhard Ueding mahnte die Verwaltung, nicht denselben Fehler zu machen wie bei der Planung des Pilotprojekts: Die Kommunen und Touristiker sollen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen berücksichtigt werden. Eine neue Linie soll aber erst an den Start gehen, wenn die ersten drei Jahre der Pilotlinie erfolgreich verlaufen sind. Im Herbst 2017 wird dann ausgewertet.

Kommentar: Nicht ohne die Erlebnisregion

Die Begründung der Kreisverwaltung, warum ein Radwanderbus durchs Obere Filstal nicht sinnvoll sei, ist teilweise nachvollziehbar: Der Radweg von Geislingen aus nach Wiesensteig verläuft auf der Trasse der früheren Tälesbahn und bietet einen so sanften Anstieg, dass der Weg sogar von weniger sportlichen Radlern sehr bequem befahrbar ist ­­– zumindest bis Mühlhausen, wo Anschluss an den Radwanderbus zum Reußenstein besteht. Dieser bietet Radlern und Wanderern den Vorteil, an einer Stelle den Sprung auf den Albtrauf zu schaffen, wo es sonst – außer dem Auto – keine andere Alternative gibt. Von Geislingen aus bringt die Bahn Radler auf die Alb nach Amstetten, und wer noch weiter will, kann in die Museumsbahnen umsteigen.

Der Denkfehler der Kreisverwaltung liegt – oder lag – woanders: Sie hat bei ihren Überlegungen für einen neuen Freizeitverkehr die Tourismusfachleute gar nicht einbezogen und so einen großen Bogen um jene Region gemacht, die innerhalb des Landkreises Göppingen touristisch am meisten zu bieten hat, gleichzeitig aber auch besonderer Förderung bedarf: Der Raum Geislingen mit dem Oberen Filstal, kurz: die Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf.

Das scheint Jörg-Michael Wienecke nun wieder gut machen zu wollen mit dem Vorschlag, eine andere Ecke zu erschließen, die sonst für den Radwanderer nur schwierig erreichbar ist: die Kuchalb mit einer Buslinie von Geislingen und Süßen aus. Die Frage ist nur: Ist die Kuchalb ein ähnlich anziehendes Ziel wie die Burgruine Reußenstein? Damit das kein Schuss in den Ofen wird, müssen die Touristiker mit am Planungstisch sitzen. Und die Kommunen gleich mit.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden