MiGy-Verteuerung: Kritik wegen mangelnder Transparenz

Dass die Ausgaben fürs Michelberg-Gymnasium weiter in Millionenhöhe steigen, quittieren im Geislinger Gemeinderat die einen mit Schweigen, die anderen mit Wut.

|
Vorherige Inhalte
  • Schick ist es, das rundum erneuerte Michelberg-Gymnasium. Das bestritt am Mittwoch im Gemeinderat auch niemand. Verhalten blieben aber auch die Reaktionen auf die neuesten Kostensteigerungen. 1/4
    Schick ist es, das rundum erneuerte Michelberg-Gymnasium. Das bestritt am Mittwoch im Gemeinderat auch niemand. Verhalten blieben aber auch die Reaktionen auf die neuesten Kostensteigerungen. Foto: 
  • Schick ist es, das rundum erneuerte Michelberg-Gymnasium. Das bestritt am Mittwoch im Gemeinderat auch niemand. Verhalten blieben aber auch die Reaktionen auf die neuesten Kostensteigerungen. 2/4
    Schick ist es, das rundum erneuerte Michelberg-Gymnasium. Das bestritt am Mittwoch im Gemeinderat auch niemand. Verhalten blieben aber auch die Reaktionen auf die neuesten Kostensteigerungen. Foto: 
  • Schick ist es, das rundum erneuerte Michelberg-Gymnasium. Das bestritt am Mittwoch im Gemeinderat auch niemand. Verhalten blieben aber auch die Reaktionen auf die neuesten Kostensteigerungen. 3/4
    Schick ist es, das rundum erneuerte Michelberg-Gymnasium. Das bestritt am Mittwoch im Gemeinderat auch niemand. Verhalten blieben aber auch die Reaktionen auf die neuesten Kostensteigerungen. Foto: 
  • Schick ist es, das rundum erneuerte Michelberg-Gymnasium. Das bestritt am Mittwoch im Gemeinderat auch niemand. Verhalten blieben aber auch die Reaktionen auf die neuesten Kostensteigerungen. 4/4
    Schick ist es, das rundum erneuerte Michelberg-Gymnasium. Das bestritt am Mittwoch im Gemeinderat auch niemand. Verhalten blieben aber auch die Reaktionen auf die neuesten Kostensteigerungen. Foto: 
Nächste Inhalte

Es herrschte eine eigentümliche Stimmung im Geislinger Gemeinderat: Gerade hatte Joachim ­Burkert, Sachgebietsleiter im Hochbauamt, dargelegt, dass die Generalsanierung des Michelberg-Gymnasiums nochmal um 1,4 Millionen Euro teurer wird, weil notwendige, aber zuvor nicht erfasste Leistungen zahlreicher Gewerke nachhonoriert werden mussten (wir berichteten).

War es Schockstarre, Resignation – oder hatten sich die Stadträte vielleicht schon zuvor in den nichtöffentlichen Sitzungen allen Ärger von der Seele geredet? Auf die anschließende Frage von Oberbürgermeister Frank Dehmer, ob es trotz Frust noch Klärungsbedarf gebe, kam jedenfalls – erst einmal nicht viel.

Nein, zu klären gebe es da wohl nicht mehr viel, meinten die ersten Redner: „Es tut weh, dass die Finanzierung von Schlampereien auf Kosten vieler anderer Maßnahmen geht“, erklärte Bernhard Lehle (GAL) und fügte in ruhigem Ton hinzu: „Das kotzt uns an.“ Thomas Reiff (SPD) meinte, dass jeder zusätzliche Euro schmerze. „Man hat gesagt, ein bissle was kommt dazu. Wir sind jetzt überrascht.“ Es sei vielleicht ein Fehler „von unserer Seite“ gewesen, so Reiff, kein Büro für Controlling eingerichtet zu haben – „vielleicht hätten wir das von Anfang an machen müssen“.

Ludwig Kraus (CDU) konstatierte zunächst, dass alles „aus dem Ruder gelaufen“ sei und wollte dann wissen, ob am Ende wenigstens die momentan noch streikende Technik funktionieren werde. Burkert sagte dazu: „Für alles, was technisch da ist, gibt es eine Lösung. Ich bin sehr zuversichtlich.“ Eine weitere Million, wie von Kraus befürchtet, werde dafür nicht fällig werden, sagte Burkert. „Es handelt sich um 10 bis 20 Prozent, die uns noch Probleme machen. 80 Prozent sind geglückt.“

Das kollektive Schweigen im Rat sei kein Wunder, meinte Holger Scheible (CDU): „Da verschlägt es einem die Sprache.“ Es gebe aber einiges zu klären, „da sind viele Fragen offen“. Er nannte es „einfach ärgerlich“, dass der Haushalt unter der Verteuerung leide; ein glücklicher Umstand sei, dass die Gegenfinanzierung stehe. Was Scheible wichtig ist: Die Schule sei in Ordnung und kein Luxusprojekt, sondern dank der Sanierung auf dem nötigen Stand der Zeit. „Die Verwaltung muss nun weiter daran arbeiten, Fehler zu beheben und weitere Konsequenzen zügig vorzubereiten“, schloss er.

Dass es unter der ruhigen Oberfläche brodelt, machten dann – schließlich doch noch – Peter Zajontz (SPD), Holger Schrag (GAL) und Werner Ziegler (CDU) klar: „Schlimmer geht’s nimmer“, polterte Zajontz: „Wer ist schuld an dem Desaster? Wer hat die enormen Erhöhungen einfach durchgewunken? Wie kann es sein, dass man Kosten immer wieder nachberechnen muss? Wir stehen jetzt doof da.“ Immer habe es geheißen, man bleibe mit der Sanierung unter 20 Millionen – „ich glaube, wir gehen Richtung 23 Millionen.“

Als Depp fühlt sich auch ­Holger Schrag, der wie Zajontz erklärte, gegen die Vorlage stimmen zu werden, um ein Zeichen zu setzen. Schrag: „Wir haben immer wieder gefordert, über solche zusätzlichen Ausgaben schnellstmöglichst informiert zu werden.“ Eine Nachtragssumme wie jene in Höhe von 125 000 Euro für Verblechungsarbeiten der Firma Haidle hätte nach Schrags Meinung zur Genehmigung in den Technischen Ausschuss gehen müssen – „das ist nicht passiert“, schimpfte er. ­„Irgendjemand auf dieser Baustelle hat diese Ausgaben genehmigt – ich weiß bis heute nicht, wer.“ Die Kostensteigerungen seien nicht klar und transparent, klagte Schrag: „Gegebenenfalls müssen wir uns Werkzeuge überlegen, dass das funktioniert.“

Mit einem kräftigen Schlag auf den Tisch machte Werner Ziegler seinem Ärger Luft: Es sei ein großer Trugschluss, als Verwaltung zu denken, man könne immer alles selber. „Können ja, aber Zeit dafür haben?“ Ziegler ist sich sicher: Hätte man ein Con­trolling-Büro eingesetzt, hätte man frühzeitig Transparenz gehabt. „Ab einer gewissen Investitionshöhe geht es nicht mehr ohne Kontrolle, so etwas schaffen wir nicht aus eigener Hand.“

OB Dehmer erklärte, dass ein Projektsteuerer kein Allheil-Mittel sei – das habe die Göppinger Stadtverwaltung bei der Sanierung der EWS-Arena leidvoll erfahren. Er gestand aber ein: „Bei so großen Projekten sollte man sich vielleicht ausführlicher damit beschäftigen.“ Am neuen MiGy dürfe man dennoch nicht alles verteufeln, mahnte er: „Sehr viele Dinge können sich sehen lassen. Aber es gibt Bereiche, mit denen wir nicht zufrieden sind, und damit werden wir uns auch nicht zufrieden geben.“ Die außerplanmäßigen Ausgaben mitzutragen falle ihm nicht leicht, erklärte Dehmer – „aber ich muss es“.

Was denn geschehe, wenn der gesamte Gemeinderat seine Zustimmung verweigere, wollte Ismail Mutlu (GAL) wissen. Scheible und Dehmer verwiesen auf die Gemeindeordnung. „Dann bekommt Geislingen rechtliche Probleme, weil die Stadt ihre Rechnungen nicht bezahlt“, ergänzte der CDU-Fraktionsvorsitzende. Thomas Reiff fügte hinzu: „Ein Nein trifft ja nicht den Verursacher, sondern die Handwerker, die ihre Leistung erbracht haben.“

Mit zwei Gegenstimmen genehmigte der Rat schlussendlich die Ausgabenerhöhung.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neunjährige Laila ist wieder bei ihrer Familie

Nach eineinhalb Jahren ist die neunjährige Laila endlich bei ihrer Familie. Das Kind war während der Flucht aus dem Irak verschwunden. weiter lesen