Messer in die Brust gerammt

Aus nichtigem Anlass stach bei Böhmenkirch ein Arbeiter einen Mann nieder. Das Schöffengericht Geislingen verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe.

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. Die Tat ereignete sich in einem metallverarbeitenden Betrieb in den Heidhöfen bei Böhmenkirch. Der türkische Arbeiter hatte einen Landsmann niedergestochen. Unter den türkischen Mitbürgern war das Interesse an diesem Fall groß, zahlreiche Zuhörer bevölkerten das Amtsgericht, in dem das Schöffengericht unter Richter Reinhard Wenger die gefährliche Körperverletzung verhandelte. Staatsanwalt Uwe Tetzlaff legte dem 36-jährigen, in der Türkei geborenen und in Heidenheim wohnhaften Angeklagten zur Last, am 26. Juni 2011, morgens bei Schichtbeginn, seinen 37-jährigen Arbeitskollegen aus nichtigem Anlass mit einem 30 Zentimeter langen Messer niedergestochen zu haben.

Der Anwalt des Angeklagten, Gunnar Kempermann aus Geislingen, berichtete, dass sein Mandant die Tat einräume. Das in Geislingen lebende Tatopfer erklärte vor Gericht, dass er mit einer defekten Polierscheibe zum Täter geschickt worden sei. Dieser galt im Betrieb als Profi bei solchen Reparaturen. Der Täter habe ihn aber gleich am Hals gepackt und das Messer in die Brust gestoßen. Er sei zu Boden gegangen, habe jedoch wieder aufstehen können und wollte den Kapo um Hilfe ersuchen. Der habe jedoch nicht reagiert, sodass er zum Büro gelaufen sei, wo er schließlich zusammenbrach. Der herbeigerufene Notarzt habe ihn dann per Hubschrauber ins Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm fliegen lassen.

Richter Reinhard Wenger konnte die geladenen Ärzte des BWK Ulm nicht vernehmen, da sie zum Einsatz in Afghanistan sind. So verlas der Richter ein Gutachten, in dem die Verletzungsfolgen aufgeführt wurden und nach denen das Opfer knapp einem Pneumothorax (drastisch eingeschränkte Atmungsfunktion durch Zusammenfallen der Lunge) entgangen war. Das Motiv, warum der ansonsten als sehr zurückgezogene Täter so aggressiv reagiert habe, war nicht zu klären, obwohl auch die beiden Schöffen Gabriele Heer und Manfred Neuwirth ihn intensiv danach befragten. Das Opfer leidet heute noch an den Folgen der Tat, ist noch arbeitsunfähig und befindet sich in psychologischer Behandlung. Das ursprünglich angestrebte Adhäsionsverfahren, in dem zivilrechtliche Ansprüche mit behandelt werden, kam nicht zum Tragen, weil das Opfer, als Nebenkläger durch einen Reutlinger Anwalt vertreten, 11 000 Euro an Schmerzensgeld fordert, der Anwalt des Täters jedoch nur 7000 Euro anbot.

Das Urteil: eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten - ausgesetzt auf drei Jahre. Als Bewährungsauflage muss der Verurteilte 3500 Euro in monatlichen Raten à 100 Euro als vorläufigen Schmerzensgeldanteil bezahlen. Der Verurteilte nahm das Urteil an und verzichtete auf Rechtsmittel.

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