Menschliches wird ignoriert Folgen einer flexibilisierten Arbeitswelt

Bei der Bezirkssynode des evangelischen Kirchenbezirks sprach Gastreferentin Esther Kuhn-Luz über die Folgen veränderter Arbeitsbedingungen.

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Pfarrerin Esther Kuhn-Luz sprach über seelische Folgen der modernen Arbeitswelt. Foto: Claudia Burst

Esther Kuhn-Luz ist Wirtschafts- und Sozialpfarrerin beim "Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt". In dieser Rolle sucht die Seelsorgerin Menschen in ihrer Arbeitswelt auf, knüpft Kontakte zu Geschäftsleitungen, Betriebs- und Personalräten, führt Gespräche mit Angestellten, hört zu und hält Vorträge.

Am Freitagabend war Esther Kuhn-Luz als Referentin im Evangelischen Jugendheim in Altenstadt und sprach vor den Mitgliedern der evangelischen Bezirkssynode über die Kosten, die die Arbeitnehmer für die moderne, flexibilisierte Arbeitswelt zahlen müssen. Kosten sowohl in materieller als auch in seelischer Hinsicht.

Prekäre Arbeit, also Arbeit, die befristet und schlecht bezahlt ist, verunsichere den Menschen auf Dauer. Durch den großen Druck, den "ökonomischen Werten" zu genügen, "entwerte" sich der Mensch oft selbst. Daher, so die Expertin, sei es notwendig, sich zu fragen, was die eigenen Werte ausmacht. Solche eigenen Werte seien zum Beispiel Kollegialität, Ehrlichkeit, Einfühlungsvermögen - ganz einfach Menschlichkeit. Es sei die Ignoranz des Menschlichen im Miteinander bei der Arbeit, das den Arbeitsalltag oft so schmerzlich mache.

Anhand konkreter Beispiele machte die Referentin den Druck deutlich, der heutzutage auf immer mehr Arbeitnehmern laste. Sie hätten weder die Sicherheit einer unbefristeten Stellung noch einer angemessenen Bezahlung. Leiharbeit war eines der Stichworte dazu, auf die Kuhn-Luz näher einging.

Wenn dazu noch Krisen wie Entlassungen oder Insolvenzen kämen, sei der Weg zur persönlichen Verzweiflung nicht mehr weit.

Dies seien Kosten in seelischer Hinsicht. Immer häufiger träten aber auch Krankheitsbilder wie Depressionen und Burn-out auf. Auch deren gesundheitliche Kosten hätten die Arbeitnehmer zu tragen. Die Belastungen, erklärte die Referentin, würden auf vielen Ebenen immer massiver. Die veränderte Arbeitssituation (flexibel, mobil, dezentral), die Angst vor Arbeitslosigkeit oder die Angst, nicht mehr wichtig zu sein, zögen eine große psychosoziale Not nach sich, die sich weder individuell noch medizinisch lösen lasse.

Gutes Zeitmanagement, der Mut zur Pause - dazu gehöre auch der Sonntag - das waren Lösungsansätze, die die Seelsorgerin als "heilsame Unterbrechungen" vorschlug.

Nicht zuletzt machte die Kirchenfrau darauf aufmerksam, dass die Kirche als Arbeitgeber in dieser Hinsicht als Erstes vor der eigenen Türe kehren sollte und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein müsse.

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