Mehr Schein als Sein

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Die Geislinger Rätsche hat mit einer Theaterprojektgruppe das Stück „8 Frauen“ produziert.  Das Stück erzählt von einem Weihnachtsabend in einer Villa. Der Hausherr wird mit einem Messer im Rücken aufgefunden. Alle acht im Haus versammelten Frauen haben ein Motiv. Doch welche ist die Mörderin? Regie führte Johanna Mludek aus Böhmenkirch, die unter anderem Schauspiel studiert hat.

Was hat Sie gereizt, genau dieses Stück mit Laiendarstellerinnen auf die Bühne zu bringen?

Johanna Mludek: Das Stück zeigt acht grundverschiedene Frauen. Die eines verbindet. Dass sie ein Leben leben das mehr Schein als Sein ist. Doch dann passiert ein Unglück und alle sind gezwungen, ihr wahres Ich zu zeigen. Wer schafft es, diese Chance zu nutzen und ein neues Leben zu beginnen und wer kann nicht anders als in seiner Haut zu bleiben? Das mit den Laiendarstellern herauszuarbeiten und zu inszenieren, hat mich sehr gereizt.

Das Stück ist über 50 Jahre alt. ­Warum ist es heute noch aktuell?

Es ist absolut aktuell. Heutzutage ist es wichtiger denn je, der Öffentlichkeit ein perfektes Bild zu zeigen. Die perfekte Familie, das perfekte Haus und jeder hat immer jugendlich auszusehen und gut drauf zu sein. Doch die Realität ist anders. Jeder hat seine Geschichte, seine Erlebnisse und Schwächen. Und genau darum geht es. Die scheinbar heile Welt zerbricht und jeder versucht den anderen schlecht dastehen zu lassen, um sich selbst zu retten. Und am Ende ist jeder demaskiert und die Scheinwelt zerbrochen.

Das Casting zu „8 Frauen“ hat im Juni stattgefunden. Wie oft haben Sie seither geprobt und wie haben sich die Darstellerinnen entwickelt?

Wir hatten bisher drei Probentage und ein Probenwochenende. Das scheint nicht viel und dennoch sind wir meines Erachtens nach schon sehr weit. Die Darsteller haben sich sehr gut in die Rollen eingefunden, der Text ist überarbeitet, die meisten Lieder stehen fest und die ersten zwei Akte sind erarbeitet. Die Darstellerinnen sind in ihren Vorkenntnissen bunt gemischt. Von Profi-Schauspielerinnen bis hin zu blutigen Anfängerinnen. Sie haben sich jedoch sehr gut zusammengerauft  und jede bringt ihre Eigenheiten mit ins Stück ein und macht es dadurch bunter.

Es geht um acht sehr unterschiedliche Frauen  im Alter von 16 bis 80. Welche ist Ihre persönliche Lieblingsfigur?

Das ist schwer. Vor allem, da ich die Figuren in drei verschiedenen Varianten kenne. Da ist einmal der Film, in dem alle Frauen überzeichnet und die Geschichten gewalttätiger sind, dann ist da das Theaterstück, in dem die Frauen seichter und die Geschichten detaillierter sind. Und dann ist da unsere Version. In der jede Frau meines Erachtens nach klar und deutlich gezeichnet ist, und die Geschichten realer und spannender sind. Aber doch, eine Figur gefällt mir in allen drei Versionen. Es ist Augustine. Sie ist eine hypochondrische, unfreiwillig humorvolle Frau, die immer der Gesellschaft gefallen will. Dadurch verpasst sie ihr eigenes Leben und verbittert immer mehr. Sie versucht auszubrechen und je nach Version des Stückes ist sie erfolgreicher oder eben nicht.

Wie werden Bühnenbild und Kostüme aussehen?

Die Kostüme sind etwas an die 50/60er Jahre angelehnt. Und das Bühnenbild wird sehr schlicht mit nur wenigen Möbeln und Gegenständen. Bei mir kommen keine Dinge auf die Bühne, die nicht bespielt werden.

Info Die Rätsche zeigt „8 Frauen“ am 27. und 28. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter: ☎ (07331) 4 22 20 oder info@raetsche.de

Johanna Mludek  (33) hat die Schauspielschule Athanor in Burghausen besucht. Zuletzt war sie auf der Bühne fürs freie Theater Deggendorf zu sehen. Sie inszenierte Kindertheater und Kindermusicals.

Jetzt ist sie Diplom-Sexualpädagogin und Sexualtherapeutin und leitet die Schwangerenberatungsstelle der AWO in Heidenheim

Sie ist der Liebe wegen nach Böhmenkirch gezogen. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter.

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