Majestätisches Feuer

Mit interessanten und vorzüglich gespielten Werken gestaltete der Organist Michail Tschitscherin am Samstagabend das zweite Konzert auf der frisch renovierten Geislinger Stadt- kirchenorgel.

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Obwohl der aus der Ukraine stammende Organist Mi-chail Tschitscherin schon mehrfach in Geislingen gastiert hatte, konnte er am Samstag eine Premiere feiern, denn nach dem Hausorganisten Thomas Rapp war er der Zweite, der auf der renovierten Stadtkirchenor-gel ein Konzert gab. Mit seinem vom Barock bis zur Spätromantik reichenden Programm stellte er so-wohl die Klangschönheit des Instrumentes wie auch sein ausgezeichnetes Können unter Beweis.

Beginnen durfte wieder einmal Johann Sebastian Bach mit dem Frühwerk "Passacaglia und Fuge in c-Moll", BWV 582. Das ostinat wiederkehrende Bassthema, auf dem das Werk fußt, stellte der Organist leise und in ruhigem Zeitmaß vor, wonach er eine große Zahl von Va-riationen folgen ließ, bei denen das Thema gelegentlich auch ins Manual wanderte. Das Tempo konsequent durchhaltend, sorgte er trotz zunehmender Klangfülle für genügend Durchsichtigkeit und ließ eine die übliche Kadenz ersetzende Fuge in strahlendem Dur enden.

Wie so oft bei W. A. Mozart zeigte sein Adagio h-Moll KV 540 zwei Gesichter. Einerseits bot der Interpret schlichte Spielfreude, zum andern flocht er mit dissonanten Akzenten und Seufzermotiven schmerzvolle Gedanken ein, ehe die Koda zu einem milden Ende kam.

Felix Mendelssohn Bartholdy bearbeitete in den fünf Sätzen seiner sechsten Sonate op. 65 die Melodie des Luther-Liedes "Vater unser im Himmelreich". Tschitscherin ließ die Variationen durch die gut abge-stimmten Manuale und das Pedal wandern und gelangte nach einer furiosen Fuga zum mächtigen Finale, welches in romantisch-samtenem Klang endete.

Die vier Buchstaben des Namens Bach haben neben vielen anderen auch Franz Liszt gereizt, über die entsprechende Notenfolge zu fantasieren. Dessen weit in die Spätromantik reichendes "Präludium und Fuge über B-A-C-H" nahm Michail Tschitscherin mit stupendem Organistenhandwerk in Angriff, hielt trotz enormer Klangballungen die eng mensurierte Floskel immer präsent und ließ sie als mal wilden, mal erfrischend klaren Bach auch in anderen Tonlagen plätschern.

Zwei Werke von Alexandre Guilmant beschlossen das Programm. Einer Berceuse, einem innigen Wiegenlied, folgte die Sonate Nr. 3 c-Moll op. 56, worin der Organist dem Präludium majestätisches Feuer gab, im Adagio kurzzeitig Ruhe einkehren ließ und eine von kühnen Septimsprüngen durchsetzte Fuge präsentierte. Mit einem 1888 von Edwin Lemare komponierten Andantino, bekannt unter dem Namen "Moonlight and Roses", bedankte sich Michail Tschitscherin für den wohlverdienten Applaus.

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