Landesbischof July macht Toleranz zum Thema

Toleranz ist ein Stichwort, das viele nicht mit Kirche und Glauben in Verbindung bringen. Das ist falsch, erklärte Bischof Otfried July bei einem Vortrag in Geislingen: Die Wurzeln der Toleranz fänden sich in der Bibel.

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Freut sich nach seinem Vortrag in der Geislinger Stadtkirche über den Dank und ein kleines Geschenk: Landesbischof Otfried July.  Foto: 

Ein spannendes, aber schwieriges Thema hatte der evangelische Landesbischof Frank Otfried July für seinen Vortrag gewählt: "Glaube und Toleranz - zwei Seiten einer Medaille". Etwa hundert Zuhörer kamen am Montagabend in die Geislinger Stadtkirche, um die Ausführungen des seltenen Gastes zu hören.

Der bezog sich auf eine Aussage Paulus im Römerbrief: "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob". Der Begriff Toleranz spiele in der Bibel keine zentrale Rolle, gab der Bischof in seinem kurzweiligen Vortrag zu. Doch der dahinterstehende Sachverhalt, der mit Worten wie Geduld, Langmut, Barmherzigkeit und Güte beschrieben werde, charakterisiere zum einen das Wesen Gottes und zum anderen die Eigenschaften, die einem Christen als Ebenbild Gottes zugedacht seien.

July führte weiter aus: "Einander annehmen zu Gottes Lob bedeutet nicht nur irgendwie miteinander zurechtzukommen. Es geht weiter und bedeutet, den anderen so zu lieben, wie wir selbst uns von Gott geliebt wissen." Auf dieser Basis sei es dem Christen möglich, Toleranz zu üben. "Damit ist eine dialogische Toleranz gemeint, die sich die Mühe macht, die Meinung des anderen zu verstehen. Was nicht automatisch bedeutet, gleicher Meinung zu sein", führte der 58-Jährige aus. Das gehe nur, wenn "ich meine eigene Position gut kenne", sagte er, "aber aufgrund unserer christlichen Position können - nein sollen - wir uns auf den Dialog mit Andersdenkenden einlassen."

Dabei dürfe man Toleranz nicht verwechseln mit Beliebigkeit, sagte July. Es gehe nicht um ein "alle haben irgendwie recht", sondern um ein differenziertes Miteinander. Dabei müsse man sich mit anderen Meinungen auf jeden Fall gewaltlos auseinandersetzen. "Wir sehen mit Schrecken in die Länder, wo ein solcher Dialog nicht möglich ist", wies July auf seine Erfahrungen als Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes hin.

Mit der Diskussion um Toleranz verbinde sich selbstverständlich eine selbstkritische Dimension, erläuterte der Referent und wies als Beispiel auf die kircheneigene Geschichte hin. Darüber hinaus habe Toleranz auch Grenzen, fügte er hinzu. Auch hierfür gab er Beispiele. "Die Fähigkeit, auf andere Ansichten einzugehen und mit den Menschen zu reden, ist die höchste Form der Toleranz", zog der Referent nach einer Dreiviertelstunde sein Fazit, das gelte sowohl für das innerkirchliche als auch das gesellschaftliche Leben.

Die Besucher nahmen nach dem Ende des Vortrags noch die Möglichkeiten wahr, dem Landesbischof Fragen - auch kirchenpolitisch heikle - zu stellen. Er beantwortete manche nur ausweichend, vor allem, weil sie in Kirchengremien noch diskutiert werden.

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