Lach- und Sexgeschichten à la Martina Brandl

Lokalmatadorin Martina Brandl hat der Rätsche in Geislingen zu einem grandiosen Saisonstart verholfen.  Ihr neues Programm zeigt die Kleinkunst-Preisträgerin in Top-Form.

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  • Der älteste Trick der Welt: Kabarettistin Martina Brandl lockt ihre Zuhörer mit Sexgeschichten in die Geislinger Rätsche, erzählt dann aber von ganz anderen Dingen – Käsebrötchen und den Wechseljahren, zum Beispiel. 1/2
    Der älteste Trick der Welt: Kabarettistin Martina Brandl lockt ihre Zuhörer mit Sexgeschichten in die Geislinger Rätsche, erzählt dann aber von ganz anderen Dingen – Käsebrötchen und den Wechseljahren, zum Beispiel. Foto: 
  • Kabarett - Martina Brandl mit der Vorpremiere ihres neuen Programms "Schon wieder was mit Sex" in der Rätsche in Geislingen. 2/2
    Kabarett - Martina Brandl mit der Vorpremiere ihres neuen Programms "Schon wieder was mit Sex" in der Rätsche in Geislingen. Foto: 
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Wenn Martina Brandl loslegt, bleiben nur noch wenige Fragen offen. Nicht immer beziehen sich ihre Antworten auf den Titel ihres neuen Programmes („Schon wieder was mit Sex“), aber den hat sie ja sowieso nur gewählt, um das Haus voll zu bekommen. Am Samstag in der Rätsche klappt das. Und da die Besucher nun mal schon da sind, bleiben sie auch, nachdem Brandl ihnen unmissverständlich erklärt hat: „Ihr seid auf den ältesten Trick der Welt reingefallen.“

Bevor da jemand enttäuscht sein kann, ist die Kleinkunst-Preisträgerin aus Geislingen schon mittendrin im Erzählen, und das macht sie so geschickt, so rasant und so abwechslungsreich, dass dem Publikum das Thema letztendlich so gut wie egal ist. So sorgt sie zum Beispiel für schönstes Kopfkino, wenn sie beschreibt, wie frau sich mühsam in sogenannte „Shapewear“ hineindrückt („Das ist wie ein Kondom für den Arsch“) beziehungsweise sich später nicht minder mühsam wieder herauswindet.

Nachdenkliches auf der Ukulele

Selbstironisch lässt Brandl ihre Gäste teilhaben an dem leidvollen Leben einer Künstlerin: Wer macht sich schon Gedanken darüber, unter welchem Druck diese zuweilen steht, wenn es im Back­stage-Bereich keine Toiletten gibt oder was es bedeutet, immer nur Käse-Brötchen serviert zu bekommen? Ohne Rücksicht auf Verluste redet Brandl über ihre Superkräfte als Wechseljahr-Woman („Man kann mich jetzt als Heizpilz für die Terrasse mieten“), über die Lautstärke von Vibratoren und die damit verbundenen Schwierigkeiten in dünnwandigen Hotels.

Die Texte ihrer Songs treffen ebenfalls zielsicher den Punkt, an dem Lachen durchaus erlaubt ist, an dem aber Abgründiges mitschwingt. Brandl macht Comedy mit Tiefgang, heißt es. Das beweist sie zum Beispiel, wenn sie ihre Ukulele auspackt und ein scheinbar freches Urlaubslied anstimmt. Das bekommt einen unvorhersehbaren Dreh, als anklingt, dass die Person, die dieses „Wann fahren wir wieder nach Hause?“ trällert, nicht in einem Hotelzimmer liegt, sondern in einem Pflegeheim.

Das Titelthema kommt dann doch noch ausführlich zu seinen Ehren, als Brandl von den Paarungsversuchen eines Hipsters mit einer sogenannten MILF berichtet, einer sexy Mutter. Über junge Männer und deren Ansprüche. Über die entscheidende Frage, wer wo rasiert sein muss und das ernüchternde Ergebnis: „Baby, es passiert nicht!“

Überhaupt überrascht Brandl im zweiten Programmteil noch mehr als im ersten: Nach scheinbar verlegenem Rumgeeiere, dass sie jetzt etwas mache, das man normalerweise nicht macht – es seien aber so viele, und wo sollten sie denn hin  –, löst sie die Spannung auf, als klar wird, dass es ihr um die „Frischlinge“ im Comedy-Bereich geht. Sie sind es, die denen, die schon immer da waren, die Jobs wegnehmen und erst mal ordentlich Deutsch lernen sollen. . .

Köstlich ist es immer, wenn Brandl mit ihrer Stimme arbeitet – etwa im Dialog mit einer Hundebesitzerin oder wenn sie den E-Mail-Verkehr zwischen unterschiedlichen Personen nacherzählt. Sehr gut kommt auch eine Percussion-Rap-Nummer an, Titel: „Surfen auf dem Klo“. Dabei lässt sie in jeder Hand zwei Holzkugeln an Seilen aneinanderprallen, was ihr den Rhythmus vorgibt.

Zum Abschluss darf ihr Hit mit dem QR-Code, den sie sich auf den Hintern tätowieren lassen will, nicht fehlen. Und mit einer wundervoll-schrägen Persiflage auf „Don‘t cry for me, Argentina“ stiehlt sie sich nach viel Applaus endgültig von der Bühne.

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