Krater im Asphalt

Es ist wieder soweit: Nachdem Eis und Schnee abgetaut sind, zeigt die Straße ihr wahres Gesicht. Die Schlaglochzentrale des Auto Club Europa (ACE) hat folglich nun auch die neue Meldesaison eröffnet.

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Harald Kraus aus Eislingen ist der Schlaglochbeauftragte und ist auf die Schadensmeldungen vorbereitet. Foto: Archiv

Verspüren Sie auch manchmal dieses heftige Rumpeln? Oft sieht man sie zu spät, diese Krater im Asphalt und als Autofahrer ist man Schlaglöchern hilflos ausgeliefert. Seit 1. Januar sind laut Harald Kraus bei der Schlaglochzentrale schon rund 150 Meldungen aus dem gesamten Bundesgebiet eingegangen. Seit 2010 wurden etwa 2000 einzelne Meldungen bearbeitet. Davon führten rund 70 Prozent zur Schadensbeseitigung. "Aus dem Raum Baden-Württemberg, insbesondere Stuttgart/Esslingen liegen derzeit nur ganz vereinzelte Meldungen vor. Wir gehen aber davon aus, dass durch die Ankündigung der Eröffnung der Meldesaison dieselben ganz rapide ansteigen werden", sagt Kraus.

Wie in den letzten Jahren wird seine ehrenamtliche Tätigkeit darin bestehen, die Verantwortlichen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene auf die zum Teil prekäre Situation der Straßen aufmerksam zu machen, an die Verkehrssicherungspflicht zu erinnern und zu überwachen. Er wird dieses Jahr von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unterstützt, die mit ihren Büros im Land die Öffentlichkeit unter dem Motto "Schotter für die Schlaglöcher" auf die empfindliche Unterfinanzierung des Straßenunterhalts hinweist. "Nur ausreichende Mittel für die Beseitigung von Straßenschäden können verhindern, dass das Anlagevermögen der öffentlichen Körperschaften mehr oder weniger verrottet." In Baden-Württemberg befanden sich 2008 bereits 44 Prozent der Landesstraßen in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. "Seither hat sich die Lage jedoch nicht verbessert, sodass davon ausgegangen werden muss, dass sich über die Hälfte der Straßen in der Verantwortung des Landes in einem sanierungsbedürftigen Zustand befinden."

Ähnlich verhalte es sich mit den Kreis- und Ortsstraßen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass rund 70 Prozent der gemeldeten Schäden zumindest provisorisch behoben werden. Die Zusammenarbeit mit den Straßenlastträgern ist weitestgehend kooperativ und konstruktiv", so Kraus. Denn die ACE-Aktion sei darauf angelegt, den meist überlasteten Straßenmeistereien oder Tiefbauämtern zu helfen.

Gelegentlich laufe beim ACE auch mal eine Meldung ein, die nicht plausibel sei oder wo der Zustand von der Straßenmeisterei als objektiv verkehrssicher bezeichnet werde. "Die Meldungen werden aber von mir sehr genau auf Plausibilität und Ernsthaftigkeit geprüft, sodass durch die Aktion keine unverhältnismäßige Belastung der Ämter entsteht", so Kraus.

Die Schlaglochzentrale hat bisher über 2000 Meldungen bearbeitet, wobei die Bundeshauptstadt als Spitzenreiter bezeichnet wird. Denn fast zehn Prozent der eingehenden Meldungen kommen aus Berlin. Etwa 24 Prozent der Beanstandungen sind aus Baden-Württemberg eingelaufen. "Natürlich haben wir in der Schlaglochzentrale nicht den Gesamtüberblick aller Schäden, da viele auch ohne die Inanspruchnahme des kostenlosen Service des ACE an die zuständigen Stellen gemeldet und behoben werden", sagt Kraus. Der ACE werde im April eine Bilanz der während des Frühjahrs erfassten und bearbeiteten Schäden vornehmen. "Wir befürchten allerdings, dass der Rekord aus dem letzten Jahr gebrochen werden könnte, denn der Frühling fördert die Winterschäden gnadenlos zu Tage", so Kraus. In diesem Zusammenhang werde sich auch zeigen, ob die von der Landesregierung in den Haushalt eingestellten 100 Millionen Euro zu einer spürbaren Verbesserung des Zustands der Landesstraßen führen. "Die kommunalen Straßenlastträger teilen immer öfter mit, dass sie wegen fehlender Haushaltsmittel nicht in der Lage seien, grundlegende und eigentlich notwendige Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen."

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