Kommentar von Tomas Cabanis: „Ehe für alle“ – schon längst überfällig

Die „Ehe für alle“ ist ein richtiger Schritt, doch es ist noch viel zu tun, findet GZ-Jugendjournalist Tomas Cabanis.

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Homosexuell? Das juckt auf dem Pausenhof fast niemand mehr. Zwei Mädchen küssen sich? Ist doch normal. Für meine Freunde und mich ist das von Generationen stillgeschwiegene Thema Homosexualität etwas ganz Normales. Gleichgeschlechtliche Paare sollten nicht nur heiraten dürfen, sie sollten endlich von allen akzeptiert werden.

Ich frage mich, warum die Ehe für alle erst jetzt kommt. Schon vor Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten hätte man sie einführen sollen. Gerade Deutschland. Das Land, das doch so tolerant und offen ist, tat sich mit der Einführung der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare so schwer. Sogar Uruguay und Kolumbien waren schneller, selbst mit dem Adoptionsrecht. Dass die Homoehe erst jetzt in Kraft tritt, ist eine peinliche Angelegenheit für unseren Bundestag. Viel zu spät und irgendwie noch schnell vor dem Start des Wahlkampfs reingedrückt.

Auf dem Schulhof wird die Debatte, die diese Woche ein aufschreiendes „Endlich“ bei mir auslöste, heiß diskutiert. Inmitten des Gesprächs: Meine schwulen Freunde, die bis jetzt nicht heiraten durften. Wie fühlt es sich an, wenn der schönste Tag im Leben einem verboten wird, frage ich sie. „Deprimierend“, antworten sie. Die zwei Jungen laufen Hand in Hand durch die Stadt, stehen offen zu ihrer sexuellen Neigung. Bis dahin war es ein langer steiniger Weg. Ich schäme mich für meine Mitmenschen, die meinen Freunden das Leben zur Hölle gemacht haben.

„Homosexualität ist eine Krankheit“

„Gott ist gegen Schwule“: Ich kann und will so etwas nicht mehr hören. Erstens ist die sexuelle Neigung angeboren und unbeeinflussbar. Zweitens, weiß ich, dass es Menschen gibt, die sagen „Homosexualität ist eine Sünde. So steht es in der Bibel”. Kann sein, doch glauben diese Menschen auch der Bibel, wenn sie von sprechenden Schlangen und einer schwangeren Jungfrau erzählt?


Die „Ehe für alle“ ist ein richtiger Schritt. Denn wie soll ein Land Akzeptanz gegenüber Homosexuellen zeigen, wenn diese schon vom Gesetz benachteiligt werden?

Auch schwule und lesbische Jugendliche aus meinem Umkreis fragen sich das. Wenn du die Abneigung in der Öffentlichkeit an deiner eigenen Haut spürst, ist das erst einmal hart, erklären sie mir. Ich kann es mir gut vorstellen: die stechenden Blicke als wäre ein Alien unterwegs.

Diese Aliens sind aber normale Menschen – wie du und ich. Zudem ist die sexuelle Neigung Privatsache und kein Stempel um Menschen in eine Kategorie einzugrenzen. Homosexualität ist nicht ekelhaft. Die intolerante Gesellschaft ist es.

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