KOMMENTAR · TEMPOMESSUNGEN: Bitte keine Abzocke!

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Normalerweise wird im Geislinger Rathaus geknausert, wos nur geht. Doch jetzt hat man tief in die Tasche gegriffen, um zwei neue Superblitzer anzuschaffen. 110 000 Euro. Aber diese Investition macht sich schnell bezahlt, denn die bisherigen acht "Starenkästen" haben zu ihren besten Zeiten alljährlich mehr als 200 000 Euro in den Stadtsäckel gespült.

Überhaupt ist die Jagd auf Verkehrssünder ein einträgliches Geschäft. Kein Wunder, dass der Kämmerer fürs laufende Jahr Verkehrsbußgelder in Höhe von 680 000 Euro einkalkuliert hat. Darin enthalten sind auch erkleckliche Einnahmen, die mit Messungen einer Privatfirma erzielt werden, sowie alle Parkverstöße und die Kontrollen mit einer mobilen städtischen Kamera.

Geschossen wird derzeit übrigens aus vollen Rohren. Denn die Polizei hat "Power-Wochen" ausgerufen, in denen Kommunen, Landkreis und Polizei tageweise ganz konzentriert gegen Raser vorgehen. So kann es sein, dass an zwei Tagen hintereinander an derselben Stelle und zur gleichen Zeit ein mobiler Blitzer steht.

Kritiker werden von einer übertriebenen Hatz auf Temposünder sprechen und argwöhnen, die Vermehrung der Kontrollstellen stehe im umgekehrten Verhältnis zur Entwicklung kommunaler Finanzen. Sprich: Die Städte und Landkreise versuchen, sich eine sprudelnde Einnahmequelle zu erschließen. Und dies mit der Begründung, die Verkehrssicherheit zu verbessern - ein Bestreben, das niemand ernsthaft bezweifeln wird. Aber nur so lange, bis er selbst geblitzt wurde.

Allerdings müssen sich die eifrigen Kontrolleure auch den Vorwurf gefallen lassen, überwiegend dort auf Temposünder zu lauern, wo dies dicke Einnahmen verspricht. Hingegen werden vor Schulen, Kindergärten oder in Wohngebieten mit Tempo 30 die meist modernen Lasergeräte oft schmerzlich vermisst. Oder auch spätabends und an Wochenenden, wenn in verkehrsberuhigten Bereichen vorwiegend Jugendliche mit ihren PS-starken Fahrzeugen protzen.

Überhaupt ist mit Tempo-Sündern rasch Kasse gemacht: Sie werden geblitzt und die Bußgeldbescheide hinterher geschickt. Dieser Verwaltungsweg ist unkomplizierter als die Konfrontation mit Betroffenen, wie sie entstünde, würde man auch regelmäßig verbotenes Radfahren in Fußgängerzonen überwachen. Keine Frage: Kontrollen sind notwendig, aber mit Augenmaß. Auf große Akzeptanz werden sie nur stoßen, wenn der Eindruck vermieden wird, dass nur des Abzockens wegen gemessen wird.

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