KOMMENTAR · STRASSENZUSTANDSBERICHT: Im Osten wenig Neues

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Insgesamt 1,7 Millionen Euro will der Landkreis Göppingen noch in diesem Jahr in die Sanierung maroder Kreisstraßen stecken. Das sind 500 000 Euro mehr als ursprünglich geplant. Offensichtlich hat man im Kreistag eingesehen, dass man auf den Straßen nur dann auf die sichere Seite kommt, wenn man rechtzeitig saniert. Wenn man gar nichts tut, werden die Schäden ja nicht kleiner, sondern der Aufwand beim Reparieren bloß größer. Unterm Strich spart der Landkreis damit auf lange Sicht sogar Geld.

Die Straßen im Osten des Kreises, am Albtrauf, rund um Geislingen, sind eh ein "Sparkässle": So schön die Landschaft mit ihrem regen Wechsel von Berg und Tal auch ist - für die Straßen sind die Topografie und raues Klima Gift. Bestes Beispiel sind die Steigen: Beim Bau in alter Zeit begnügte man sich damit, hangseits abzugraben und den Aushub talseits aufzuschütten. Das mag für Pferdefuhrwerke gereicht haben, den extremen Belastungen des immer stärkeren und schwereren Verkehrs sind die Steigen nicht mehr gewachsen. Das Ergebnis ist unübersehbar: Allerorten bröckelt und rutscht es. Und was die Lkw den Sommer über nicht schaffen, erledigen der Frost im Winter und das Hangwasser im Frühling. "Da werden wir nie Ruhe kriegen", fürchtet ein Experte beim Straßenbauamt und ist somit froh über jeden Cent, den er für die Sanierung maroder Straßen bekommt.

In Geislingen kann einem da der städtische Tiefbauchef Ulrich Weingart bloß leid tun. Jahr für Jahr gibt er dem Gemeinderat Straßenzustandsberichte und die fallen einen Winter nach dem anderen immer schlechter aus. Der Circulus vitiosus - siehe oben - lässt sich in Geislingen beispielhaft studieren: Straßenbeläge werden immer schlechter, es fehlt das Geld zur Sanierung, die Fahrbahnen werden noch maroder, also brauchts noch mehr Geld zum Herrichten, das man nicht hat.

Jüngst spielte Weingart Reiseleiter und führte Stadträten einige ausgewählte Exemplare aus der Geislinger Hitliste der schlechtesten Straßen vor Augen. Mehrere Stunden dauerte seine Exkursion, obwohl sie doch auf wenige ausgewählte Beispiele beschränkt war.

Immer wieder erinnert Weingart an seine Prioritätenliste aus dem Jahr 2008. Sie enthält in drei Schadensklassen 31 Straßennamen, genauer: Sanierungsmaßnahmen, die sich schon damals auf über 13 Millionen Euro Kosten summierten. Die Liste ist heute eher länger als kürzer, denn in der Stadtkasse herrscht Ebbe wie eh und je. Man muss den Stoiker Weingart bewundern, dass er nicht resigniert.

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