Keine Ahnung, aber mitreden

Wie zuverlässig sind Informationen aus dem Internet? Beeinflussen Facebook und Co. unsere Wahrnehmung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das aktuelle Stück der Theater-AG des Geislinger MiGys.

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Für die Aufführung von "Was die Leute lieben", die am Dienstagabend in der Aula des Geislinger Michelberg-Gymnasiums Premiere feierte, haben sich die Mitglieder der Theater-AG ganz besonders in Zeug gelegt: Sie haben das Stück selbst geschrieben und inszeniert. Den Grundstein dazu legte die 14-köpfige Truppe bereits zu Beginn des Schuljahres während ihrer Theatertage in Lindau. Das erzählte Lehrer Albrecht Lang, der die AG zusammen mit seinen Kollegen Christian Ermert und Irene Gottwik betreut. Auf ihrer Freizeit am Bodensee einigten sich die Jugendlichen auf das Thema, dem sie mit ihrem eigenen Stück nachspüren wollten: die Zuverlässigkeit von Informationen aus dem Internet und wie der alltägliche Medienkonsum den eigenen Blick auf die Welt, auf die Mitmenschen und auf sich selbst beeinflusst. "Das sind Fragen, die die Jugendlichen sehr bewegen", erläuterte Albrecht Lang.

Anhand der während der Theatertage entstandenen Ideen, Fotos und Videos entstand im Laufe des Schuljahres schließlich ein komplettes Stück: "Was die Leute lieben" besteht aus vielen kurzen Szenen, die thematisch und durch verschiedene Figuren und Vorkommnisse miteinander verbunden sind. Wie ein roter Faden zieht sich der Fall von B-Promi Daniela durch das Stück, die zu Beginn der Aufführung mit einem Paparazzi aneinandergerät. Bilder, Videos und Berichte von dem Vorfall im Internet kreieren schon bald einen klassischen Shitstorm.

In den folgenden Szenen wird die Reaktion der "Normalos" auf den Promi-Eklat dargestellt: Niemand weiß richtig Bescheid, aber jeder hat eine Meinung, die er für die einzig richtige hält. Wie die Protagonisten dabei mit den Informationen aus dem Netz umgehen und welche Meinung sie sich bilden, wird im Verlauf des Stücks damit kontrastiert, wie die Figuren sich selbst und die Menschen in ihrem sozialen Umfeld sehen und einschätzen. Wie bei einem Durchgang "Stille Post" lässt sich durch einige Szenen hinweg nachverfolgen, wie sich Tatsachen verzerren und die selektive Wahrnehmung die Oberhand gewinnt.

Mit viel Spielfreude lassen die jungen Schauspieler, von denen einige bei dieser Vorführung zum ersten Mal auf der Bühne standen, dabei eine amüsante Parade an Zicken, Checkern und Nerds am Publikum vorbeiziehen. Am Ende der Aufführung wird denn auch klar, was die Leute am meisten zu lieben scheinen: die Bestätigung der eigenen Vorurteile.

Info

Heute Abend um 19.30 Uhr führt die MiGy-Theater-AG "Was die Leute lieben" noch einmal in der Aula der Schule auf. In zwei Wochen geht es dann noch zu einem "Auswärtsspiel" bei den Esslinger Schultheatertagen.

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