Kein Gedanke ans Aufgeben

Drei Unentwegte sind 100 Kilometer gelaufen, um Spenden für Nepal zu sammeln. Einer von ihnen war Andreas Bulling. Was für ihn die Tour bedeutet, erzählt er hier.

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Schnurstracks zur Schildwacht hoch. Das Ostlandkreuz ist vergangenen Freitag kaum zu sehen. Dichter Nebel auf der Alb und Regen bis zur Mittagszeit treiben kaum jemanden vor die Haustüre, geschweige denn zur Wanderung auf den neuen Albtraufgängerweg. Drei Unentwegte sind seit halb sechs Uhr unterwegs: Sie wollen 100 Kilometer rennen, um Spenden für Nepal zu sammeln, das von verheerenden Erdbeben heimgesuchte Land im Himalaya.

Es ist dunkel, als Andreas Bulling, Frank Weller aus Stuttgart und Andreas Löffler aus Böblingen am Grünenberg-Parkplatz loslaufen. Im Regen auf den Burren, um den Tennenberg, dann stehen sie im Wald, schlaftrunken falsch abgebogen - sie rennen weiter und verlassen für ein kurzes Stück die Originalstrecke. Der 46-jährige Eislinger Andreas Bulling bringt das Trio nach Gingen, danach passt alles. Die Strecke ist optimal beschildert, das gelbe Schild auch bei sehr schlechten Sichtverhältnissen gut zu erkennen. Lediglich in der Gegend um Gingen werden die Hinweisschilder immer wieder übersprüht, wie die Geschäftsführerin der Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf, Isabell Noether, bestätigt.

Das Trio hat sich für die sechs Tagesetappen maximal 16 Stunden Zeit gegeben: "Dann kommen wir noch bei Tageslicht ins Ziel, wir machen kein Rennen, wir wollen die Strecke genießen und planen Pausen", sagt Bulling. Er hatte die Idee für den Lauf vergangenen Dezember. Da traf er sich mit anderen Ultraläufern im Deutschen Haus, um gemeinsam 30 Kilometer über die Alb zu laufen und danach das Jahr bei gutem Essen ausklingen zu lassen: "Mir war klar, dass wir die Runde irgendwann am Stück machen werden." Seinen Lauffreund Frank Weller konnte er schnell für das Abenteuer gewinnen: "Es sollte ein gemütlicher Lauf bei schönem Wetter werden", sagt der 46-jährige Daimler-Betriebsingenieur mit einem Grinsen, "wir hatten klar besprochen, das Ganze bei schlechtem Wetter zu lassen."

Dass die zwei mit einem dritten Mann an einem der schlechtesten Tage der vergangenen Wochen doch gestartet sind, hat seinen Grund. Als am 25. April das schwere Erdbeben Nepal getroffen hat, waren sich Bulling und Weller einig, etwas für die Opfer zu tun. Auf der Aktionsseite "Deutschland hilft", dem Zusammenschluss mehrerer Hilfsorganisationen, richtete Bulling, der als Marketingleiter an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen arbeitet, sein eigenes Projekt zur Unterstützung der Erdbebenopfer ein: "Der Lauf war geplant und die Idee verrückt genug, um damit Aufmerksamkeit für die Situation in Nepal zu erregen - damit war uns aber klar, dass wir das Ding ins Ziel bringen müssen, egal wie das Wetter ist und wie es uns ergeht." Durch die Spendenaktion wurde Andreas Löffler auf den Lauf aufmerksam, der 41-jährige IBM-Hardwareentwickler entschied sich, die Strecke mitzulaufen. Obwohl sie sich vorher nicht kannten, hat das Trio den ganzen Tag über perfekt harmoniert.

Triefnass nach drei Stunden der erste Stopp in einer Geislinger Bäckerei. Heißer Tee und Kaffee tun gut, umso härter der neuerliche Start im Regen. Dabei haben sie das schlimmste Wetter hinter sich. Starker Wind fegte eine halbe Stunde zuvor den Regen und dichten Nebel über die Mergeläcker. Kurz vor Weiler sind bei deutlich unter zehn Grad Celsius die Gespräche verstummt. Die Wege sind teilweise sehr rutschig und durch Sträucher und tiefhängende Äste mehrmals stark verengt. Doch als die drei um die Mittagszeit nach 53 Kilometern in Bad Ditzenbach eintreffen, hellt sich die Stimmung auf. In der Geschäftsstelle der Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf werden sie herzlich aufgenommen. Geschäftsführerin Isabell Noether und Praktikantin Viola Böhme haben Kuchen, belegte Brötchen und Getränke aufgetischt und freuen sich über den außergewöhnlichen Besuch.

Bis zur Papiermühle in Wiesensteig geht es auf Asphalt den Radweg entlang, der Regen hat aufgehört, zwei Lauffreunde leisten Gesellschaft. Vorbei am Filsursprung wird das Tempo langsamer, oben ist nur schemenhaft die Ruine Reußenstein zu erkennen, die Nebelsuppe hat sie verschluckt.

Bei schlechter Sicht folgt der schwierigste Abschnitt: Der Traufweg ist schmal, rutschig und abschüssig. Die Schritte erfordern Konzentration - insbesondere der Weg hinunter zum Deutschen Haus. Wieder zu dritt, tragen sie sich auf dem Aichelberg ins Gipfelbuch ein, genießen den Duft des blühenden Bärlauchs hinunter nach Eckwälden und freuen sich auf die nächste Verpflegung an der Silberpappel in Boll. Der Lauffreund dort muss lange warten , das Trio hinkt der Marschtabelle hinterher. Der kleine Umweg zu Beginn, die großzügigen Pausen und inzwischen fünf Kilometer mehr als geplant in den Beinen, haben Zeit gekostet. Heißer Tee und Salzstängel sind jetzt Favorit und nach 15 Minuten geht es weiter, viel Puffer bis zur Dunkelheit bleibt nicht - noch 18 Kilometer. Die Reise auf dem Albtraufgängerweg macht noch einen Stopp am Gairenhof. Knapp 100 Kilometer und die Sonne winkt kurz durch die Wolkendecke. Keiner macht Stress. Bis auf Bulling, der seit Gammelshausen mit Blasen kämpft, geht es allen gut. Die letzten Kilometer sind ein Klacks und kurz vor halb zehn sind die drei Albtraufrenner glücklich am Parkplatz.

16 Stunden waren Andreas Bulling, Frank Weller und Andreas Löffler unterwegs. Dabei sind sie auf der 106 Kilometer langen Strecke gerade einmal sechs Menschen begegnet - vielleicht lag's am Wetter, denn die Strecke bietet immense Reize. Die Spendenaktion für Nepal läuft weiter. Fast 3500 Euro sind inzwischen zusammengekommen. Der Lauf fand unter erschwerten Wetterbedingungen statt, aber was ist das gegen die Folgen des Erdbebens, das die Lebensbedingungen vieler Menschen komplett verändert hat?

Aktion im Internet

Jeder kann dazu beitragen, die Menschen in Nepal zu unterstützen: Auf der Aktionsplattform von "Deutschland hilft" findet man im Internet auch Informationen über den Spendenlauf der Geislinger. De n direkten Weg eröffnet der QR-Code (mit dem Handy und einer geeigneten App abfotografieren).

Info  https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/aktiv-helfen/interaktiv-helfen/starte-deine-spendenaktion/?hptitle=100km-albtrauf
 

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