Katholiken singen mit dem neuen "Gotteslob"

Zehn Jahre Vorarbeit, Teilauflagen mit mangelnder Papierqualität, Lieferprobleme. Doch jetzt freuen sich die Katholiken vor Ort auf ihr neues Gebets- und Gesangbuch. Ab Sonntag liegt das "Gotteslob" vor.

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Die freuen sich über das neue "Gotteslob": Die beiden hauptamtlichen katholischen Kirchenmusiker im Dekanat, Roman Schmid und Thomas Gindele.  Foto: 

Nach 38 Jahren hat das alte Gesangbuch ausgedient, zum 1. Dezember erwartet die Katholiken im Dekanat Göppingen-Geislingen zum adventlichen Sonntagsgottesdienst in den Kirchen das neue "Gotteslob".

"Für mich ist das ein historischer Moment", schwärmt der Geislinger Dekanatskirchenmusiker Roman Schmid überschwänglich, "das ist eine einmalige Chance, neuen Schwung in den Gemeindegesang hineinzubekommen". Dekanatsreferent Felix Müller bezeichnet die Neuausgabe sogar als "Quantensprung". Und Schmids Göppinger Kollege, Kirchenmusikdirektor Thomas Gindele, freut sich über die vielen "Herzenslieder", die im neuen Gesangbuch wieder aufgeführt sind: "Singen ist Emotionalität und Ausdruck des Glaubens, den die Leute mit in den Gottesdienst einbringen können."

War das erste "Gotteslob" ein Werk des Zweiten Vatikanischen Konzils und der von ihm beschlossenen Liturgiereform, so ist das neue 1368-seitige Buch ein Gemeinschaftswerk deutscher Kirchenmusiker. In zehnjähriger Vorarbeit mit Testphasen und Befragungen in Gemeinden suchten sie Lieder aus dem alten Gotteslob aus, die in Gemeinden gern gesungen wurden (etwa die Hälfte der 286 Lieder im Stammteil des Buches). Die andere Hälfte besteht zum einen aus Liedern, "die das alte Buch weggelassen hatte, obwohl sie den Menschen ans Herz gewachsen waren". Gindele nennt als Beispiel die "Deutsche Messe von Schubert" oder Weihnachtslieder, die jeder kennt. Zum anderen - das ist ein großer Teil - sind modernere ökumenische Kirchenlieder und Taizé-Gesänge ins neue Gesangbuch aufgenommen worden.

Zum deutschlandweiten Stammteil kommt ab Nummer 701 der "Eigenteil der Diözese". Das sind Lieder und Gebete, die vor allem in der heimischen Region Tradition haben. "Wir in der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben neben der Erzdiözese Freiburg den größten eigenen Teil", weiß Gindele.

Was Dekan Dietmar Herrmann besonders gefällt, ist, dass das Gotteslob "nicht nur Gesang-, sondern auch Gebetbuch ist". Mit seiner Mischung aus Liedern, Gebeten und Liturgieerläuterungen sei ein "schöner Fundus entstanden, den man mit in die Liturgie einbauen, aber auch privat nutzen kann."

Bis zum Start hatte das neue Gotteslob einige Hindernisse zu überwinden: In Teilauflagen reklamierten andere Diözesen eine mangelhafte Papierqualität. Deutschlandweit - auch im Dekanat Göppingen-Geislingen - kommt die Druckerei nicht, wie gewünscht, mit der Lieferung nach. "Die Druckerei hat damit gerechnet, dass die Kirchen nur eine Grundausstattung kaufen und die Gläubigen sich ihr privates Gesangbuch nach und nach zulegen", erklärt Hermann die Probleme. So wurden diözesanweit nur 90 000 Exemplare gedruckt, jedoch 160 000 bestellt: "Denn wir wollen auch an Weihnachten, wenn die Kirchen richtig voll sind, jedem Besucher ein Gesangbuch zur Verfügung stellen." Ähnliche Probleme gibt es bei den zum Stammteil passenden Orgelbüchern. Auch sie werden laut Gindele erst im Januar ausgeliefert. "Angeblich", fügt er skeptisch hinzu.

Um die neuen Lieder den Kirchenbesuchern bekannt zu machen, haben sich Gindele und Schmid im Vorfeld ins Zeug gelegt. Seit einem Jahr gibt es ein "Lied des Monats", das ein Vorsänger mit seiner Gemeinde unmittelbar vor dem Beginn des Gottesdienstes einübt. Diese "Vorsänger" konnten sich bei Schmid oder Gindele an drei Samstagen schulen lassen, manche lernten diese Monatslieder in ihrem Kirchenchor. Außerdem haben die beiden hauptamtlichen Kirchenmusiker aus den Liedern des Monats eine CD aufgenommen und an die Kirchengemeinden verteilt. Auch in Zukunft sollen solche CD mit "Liedern des Monats" an die Gemeinden ausgegeben werden.

Hinzu kommt ein "Band-Buch" mit 89 neuen geistlichen Liedern, das Gindele speziell für Musik-Bands erarbeitet hat und das bereits deutschlandweit vertrieben wird. "Es wird im Lauf der Zeit noch Vorsängerbücher, Chorbücher, Klavierbücher und so weiter zum Gotteslob geben", erläutert Schmid: "Das ist ein Vieljahresprozess, auf den ich mich freue!"


Zur offiziellen Einführung des "Gotteslobs" finden Auftaktveranstaltungen am Vorabend des ersten Advents statt: in Geislingen in Sankt Sebastian um 18 Uhr in einer Abendmesse; in Göppingen in der Christkönig-Kirche um 19.30 Uhr.

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