Kandidaten für Landessynode stellen sich vor

Eigentlich verstehen sie sich gut, die Landessynodal-Kandidaten der drei Gesprächskreise. Sie teilen viele Ansichten. Aber nicht alle. Das wurde deutlich bei der Kandidatenvorstellung in Altenstadt.

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Zweieinhalb Stunden dauerte die Vorstellung mit anschließender Fragerunde an die Kandidaten der Synodal-Wahl.  Foto: 

Kirchliche Segnung für homosexuelle Paare? Das ist ein Reizthema. Deutschlandweit - wie das umstrittene Familienpapier der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) beweist. Aber auch für sechs Kandidaten, die sich für die kommende Landessynode zur Wahl stellen. Sowie für die 30 Besucher, die am Dienstagabend ins Jugendheim zur Kandidatenvorstellung gekommen waren.

Zuerst hatten sich Pfarrer Frieder Dehlinger (Offene Kirche OK), Anita Gröh (OK), Pfarrer Michael Schneider (Lebendige Gemeinde LG), Werner Stepanek (OK), Beate Keller (LG) und Anneliese Maier (Kirche für morgen Kfm) in dieser vorher ausgelosten Reihenfolge vorgestellt. Dass schon drei Vorstellungsrunden im Wahlbezirk Göppingen/Geislingen stattgefunden hatten, merkte man dabei nur an den Sticheleien der beiden Theologen, die das jeweilige Argument des anderen - Jugend (Schneider, 33 Jahre) versus Erfahrung (Dehlinger, 50 Jahre) - bereits in ihrer Vorstellung entkräfteten.

In einer zweiten Runde hielten sie ihre Plädoyers. Da die Landessynodalwahl am kommenden Sonntag in erster Linie eine Personen-Wahl und erst in zweiter Linie die Wahl des Gesprächskreises ist, stellte jeder der Kandidaten seine wesentlichen persönlichen Anliegen vor. Dabei wurde jedoch vor allem eines deutlich: Die Unterschiede in den angesprochenen Themen Jugend, Senioren, Bildung, Umgang mit Ehrenamtlichen, verschiedene Gottesdienstformen sind gering. Abweichungen gibt es nur in Details.

Spannend wurde es dann bei der Fragerunde. Die Anwesenden stellten Fragen zur Gestaltung des Konfirmandenunterrichts oder dazu, wie man in Gemeinden die Randgruppen - "die ganz Frommen und die Kirchenfernen" - erreichen könne. Durch Arbeit in Kindergärten und Schulen lautete die Antwort, bei der sich alle einig waren. Erste harsche Worte gab es zur Frage, wie der Austausch unter den Religionen gefördert werden solle, nachdem die landeskirchlichen Stellen zum christlich-islamischen und zum christlich-jüdischen Dialog dem Sparpaket zum Opfer gefallen seien. "Wir haben gegen die Kürzung dieser Stellen gekämpft", behauptete hier Werner Stepanek und Frieder Dehlinger bezeichnete die Streichungen sogar als "Ärgernis zu einer Zeit, in der Kirchensteuer-Rekordsummen eingefahren werden".

Beate Keller machte deutlich, dass das "Zehn-Millionen-Sparpaket" gesprächskreis-übergreifend geschnürt worden sei: "Wo hätte man sonst sparen sollen? An den Pfarrstellen?" stellte sie ihre Gegenfrage in den Raum. Als Frieder Dehlinger erwähnte, dass trotz Sparens fünf Projektstellen unter dem Namen "fresh expressions of church" finanziert werden, verteidigte Anneliese Maier diese neuen Stellen, weil "man damit in bestimmte Milieus reingehen kann, um Leute mit Fantasie und Neuem zu erreichen!"

Obwohl sich die bisherigen Landessynodal-Kandidaten im Synodal-Alltag eigentlich gut verstehen, hackten sie bei der Frage nach dem Einsatz der Spendengelder für die Gesprächskreise doch deutlich aufeinander ein: "Ich bin irritiert, erstaunt und enttäuscht", so drückte sich Stepanek über die Plakataktion der Lebendigen Gemeinde aus, im Vorfeld habe man doch ausgemacht, keine Materialschlacht zu kämpfen. "Bei drei Offene-Kirche-Kandidaten ist das Zurücklehnen nicht schwierig", verteidigte Schneider das Vorgehen, während Beate Keller ihren Mitbewerbern vorwarf, den Titel "Pfarrer" auf den Unterstützerlisten der Offenen Kirche mit aufgeführt zu haben - ebenfalls gegen vorherige Absprachen. Diese bereits angeheizte Stimmung brachte die Frage einer anwesenden Pfarrerin zum Kochen, als sie von jedem Kandidaten wissen wollte: "Setzen Sie sich für die Segnung verschiedener Lebensformen ein?"

"Ganz klar ja", konstatierte Anita Gröh, und ihre Offene-Kirche-Kollegen stimmten ihr zu. Anneliese Maier dagegen gab zu, dass ihr eine solche Zustimmung sehr schwer falle. Die Argumentation Dehlingers, dass es bei der Segnung doch vor allem auf "Verbindlichkeit, die Liebe und die Bereitschaft füreinander Verantwortung zu übernehmen" ankomme, hinterfragte Michael Schneider - der sich als "zwiegespalten" bezeichnete - mit der Gegenthese: "Und wo ziehen wir die Grenze?"

Dass auch im Publikum die Meinungen auseinandergingen, zeigte sich schnell. "Eine Volkskirche muss für alle da sein", lautete eine Meinung, während eine andere sagte: "Wir als Kirche müssen den Mut haben, nicht alles mitzumachen!" Das Hin und Her ging sogar so weit, dass einer der Besucher seinen Mantel und seine Frau schnappte und den Saal empört verließ.

Die Reaktionen des Abends schienen Beate Kellers Antwort zu bestätigen: "Ich bin gegen eine solche Segnung, weil eine solche Entscheidung die Spaltung der Landeskirche bedeutet."


Am Donnerstag um 19.30 Uhr findet eine letzte Vorstellung der Kandidaten im Blumhardthaus in Göppingen im Reusch statt. Gewählt wird am Sonntag in allen Kirchengemeinden parallel zur Kirchengemeinderatswahl.

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