Junge Leute von einem 18-Jährigen angegriffen

Für eine Clique junger Leute aus Wiesensteig hat das Stadtfest "Schluck" ein jähes Ende genommen: Zwei zettelten eine Prügelei an. Einer davon stand jetzt vor Gericht.

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Einer, der in der Nacht zum 14. Juli beim "Schluck" auf dem Wiesensteiger Kirchplatz gewalttätig geworden war, musste sich jetzt vor dem Jugendrichter wegen Körperverletzung verantworten. Der damals gerade 18 Jahre alt gewordene Lehrling hat sich inzwischen mehrmals bei den verletzten 20-jährigen Opfern entschuldigt. Daraufhin hatte einer der beiden sogar die Strafanzeige wieder zurücknehmen wollen. Doch die Staatsanwaltschaft war hart geblieben. Angesichts zunehmender Gewaltdelikte machte die Behörde ein "öffentliches Interesse an der Strafverfolgung" geltend und blieb hart.

Bei der jetzigen Verhandlung vor Jugendrichter Reinhard Wenger erwies es sich freilich als schwierig, das nächtliche Geschehen zu rekonstruieren. Fest steht nur, dass der Angeklagte einen 20-Jährigen, den er seit Kindheitstagen kennt, aus der herumstehenden Gruppe junger Leute weggezerrt und gegen eine Hauswand gedrückt hat - und zwar so fest, dass ihm ein Arzt später in der Klinik Verletzungen am Rücken attestierte. Der junge Mann schilderte jetzt, dass ihm der Angeklagte gedroht habe, ihn umbringen zu wollen. Und zwar völlig grundlos. Jedenfalls habe er auf die Frage, was dies solle, keine Antwort erhalten. Der Täter entriss ihm das volle Bierglas und schüttete den Inhalt nach hinten weg. Dabei traf er den herbeigeeilten Freund seines Opfers, der schlichtend hatte eingreifen wollen.

Saftige Faustschläge verpasst

Die Schilderungen darüber, was dann geschah, gehen auseinander. Der an die Wand gedrückte junge Mann war sich absolut sicher, von dem Kontrahenten mit Faustschlägen ins Gesicht niedergeprügelt worden zu sein - was der Angeklagte vehement bestritt. Er habe nur dem anderen saftige Faustschläge verpasst, räumte er ein. Für die Beulen im Gesicht des ersten Opfers sei hingegen ein Unbekannter verantwortlich, der sich plötzlich eingemischt habe. Dass da tatsächlich noch ein anderer aus der Migrantenszene gewesen ist, bestätigten jetzt auch einige als Zeugen geladenen jungen Leute aus der Party-Clique. Niemand aber hat ihn gekannt, weshalb es sich vermutlich um einen Auswärtigen handelte.

Dass Alkohol bei den Opfern keine Rolle gespielt hat, nahm Wenger zufrieden zur Kenntnis: Obwohl sich der Vorfall nach Mitternacht ereignet hatte, wies einer der Männer 0,0 und der andere lediglich 0,3 Promille auf. Beim erst später ermittelten Täter ließ sich dies nicht mehr feststellen.

Kein Schlägertyp

Jugendgerichtshelfer Hartmut Väth nahm den Angeklagten in Schutz: Seine Entwicklung sei bisher "gradlinig verlaufen", er absolviere eine Lehre und sei bisher nur wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl und Farbschmierereien aufgefallen. Die Prügelei könne als "jugendtypische Straftat" gewertet werden: "Etwas muss ihn gewurmt haben, er war gefühlsmäßig aufgekocht." Falls seine Behauptung stimme, sein Opfer habe ihm vor langer Zeit mal den "Stinkefinger" gezeigt, dann wäre dies ein Vorgang gewesen, den Erwachsene "mit Vernunft gelöst" hätten, argumentierte Väth und versicherte, dass der Angeklagte kein Schlägertyp sei.

Dem Antrag, ihn nach Jugendstrafrecht zu verurteilen, schloss sich auch der Staatsanwalt an, der dem Angeklagten zugute hielt, dass offenbar noch ein Unbekannter im Spiel war. Den Strafantrag von 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit hielt Richter Wenger zwar für "recht milde", griff ihn aber fürs Urteil auf - mit der Bedingung, dass die ehrenamtliche Arbeit innerhalb eines halben Jahres geleistet sein muss. Auch wenn noch ein zweiter Schläger beteiligt gewesen sei, der dem ersten Opfer die Faustschläge zugefügt habe, müsse sich der Angeklagte trotzdem einen Teil dieser Verletzungen zurechnen lassen. Denn auch das Drücken an die Hauswand sei im strafrechtlichen Sinne eine Körperverletzung.

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27.11.2013 06:55 Uhr

"gradlinig verlaufen"

Jugendgerichtshelfer Hartmut Väth nahm den Angeklagten in Schutz: Seine Entwicklung sei bisher "gradlinig verlaufen", er absolviere eine Lehre und sei bisher nur wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl und Farbschmierereien aufgefallen.

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