Jahrmarkt, Seiltänzer, Luftspringer

Dass der Herbst Einzug gehalten hat, macht sich in der Geislinger Zeitung vor 150 Jahren so bemerkbar: Die Baugewerbeschule öffnet, Tanzunterricht und Theater finden nun statt und ein Jahrmarkt.

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Das Winterhalbjahr schlägt sich in den Ausgaben des "Alb- und Filsthalboten" vom Oktober 1864 in mehrfacher Hinsicht nieder. Das zweimal pro Woche mit vier Seiten im Kleinformat erscheinende "Amts- und Intelligenzblatt" (Anzeigenblatt) für das Oberamt Geislingen kündigt beispielsweise den zweitägigen Herbstmarkt an: Am ersten Tag, einem Donnerstag, findet ein Vieh- und Krämermarkt statt, tags darauf ein Krämermarkt. Davor füllen viele Geschäftsempfehlungen den "Bote", es bleibt kaum noch Platz für redaktionelle Nachrichten. Und am Sonntag nach dem Jahrmarkt geben beim Rathaus "französische Seiltänzer und amerikanische Luftspringer" zwei Vorstellungen. Unklar bleibt, was mit den Luftspringern gemeint ist. Die Annonce im "Bote" verspricht, zum Finale werde "Direktor Traber das 50 Fuß hohe Seil besteigen, und mit dem Schiebkarren vorwärts hinauf und rückwärts herunter spazieren, welches Alles bis jetzt Gesehene übertreffen wird".

Im zweiten Jahr öffnet von Ende Oktober bis Mitte März in Geislingen die Winter-Baugewerbeschule. Der Besuch dieser "Unterrichts-Anstalt für die Baugewerke" bei Reallehrer Fink und Zeichnungslehrer Kleesattel kostet 20 Gulden. In jeweils 30 Wochenstunden geben die Fachlehrer "Arithmetik und Algebra, Geometrie und Stereometrie (Berechnung geometrischer Körper), deutsche Sprache und Schönschreiben, Freihandzeichnen und Bauzeichnen". Und sie versprechen: "Fleiß und sittliches Verhalten der Schüler werden sorgfältig überwacht."

Über eine staatlich genehmigte Lotterie verlost der Christophshof bei Eybach erstmals zwei Stutenfohlen. Ausgegeben werden "1200 Loose à 30 kr." (Kreuzer), die Verlosung findet dann "unter obrigkeitlicher Aufsicht auf dem Rathhaus in Eybach" statt. Wie später bekannt gegeben wird, gewinnen die Losnummern 1022 und 955. Einen Diebstahl zeigt im "Bote" im Oktober vor 150 Jahren Bauer Christoph Oßwald aus Stubersheim an; ihm wurden "etwa 40 Stück Schweinefleisch von ungefähr 36 Pfund und ein Schmeerlaib (wohl: fetter Bauch) von 4 Pfund entwendet".

Erneut ist ein Pferd vor dem oberen Tor in Geislingen in die Rohrach gestürzt, die dort dringend durch ein Geländer gesichert werden müsse, beschwert sich zum wiederholten Mal ein anonymer Einsender im "Bote". Laut einer späteren Meldung dazu soll es sich bei dem Tier um einen Ochsen mit verbundenen Augen - aber einen erfahrenen Treiber - gehandelt haben.

"Mehrere Bürger von Eybach" schildern einen peinlichen Vorfall in allen Einzelheiten: dass sich nämlich Gemeinderat Thadäus Geiger im Gasthaus zum Hirsch sinnlos betrunken habe, schließlich sei er vom Stuhl gefallen und habe nach Hause getragen werden müssen. Ein solcher Bürgervertreter sei doch nicht haltbar, kritisieren die anonymen Einsender.

Für die vom Hagel heimgesuchten Ditzenbacher gehen viele Geldspenden ein. Von einem noch schlimmeren Unglück berichtet der "Bote" in der letzten Oktoberausgabe vor 150 Jahren: In Isny brennen 81 Häuser nieder, das sei fast ein Viertel der Gebäude der Stadt.

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