Ivo Gönner spricht an Hochschule über Corporate Governance

Wie funktioniert gute Unternehmensführung? An der Geislinger Hochschule sprach darüber unter anderem der Ulmer Ex-OB Ivo Gönner.

|
Ausschreibungen und Sponsoring beschäftigten Kommunen vor allem, so Ivo Gönner beim Symposium.  Foto: 

Der Abgas-Skandal bei VW oder Zinsmanipulationen von Deutsche-Bank-Mitarbeitern sind nur zwei Beispiele jüngeren Datums, wie verantwortungsvolle Unternehmensführung – Corporate Governance – gerade nicht aussehen sollte. Mit „Strategien erfolgreicher Governance“ beschäftigte sich am Donnerstag ein Symposium an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Geislingen. Ausrichter war das im Herbst gegründete Institut für Corporate Governance (ICG) der Hochschule.

Neue rechtliche Rahmenbedingungen und sich ändernde Sichtweisen auf Fragen guter Unternehmensführung und Regelverstöße stellten Unternehmen und Verwaltungen gleichermaßen vor die Herausforderung, gute Strukturen zu etablieren, erklärt Institutssprecher Professor Dr. Stefan Marx. Mit dem erstmals veranstalteten Symposium wollte das Institut Hilfestellung leisten.

Marx und seine Kollegen – die Professorinnen Katja Gabius und Heike Mayr-Lang sowie Professor Frank Reinhardt – holten dafür den Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Winfried Holtermüller, den Münchner Steuerberater Dr. Alexander Reichl und den Wirtschaftsprüfer Volker Zieske in die Fünftälerstadt. Die Experten sprachen über die strafrechtliche Bedeutung von Verstößen gegen Richtlinien im Unternehmen, die sogenannte Compliance. Außerdem ging es um Steuerehrlichkeit – die sogenannte Tax Compliance – und um interne Revisionen in öffentlichen Unternehmen und Verwaltungen.

Dass gerade für letztere das Thema Governance ein virulentes ist, machte Ivo Gönner deutlich. Der Jurist, der von 1992 bis 2016 Ulmer Oberbürgermeister war, sprach in Geislingen über seine Erfahrungen bei der Etablierung von Corporate-Governance-Systemen in der Stadt und kommunalen Beteiligungen. Die Welt der öffentlichen Verwaltung setze sich aus schwäbisch-preußischem Beamtentum und per se ehrbaren Kaufleuten zusammen, sagte Gönner augenzwinkernd. „Was hat man da also für ein Problem? Keins.“ So einfach sei das Thema aber nicht abzuhaken, schob er sogleich hinterher. Für die öffentliche Verwaltung gehe es vor allem um die Vermeidung von Korruption, erklärte er und zitierte Kurt Tucholsky: „In Deutschland wird nicht bestochen, in Deutschland wird beeinflusst.“

Geschenke an die Stadtverwaltung, Sponsoring und öffentliche Ausschreibungen seien die Themen, die die Kommunen beschäftigten. Um nicht ins Gerede zu kommen und sich abzusichern, habe er in Ulm beispielsweise Handlungsempfehlungen für die insgesamt rund 4300 Mitarbeiter erarbeitet, die die Sponsoringaktivitäten regelten – „denn heutzutage findet ja keine soziale oder Kulturaktivität in der Stadt ohne Sponsoring statt“.

Der Städtetage habe etwa Empfehlungen ausgearbeitet, die dabei hülfen, Ausschreibungen und Vergaben korrekt zu formulieren beziehungsweise abzuwickeln. „Die drei wichtigsten Punkte sind Transparenz, Dokumentation und Veröffentlichung“, betonte Gönner immer wieder. „Das ist der beste Schutz.“ Die Zuhörer – rund 35 externe Besucher und etwa 60 Studenten – hingen aufmerksam an seinen Lippen.

Die Rückmeldungen für den gesamten Tag seien sehr gut gewesen, berichtete Stefan Marx anschließend zufrieden. „Die Referenten haben uns darin bestätigt, dass das Thema bislang noch zu wenig wissenschaftlich behandelt wird.“ Das Symposium erfülle demnach eine wichtige Rolle. Künftig soll es mindestens einmal im Jahr stattfinden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

GZ-Hochschulseite

Was passiert an der HfWU Nürtingen-Geislingen? Was bewegt die Studenten? In unserem Dossier klären wir Fragen wie diese.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Eislinger Bluttat: Täter stach morgens zu

Das Verbrechen in der Eislinger Tiefgarage geschah am vergangenen Donnerstag gegen 7 Uhr. Der vermutete Tathergang hat sich bestätigt. weiter lesen